Kreativ mit Kautschuk

Arbeitgeberverband zeichnet die besten Ideen von Doktoranden und Studierenden aus

Wie gewöhnt man Kautschuk das Altern ab? Womit macht man Gummi fit für tiefe Temperaturen? Welche Effekte bewirken Magnetpartikel? Junge Wissenschaftler haben neue Rezepturen ausgetüftelt. Erfindergeist „made in Germany“.

Feierstunde: Die Preisträger mit Professor Ulrich Giese vom Deutschen Kautschuk-Institut, ADK-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt (von links) sowie dem ADK-Vorsitzenden Dr. Sven Vogt (rechts). Foto: Scheffler

Feierstunde: Die Preisträger mit Professor Ulrich Giese vom Deutschen Kautschuk-Institut, ADK-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt (von links) sowie dem ADK-Vorsitzenden Dr. Sven Vogt (rechts). Foto: Scheffler

Kronberg. Diese vier Wissenschaftler haben in ihren Arbeiten daran getüftelt, dass Kautschuk noch leistungsfähiger wird. Dafür haben sie nun den Förderpreis der Deutschen Kautschuk-Industrie erhalten.

Überreicht wurde er kürzlich im Schlosshotel Kronberg im Taunus (Hessen) vom Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands der Deutschen Kautschukindustrie, Dr. Sven Vogt, sowie vom Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt. „Unsere Unternehmen brauchen mehr denn je Erfindergeist, Kreativität und Experimentierbereitschaft“, sagte Schmidt.

Und er lobte: „Hinter den Ideen der Forscher und Entwickler stecken neue Möglichkeiten, die unsere Unternehmen benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und somit Arbeitsplätze zu sichern.“ Der Verband will so einen weiteren Beitrag leisten, um den Stellenwert naturwissenschaftlicher Studiengänge zu erhöhen und die Attraktivität der Berufe zu steigern.

Mit dem Preis ist eine Prämie von je 3.000 Euro für Doktorarbeiten verbunden und je 1.500 Euro für Abschlussarbeiten. AKTIV stellt die Arbeiten vor.


Jana Stanko: Know-how gegen das Altern

Foto: Gossmann
Foto: Gossmann

Jana Stanko wollte mit ihrer Masterarbeit am Deutschen Institut für Kautschuktechnologie Kautschuk „ewig jung“ machen: „In der Kosmetik verzögern Antioxidantien den Alterungsprozess – bei Kautschuk ist das genauso. Der wird normalerweise unter anderem durch Temperatur und Einwirkung von Sauerstoff nach einiger Zeit zerstört.“ Diesen Prozess wollte Stanko verlangsamen. Deshalb hat sie eine Kautschuk-Sorte und eine Modellsubstanz mit Antioxidantien vermischt, um sie extremen Bedingungen auszusetzen. So fand sie heraus, welche Oxidationsprodukte entstanden und wie stark ein Polymer durch das Antioxidans geschützt wird.

Matthias Lückmann: Fluorkautschuk fit für tiefe Temperaturen

Foto: Gossmann
Foto: Gossmann

„Es zischte, es rauchte, es puffte, wenn man im Chemiestudium Substanzen gemischt hat“, schwärmt Matthias Lückmann. Am Deutschen Institut für Kautschuktechnologie arbeitete er in Kooperation mit der Firma Elastica Osterode und der TU Clausthal. Er wollte die Tieftemperatureigenschaften von Fluorkautschuk (FKM) verbessern, und zwar durch Zugabe von ionischen Flüssigkeiten (IF oder auch Weichmacher). Dieser Kautschuk stellt eine Spezialität dar, weil er seine Elastizität auch bei Temperaturen von über 200 Grad größtenteils behält. Er wird deshalb gern in der Kfz-Industrie eingesetzt. Der 40-Jährige fand am Ende niedrigere Tieftemperaturgrenzen des FKM. Und Lückmann zeigte, wie durch die Zugabe von IF die Fließeigenschaften verbessert werden.

Anna Misiun: Teilchen mit großer Wirkung

Foto: Gossmann
Foto: Gossmann

Bei Anna Misiuns Promotion ging es um die Herstellung von nanoskaligen Polymerpartikeln, die als Füllstoffe für öl- und temperaturbeständige Elastomerwerkstoffe einsetzbar sind. Dabei hat die 32-Jährige auch Polymerkügelchen mit Magnetitpartikeln, also Magneteisen, gefüllt. Dadurch konnte sie mehrphasige Systeme herstellen, die maßgeschneidert zur Dämpfung oder für die Sensorik in der Industrie zum Einsatz kommen können. Misiun arbeitet jetzt als Materialentwicklerin bei Contitech Vibration Control.

Sabine Thust: Enger Bezug zur Praxis

Foto: Thust
Foto: Thust

Für ihre Doktorarbeit hat Sabine Thust das Alterungsverhalten elastisch verformbarer Kunststoffe (Elastomere) untersucht, etwa für Dichtungen. Ziel ihrer Arbeit: Rezepturbestandteile für Kautschukmischungen sowie Faktoren erforschen, die die Lebensdauer des Produkts verlängern. Dabei kommt es auf die Mischungen und auf die Vulkanisation an. Seit August 2014 arbeitet Thust bei Vorwerk Autotec in Wuppertal. Dort entwickelt sie Mischungsrezepturen für Fahrwerkslager oder Gummischläuche in der Kfz-Industrie. Bezug zur Praxis habe sie täglich: „Die Rezepturen, die ich erstelle, bekomme ich bald darauf als Bauteile in die Hand. In der Praxis müssen die funktionieren. Das ist wie die Entwicklung einer neuen Backmischung für Kuchen.“

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