Kluge Köpfe ausgezeichnet

Arbeitgeberverband kürt Forschungsarbeiten für zukunftsweisende Kautschuk-Typen

Hannover. Sie arbeiten an der Zukunft unserer Branche: Diese vier Forscher und Entwickler wurden jetzt mit dem „Förderpreis der Deutschen Kautschukindustrie“ ausgezeichnet. Der Arbeitgeberverband ADK würdigt damit herausragende wissenschaftliche Leistungen. Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt: „Hinter ihren Ideen stecken die neuen Möglichkeiten, die unsere Unternehmen benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern.“

Erstellt wurden die drei Dissertationen und eine Masterarbeit am Deutschen Institut für Kautschuktechnologie in Hannover. Es hat sich mit seiner Kombination von angewandter Grundlagenforschung und konkretem Service für die Branche international einen Namen gemacht. „Die ausgezeichneten Arbeiten bilden interessante Grundlagen für Produktentwicklungen und zukünftige unternehmerische Erfolge“, sagt Georg zur Nedden, geschäftsführender Gesellschafter der Westland Gummiwerke in Melle und Mitglied der Preisjury. „Sie stärken die deutsche Kautschuk-Industrie im globalen Wettbewerb.“

Starker Bezug zum Alltag in den Betrieben

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, war aber am Ende doch eindeutig“, sagt Jurymitglied Andreas Jäger, Geschäftsführer des gleichnamigen Kautschuk-Unternehmens in Hannover. „Die in diesem Jahr der Jury vorgelegten Arbeiten beweisen, dass die Absolventen des DIK gut auf den Alltag in unseren Betrieben vorbereitet werden.“

Es ist die Folge eines kreativen Miteinanders: „Bei uns forschen Chemiker, Maschinenbauer, Physiker und Mathematiker in interdisziplinären und internationalen Teams“, erläutert Institutsleiter Professor Ulrich Giese. „Diese wissenschaftliche und praxisbezogene Zusammenarbeit ist unser Alleinstellungsmerkmal.“


Dorothee Fuchs hat die Gesundheit im Blick

Foto: Neuenhausen
Foto: Neuenhausen

Unter anderem mit Tests in einer Speichel-Lösung forschte Dorothee Fuchs an neuen Methoden für die Industrie, ein Risiko für die Gesundheit auszuschließen: Bei der Vulkanisation von Kautschuken können durch bestimmte Beschleuniger-Chemikalien sogenannte sekundäre Amine freigesetzt werden, die dann mit Stickoxiden aus der Luft zu krebserregenden Nitrosaminen reagieren können. Stehen diese Produkte in direktem menschlichen Kontakt zum Beispiel bei Lebensmittelverpackungen, ist höchste Aufmerksamkeit erforderlich (Masterarbeit: „Analytische Charakterisierung der Kinetik der Nitrosaminbildung in wässriger Phase mittels chromatographischer Methoden“).

Torsten Thust untersuchte, wie Kautschuk besser haftet

Foto: Privat
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Seinen Fußballkumpels erklärt Torsten Thust das Thema am Beispiel der Ölwanne im Auto. Diese besteht heute aus Kunststoff, damit das Auto leichter ist und weniger Sprit verbraucht. Eine bisher aufwendig eingeklebte Kautschukdichtung sorgt dann dafür, dass das Öl in der Wanne bleibt. Thust untersuchte den Herstellprozess solcher Bauteile und die chemischen Reaktionen zwischen Kunststoff und Kautschuk, um den Klebeschritt in Zukunft einzusparen. Er arbeitet jetzt beim Spezialchemiekonzern Lanxess in Leverkusen (Doktorarbeit: „Rezeptur- und Prozesseinflüsse auf das Haftverhalten beim Mehrkomponentenspritzgießen von Thermoplast-Elastomer-Verbundbauteilen am Beispiel PA 6.6 – HNBR“).

Mareike Bradtmöller forschte an Recycling

Foto: Privat
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Dass recyceltes Gummi am Ende als inaktiver Füllstoff für wenig anspruchsvolle Produkte verwendet wird, befand Mareike Bradtmöller als unbefriedigend. Sie suchte nach einer sinnvollen Alternative zum „Downcycling“. Wegen des bei der Vulkanisation aufgebauten dreidimensionalen Netzwerks können Elastomere – anders als die meisten Kunststoffe – nicht geschmolzen und neu geformt werden, Die Kernfrage lautete also: Wie wird Elastomerabfall nicht nur reduzier-, sondern auch recycelbar?

Inzwischen arbeitet Mareike Bradtmöller als Mischungs- und Materialentwicklerin für die ContiTech MGW in Hamburg (Doktorarbeit: „Untersuchungen zur De-Vulkanisation schwefelvernetzter Elastomere unter Anwendung ungesättigter kautschukanaloger Modellmoleküle“).

Timo Steinke weiß, wie man Vibrationen dämpft

Foto: Privat
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Für Timo Steinke, der fünf Jahre am DIK forschte, sind Vibrationen schon lange ein Thema. Er ging der Frage auf den Grund: Was muss in Gummi enthalten sein, damit man mithilfe von Magnetismus die Schwingungen von Gummidämpfern beeinflussen kann? Sein Wissen kann der begeisterte Motorradfahrer Steinke jetzt bei seinem Arbeitgeber ContiTech Vibration Control Deutschland einbringen (Doktorarbeit: „Funktionalisierte, superparamagnetische Magnetit-Nanopartikel zum Einsatz in polymeren Kompositmaterialien“).

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