Auftakt der Verhandlungen in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Arbeitgeber vor der Tarifrunde: „Diesmal haben wir nicht so viel im Topf“

Waren. Als Chef von zwei ostdeutschen Smurfit-Kappa-Werken ist er für 350 Mitarbeiter verantwortlich. Sein Einsatz im Ehrenamt aber prägt das Lohnniveau der ganzen Branche: Jürgen W. Peschel ist seit 2011 Verhandlungsführer der Arbeitgeber bei Tarifverhandlungen. AKTIV sprach mit ihm zum Auftakt der neuen Lohnrunde.

Die letzte Tariferhöhung ist vor zwei Jahren beschlossen worden. Wie hat sich die Branche seitdem geschlagen?
Das Geschäft ist – vorsichtig ausgedrückt – stagnierend. 2012 und 2013 waren Umsatzentwicklung und Auftragseingang negativ; 2014 gab es im ersten Halbjahr ein kleines Plus. Aktuell gehen zwei Drittel der Unternehmen von gleich bleibenden oder sinkenden Erträgen aus, das hat unsere interne Umfrage vor den Sommerferien ergeben.

Nun stellen die einzelnen Betriebe ja ganz unterschiedliche Produkte her – gibt es da Ausreißer nach oben oder unten?
Es gibt zum Teil bemerkenswert schwierige Situationen, extrem ist das bei den Umschlag-Herstellern. Der Büromaterial- und Büroverpackungsindustrie geht es insgesamt nicht gut. Bei den Faltschachteln haben wir einen Geschäftsrückgang. In der Wellpappe sind ganz neue Werke und Anlagen im Markt, es gibt einen Angebotsüberhang: Das ist negativ für die Preisentwicklung.

Den Mitarbeitern ist es also besser ergangen als ihren Betrieben?
Das könnte man so sagen. Seit 2006 haben die Tariferhöhungen jedenfalls einen Zuwachs an Einkommen beschert, der deutlich über der Inflation liegt – und damit ist die Kaufkraft der Arbeitnehmer gestiegen. Das sagt auch die Gewerkschaft.

Aktuell haben wir unter 1 Prozent Teuerung – trotzdem liegt eine Forderung von 5,5 Prozent mehr Lohn auf dem Tisch. Was halten Sie davon?
Diese Zahl ist für uns angesichts der Fakten nicht nachvollziehbar. Diesmal haben wir nicht so viel im Topf. Wir müssen die Dinge jetzt mit Augenmaß angehen. Jeder Beschäftigte sollte sich fragen: Was wäre denn für sein Unternehmen gerechtfertigt – und verkraftbar? Bei den kleineren Betrieben machen die Löhne ja einen sehr hohen Anteil der Kosten aus.

Wie könnte ein Abschluss in diesem Jahr aussehen?
Unsere Betriebe benötigen eine verkraftbare, aber auch eine verträgliche Lösung – also einen Abschluss mit Augenmaß. Dies sollte die Zielsetzung beider Verhandlungspartner sein.


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