1. Mai, Tag der Arbeit

Arbeitgeber und Gewerkschaften: Oft ein pragmatisches Verhältnis

Deutschland freut sich über ein langes Wochenende: Am 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Die Zeit des Klassenkampfes ist längst vorbei. Arbeitgeber und Gewerkschaften gehen gelassen miteinander um, vor allem in schwierigen Zeiten. Eine Erfolgsbilanz

1920er Jahre: Fabrikarbeiter-Kundgebung in Berlin. Foto: AGK

1920er Jahre: Fabrikarbeiter-Kundgebung in Berlin. Foto: AGK

Köln. 1. Mai, Tag der Arbeit. Den meisten Deutschen verheißt er vor allem – ein schönes langes Wochenende. Freilich werden auch diesmal wieder Gewerkschafter Flagge zeigen und für ihre Positionen werben. Aber wenn sie und die Arbeitgeber sich zu Verhandlungen treffen, geht es doch eher sachlich zu.

So rettete in der Wirtschafts- und Finanzkrise ein Schulterschluss der Tarifparteien Zigtausende Arbeitsplätze. Um ihre Mitarbeiter trotz Flaute halten zu können, setzten damals viele Betriebe auf Kurzarbeit. Aber nicht nur das.

In der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) half der Tarifvertrag bei der Beschäftigungssicherung. Danach kann die Wochenarbeitszeit per Betriebsvereinbarung auf 30 Stunden gesenkt und das Entgelt entsprechend gekürzt werden. Für eine gewisse Zeit war in den Jahren von 2008 bis 2010 eine Absenkung auf 26 Stunden im Anschluss an eine Kurzarbeitsphase möglich, mit einem Teilentgeltausgleich.

Auch die Sozialpartner in der Chemie-Industrie nutzen Instrumente. So können die Tarifentgelte in einem Betrieb um 10 Prozent gesenkt werden, wenn dies zum Erhalt des Standorts, von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit erforderlich ist. Für die tarifliche Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden steht in der Chemie auf betrieblicher Ebene ein Korridor von 35 bis 40 Stunden zur Verfügung.




Doch so pragmatisch es auch zugeht zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften in der Industrie: Gelegentlich wirbeln bizarre Tarif-Auseinandersetzungen mit Spartengewerkschaften in anderen Branchen den Alltag vieler Menschen durcheinander und führen zu gravierenden Einbußen in der Wirtschaft. Wenn es um Piloten oder Lokführer geht, dauert das zudem oft besonders lange. Mehr als zehn Monate wird durchschnittlich in der Luftfahrt bis zu einem Tarifabschluss verhandelt, hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) errechnet. M+E kommt mit einem Drittel dieser Zeit aus, in der Chemie gelingt es noch etwas schneller.

Wenn es um den Standort D geht, wird meist an einem Strang gezogen

Wenn es um den Standort D geht, ziehen in der Industrie Arbeitgeber und Gewerkschaften eh oft an einem Strang. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium treffen sie sich zu regelmäßigen Branchendialogen. Da geht es um grundlegende Themen wie Energieeffizienz, um die Integration von Flüchtlingen – aber auch darum, wie Deutschland sich der Digitalisierung stellt.

Und nicht zuletzt: Gemeinsam haben sie sich zu offenen Märkten und fairem Welthandel bekannt.

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