Metall und Elektro: Tarifrunde 2018

Arbeitgeber kritisieren Vorstoß der IG Metall zur Arbeitszeit-Reduzierung

Einen tariflichen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit um ein Fünftel, oft bei teilweisem Lohnausgleich: Das strebt die IG Metall an. Aus Sicht der bayerischen Metall- und Elektroindustrie gefährdet das den Standort.

Arbeit bei Metall und Elektro: Die Betriebe stehen im knallharten globalen Wettbewerb. Foto: Getty

Arbeit bei Metall und Elektro: Die Betriebe stehen im knallharten globalen Wettbewerb. Foto: Getty

München. Deutlich haben die Arbeitgeber auf einen Vorstoß der IG Metall Bayern vor der anstehenden Tarifrunde reagiert. Es geht nicht nur um mehr Geld, sondern um einen neuen tariflichen Anspruch auf persönliche Arbeitszeit-Reduzierung, der die Personalplanung der Betriebe vor enorme Probleme stellen würde. „Für eine gesicherte Zukunftsperspektive brauchen wir auf Unternehmensseite mehr und nicht weniger Flexibilität“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm).

Die IG Metall möchte den neuen Anspruch für alle Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben durchsetzen. Der Einkommensverlust soll für bestimmte Gruppen durch einen „Entgeltzuschuss“ teilweise ausgeglichen werden. Das wäre „kollektive Umverteilung“, so Brossardt. Sie würde zur Folge haben, „dass alle Beschäftigten die Freizeitwünsche Einzelner mitbezahlen“.

Lohnforderung „um die 6 Prozent“

Der vbm-Hauptgeschäftsführer betonte: „Die 35-Stunden-Woche ist der Anker für alle Beschäftigten in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie – und das soll auch so bleiben. Aber wenn die Arbeitszeit darunter liegen kann, dann muss sie auch erhöht werden können.“ Für individuelle Bedürfnisse nach reduzierter Arbeitszeit gebe es bereits gesetzliche und betriebliche Regelungen.

In anderen Tarifgebieten wurde die Arbeitszeit-Idee seitens der IG Metall noch präzisiert: Für einen Zeitraum von zwei Jahren soll jeder Beschäftigte die Arbeitszeit von 35 auf bis zu 28 Stunden verringern können und danach ein Rückkehrrecht auf Vollzeit haben. Auch in Sachen Entgelt, über das bald wieder verhandelt werden muss, gab es außerhalb Bayerns schon eine konkrete Zahl: „Um die 6 Prozent“ will man fordern.




Auch das gefährdet aus Sicht der Arbeitgeber die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Dazu muss man wissen: Die Tariflöhne in Bayerns Metall- und Elektroindustrie sind seit dem Jahr 2000 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Nach der jüngsten vbm-Effektivverdiensterhebung lag das durchschnittliche tarifliche Jahresentgelt 2016 bei stolzen 56.300 Euro.

Die Produktivität hat mit der Lohnentwicklung seit Jahren nicht mehr Schritt gehalten – und Investitionen finden zunehmend im Ausland statt. Über die Herausforderungen im globalen Standortwettbewerb hat AKTIV bereits ausführlich berichtet.

Der Tarifvertrag läuft Ende des Jahres aus. Verhandelt wird ab Mitte November.

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