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Manche Hoffnungen, die auf staatlichen Konjunkturpaketen ruhen, sind vergebens

Konjunkturprogramme kosten viel, sind oft bloß Strohfeuer und stiften langfristig Schaden? „Langfristig sind wir alle tot“, konterte solche Einwände vor gut 80 Jahren der britische Ökonom Sir John Maynard Keynes.

Er gilt bis heute als der „Chefideologe“ in Sachen Konjunkturprogramme. Na­türlich wusste er, dass nach unserem Tode die Nachgeborenen für die heutigen Staatsausgaben zahlen müssen. Und dass kaum zwei Jahre vergehen, bis aus künstlicher Kredit-Verbilligung (also aus aufgeblähter Geldmenge) Inflation entsteht. Aber Keynes hat ja solche Einwände nur für unbe­achtlich erklärt – nicht für unzutreffend.

Und wenn jetzt die Regierungen dieser Welt Milliarden und Billionen „in die Wirtschaft pumpen“, um zu verhüten, dass aus Abschwung und Stockung Schlimmeres wird? Liegen sie vielleicht doch richtig?

Fangen wir mit dem Einfachsten an: den „Verbrauchsgutscheinen“. 500 Euro sollten nach den ersten Plänen für ein Konjunkturpaket an jeden Einwohner ausgereicht werden. Das macht bei gut 80 Millionen Einwohnern ungefähr 40 Milliarden Euro. Und wenn die alle auf den Putz gehauen werden, fällt nach Jahresfrist die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (in der Sparte „Bruttoinlandsprodukt nach Verwendungsart“) um 40 Milliarden Euro höher aus.

Händler und Hersteller fahren vielleicht eine Zeit lang Überstunden, um die zusätzliche Nachfrage zu bedienen. Aber das war’s dann. Sind die 40 Milliarden einmal ausgegeben, fallen alle Wirtschaftsbeziehungen auf den vorherigen Stand zurück. Der gleiche Be­fund gilt letztlich für alle einschlägigen Staats-Veranstaltungen – mit Ausnahme der dauerhaften Steuersenkung. 

Als solide gelten weithin auch staatliche Investitionen in Straßenbau, Schulen und so weiter. Putzig ist in diesem Zusam­men­hang die Forderung, es dürfe sich nicht um „ohnehin geplante“ Maßnahmen handeln. Wieso das? Wenn etwas bloß ge­plant war, ist es jedenfalls noch nicht in bestehende Wirtschaftsbeziehungen übersetzt. Und allein darauf käme es an: zu­sätz­liche, dauerhafte Tauschbezüge zu stiften.

Die Hoffnung, dass staatlich „angestoßene“ Wirtschaftsbeziehungen sich schon irgendwie verstetigen, ist verwegen. Immer machbar sind nur geschönte Gesamtrechnungszahlen. Bis die Wirtschaft sich wieder von selbst berappelt hat.


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Schlagwörter: Konjunktur Steuern

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