Europäische Staaten treffen große Entscheidungen

Anfang Dezember wird entschieden: Deutschlands Zukunft in der Raumfahrt

Berlin. So spannend wie neulich bei der Landung des deutschen Astronauten Alexander Gerst in der Steppe Kasachstans wird es am 2. Dezember in Luxemburg zugehen – wenn auch weniger spektakulär. Ob die Europäer nach 2016 weiter mitmachen bei der internationalen Raumstation ISS, wird dann im ESA-Ministerrat entschieden, dem Gremium von 20 Raumfahrtnationen.

„Der Einsatz von Alexander Gerst hat gezeigt, wie wichtig die ISS für die Wissenschaft ist“, sagt Stefan Hess vom Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Und deutsche Unternehmen sind wichtig für den Erfolg der ISS. Seine Forschung über das Verhalten von Werkstoffen in der Schwerelosigkeit etwa hat Astronaut Gerst im Raumlabor Columbus absolviert. Wichtige Ausstattungskomponenten stammen von Airbus Defence and Space aus Bremen.

Kleine Branche mit 8.200 Arbeitsplätzen

Das zweite große Thema in Luxemburg: die Trägerrakete Ariane. „Deutschland hat einen Anteil von mehr als 20 Prozent bei der Ariane 5“, sagt Hess. „Im gleichen Umfang sollten wir auch an der Ariane 6 beteiligt werden.“

So liefert Airbus Defence and Space aus Bremen die Oberstufe der Rakete, aus Ottobrunn stammt die Brennkammertechnologie. „Ohne die deutsche Industrie“, so der Abteilungsleiter Raumfahrt und Verteidigung im BDLI, „würde die Ariane in dieser Form nicht fliegen.“

Europa braucht weiterhin einen „eigenen Zugang zum All“, um seine Herausforderung meistern zu können. Beim Satelliten-Navigationssystem Galileo hat es zuletzt einen Rückschlag gegeben. Die von OHB in Bremen gebauten Satelliten funktionieren zwar, wurden aber außerhalb ihrer vorgesehenen Umlaufbahn ausgesetzt.

„Auf der russischen Trägerrakete hatte es offenbar eine Fehlfunktion gegeben“, so Hess. „Ich bin trotzdem sicher, dass Galileo seine volle Funktionsfähigkeit erreichen wird.“ Schließlich gehören Satelliten zur Kernkompetenz der wachsenden, wenn auch kleinen Raumfahrt-Branche mit rund 8.200 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Ob Kartografierung, Katastrophenvorhersage, Kommunikation oder militärische Aufklärung: „Die bei der ESA eingesetzten Satelliten sind meist unter Systemführerschaft der deutschen Raumfahrt-Industrie entstanden“, so Hess. Die starke Marktposition wolle man ausbauen.


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