Landwirtschaft

Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen nehmen zu

Göttingen. Braucht die Menschheit gentechnisch veränderte Pflanzen? Hier scheiden sich die Geister. Fakt ist, dass die Anbauflächen dafür weltweit schon riesig sind – außer in Europa. Und die Furcht vor negativen Folgen wird durch die Wissenschaft nicht bestätigt.

Kritiker sehen die Verbraucher in ihrer Gesundheit bedroht und die Bauern in neue Abhängigkeiten gedrängt. Befürworter hoffen dagegen auf ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Hunger. Die grüne Gentechnik „ist nicht die Lösung der weltweiten Ernährungsprobleme“, relativiert Philip von dem Bussche, bis Ende 2014 Chef des weltweit fünftgrößten Saatgut-Herstellers KWS in Einbeck (Niedersachsen). Aber es sei „moralisch nicht vertretbar“, sie „kategorisch auszuschließen und damit ihren Nutzen zu ignorieren“.

Zumal sich die gängigen Befürchtungen nicht erhärten lassen. In einer „Metastudie“ werteten Forscher der Universität Perugia in Italien für den Zeitraum 2002 bis 2012 rund 1.800 wissenschaftliche Arbeiten zu den Umwelt- und Gesundheitswirkungen von Gen-Pflanzen aus. „Wir können festhalten“, heißt es im Fazit, „dass die Untersuchungen bislang keine einzige signifikante Bedrohung zutage gefördert haben, die direkt mit der Verwendung gentechnisch modifizierter Nutzpflanzen zusammenhängt.“

Wie sich die Technologie für Landwirte auszahlt, zeigt eine Ende 2014 veröffentlichte Metastudie der Uni Göttingen – auf Basis von 147 Expertisen aus aller Welt. Fazit: Im Durchschnitt ernten Landwirte 22 Prozent mehr und sparen 37 Prozent Pflanzenschutzmittel ein. Zwar ist das Saatgut teuer. Doch der höhere Ertrag sowie weniger Kosten für Spritzmittel ergeben mehr Gewinn – laut Studie im Durchschnitt 68 Prozent. Am deutlichsten profitieren die Landwirte in Entwicklungsländern. Wie lange diese positiven Aspekte stabil sind, wird allerdings nicht ermittelt.

Bereits 1996 säten Landwirte in den USA die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen. Heute stehen diese weltweit auf 1,75 Millionen Quadratkilometern – und damit auf gut 10 Prozent der global verfügbaren Ackerfläche. Zum Vergleich: Ganz Deutschland ist 0,36 Millionen Quadratkilometer groß. In 28 Ländern der Welt werden mittlerweile Gen-Pflanzen angebaut, am meisten in den USA und in Südamerika. Neben Soja, Mais, Baumwolle und Raps gibt es – allerdings noch in statistisch vernachlässigbarer Größenordnung – auch schon Weizen, Zuckerrüben, Papaya, Zucchini, Luzerne (Alfalfa) und Pappeln.

„Der Klimawandel wird den Bedarf verstärken“

Rund um den Globus sind 18 Millionen Landwirte auf gentechnisch verändertes Saatgut umgestiegen, bilanziert der in New York, Nairobi und Manila ansässige Branchendienst ISAAA. Dessen Gründer Clive James prophezeit: „Die Auswirkungen des Klimawandels werden den Bedarf an dieser Technologie noch verstärken.“ Denn die damit entwickelten Pflanzensorten bewährten sich „als Werkzeug für rohstoffarme Landwirte, die mit mangelnden Wasservorräten und hohem Druck durch Unkraut und Schädlinge konfrontiert sind“.

Im Februar kommen die neuesten Daten zur Entwicklung der Anbauflächen heraus. „Sie haben sich besonders in den USA, Argentinien, Brasilien und Indien 2014 weiter vergrößert, auch wenn die Wachstumskurve insgesamt abflacht“, sagt Philipp Graf von der Berliner Beratungsfirma Biocom. Nur Europa ist abgeschlagen – und die gerade mal 1.500 Quadratkilometer Anbaufläche liegen zu 94 Prozent in Spanien.


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Auf Youtube ist er längst ein Star: Professor Hans Rosling, Mediziner aus Schweden, verblüfft sein Publikum mit überraschenden Erkenntnissen aus internationalen Statistiken. AKTIV hat mit ihm gesprochen.

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