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An der Leistungsgrenze


1. VhU-Energieforum in Wiesbaden: Unternehmer fordern von der Politik wettbewerbsfähige Preise

Für Klimaschutz, aber gegen steigende Energiekosten sprach sich die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) beim 1. VhU-Energieforum in Wiesbaden aus. Die Unternehmer forderten Bund und Land dazu auf, die Energiepreise durch das geplante Energiekonzept nicht zusätzlich zu verteuern.

In der Energie- und Klimapolitik müsse stattdessen stärker auf die Senkung des Energieverbrauchs durch eine bessere Nutzung intelligenter Energietechniken gesetzt werden.

Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch erklärte, die Wettbewerbsfähigkeit energie-intensiver Betriebe dürfe durch den Emissionshandel und die Ökosteuer nicht gefährdet werden. Da es den erneuerbaren Energien vielfach noch an Wirtschaftlichkeit mangele, forderte er größere Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung.

Dass die Bundesregierung keinen Abbau der staatlich bedingten Energieverteuerungen plant, bedauert auch Hubertus Bardt, Leiter der Forschungsstelle Energieökonomik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Die Energiepolitik muss die Abgabenlast gerade beim Industriestrom auf ein wettbewerbsfähiges Niveau verringern, damit die energie-intensiven Branchen weiter in Deutschland produzieren und investieren können.“

Wo es in den Betrieben klemmt, zeigt AKTIV anhand von drei Unternehmen.

Texte: Maja Becker-Mohr

Schoeller-Electronics

Leiterplatten brauchen ein prima Klima ...

... und das kostet eine Menge Geld

Wetter. Die Schoeller-Electronics GmbH ist mit 265 Mitarbeitern und einem für 2010 erwarteten Jahresumsatz von 30 Millionen Euro ein führender Leiterplatten-Hersteller in Europa. Das  Unternehmen sieht sich als Entwicklungsmotor der Branche. Nach zwei turbulenten Jahren mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist es jetzt wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Vor allem, wenn es kompliziert wird, sind die Spezialisten aus Wetter gefragt. Etwa wenn Leiterplatten sich in alle Richtungen biegen lassen sollen. Hauptabnehmer sind Medizin, Luft- und Raumfahrt, Industrie-Elektronik, Telekommunikations- und Automotive-Industrie.

2 Millionen Euro für Heizöl und Strom

Produziert wird in vollklimatisierten Räumen. „Wir müssen im Sommer kühlen, im Winter heizen und brauchen deshalb verhältnismäßig viel Energie“, so Geschäftsführer Wolfgang Winkelmann. Allein für Heizöl und Strom belaufen sich die Kosten auf 2 Millionen Euro pro Jahr.

„Energiespar-Management ist deshalb bei uns ein Riesenthema, dem wir ein eigenes Projekt gewidmet haben. Wir suchen nach Alternativen und nach Wegen, sie umzusetzen“, erläutert Winkelmann.

Schon jetzt ist der Druck groß. Denn bis zu 30 Prozent des Umsatzes erzielt Schoeller- Electronics in Asien.

„Wir punkten mit Technologie und hoher Qualität. Dann darf es auch mehr kosten, aber eben nur in ganz engen Grenzen und die lassen noch höhere Energiekosten nicht mehr zu“, sagt der Geschäftsführer.


Herborner Pumpenfabrik

Das Herzstück kommt aus der Gießerei ...

... und dort ist der Verbrauch am höchsten

Herborn. Der traditionsreiche Familienbetrieb (135 Jahre alt, 150 Mitarbeiter, 17 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2009) entwickelt und produziert Pumpen, unter anderem für Schwimmbäder und für die Abwassertechnik auf Schiffen. Viele Produkte der Herborner Pumpenfabrik gelten als besonders umweltfreundlich.

5 Prozent des Umsatzes für Energie

Herzstück aller Pumpen sind die Gusseisenteile, die in der eigenen Gießerei hergestellt werden. Dort wird der Löwenanteil der im Unternehmen benötigten Energie verbraucht.

2009 waren es mehr als 200.000 Kubikmeter Gas, 130.000 Liter Heizöl und mehr als eine Million Kilowattstunden Strom. „Knapp 5 Prozent unseres Umsatzes geben wir für Energie aus. Obwohl wir permanent sparen, befürchten wir, dass uns die Kosten hier einfach davonlaufen“, so Geschäftsführer Wolfram Kuhn.

Bereits vor zwei Jahren nahm die Pumpenfabrik am PIUS-Projekt teil (PIUS steht für  produktionsintegrierter Umweltschutz), einem Beratungsprogramm der Landesregierung. Es hilft, den Energieverbrauch zu senken. „Wir kämpfen gegen den internationalen Wettbewerb, der Energie viel günstiger einkauft“, so Kuhn.

Noch mehr Belastungen seien undenkbar: „Noch mehr Druck vonseiten der Politik gefährdet nur Arbeitsplätze.“

Hörmann Automotive

Technologieführer investiert Millionen ...

... und trotzdem schnellen seine Ausgaben rasant in die Höhe

Ginsheim-Gustavsburg. Das Unternehmen (150 Jahre alt, 870 Mitarbeiter) entwickelt und produziert Chassis-, Ka-rosserie- und Anbauteile für Lkws und Pkws. Hörmann Automotive in Ginsheim-Gustavsburg gilt als ein Techno-logieführer für Nutzfahrzeug-Rahmen.

Rund 35 Millionen Euro wurden in den letzten Jahren in Technologien und Fertigungsabläufe investiert. Kernstück ist ein Presswerk mit verketteten Automationen bis zu sechs Pressen und Presskräften bis zu 5.000 Tonnen.

Für 2011 sind 1,7 Millionen eingeplant

Die Aufwendungen für die Energie sind der drittgrößte Kostenblock, nach Material und Personal. Systematisch wird daran gearbeitet, den Energieverbrauch zu reduzieren. Dennoch steigen die Energiekosten rasant. 2006 waren es 820.000 Euro. Für 2011 sind 1,7 Millionen Euro eingeplant, bei gleichem Verbrauch. 

„Die Herstellkosten steigen in diesen fünf Jahren um 44 Prozent, Steuern und Abgaben sogar um 250 Prozent“, so Geschäftsführer Andreas Meyer. „Daran sieht man, welche Mehrbelastung für die Energiebeschaffung ein Betrieb unserer Größenordnung stemmen muss.“

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Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V.

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Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V.
Emil-von-Behring-Straße 4
60439 Frankfurt am Main

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Herborner Pumpentechnik GmbH & Co KG

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Herborner Pumpentechnik GmbH & Co KG
Littau 3-5
35745 Herborn

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Hörmann Automotive Components GmbH

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Hörmann Automotive Components GmbH
Ginsheimer Straße 2
65462 Ginsheim-Gustavsburg

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Schoeller-Electronics GmbH

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Schoeller-Electronics GmbH
Marburger Straße 65
35083 Wetter/Hessen

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Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Konrad-Adenauer-Ufer 21
50668 Köln

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