So funktioniert Marktwirtschaft

Amazon steigt ins Paketgeschäft ein – und mischt den Markt auf

Amazon-Versand (in Leipzig): Der Internethandels-Riese verschickt im Jahr 500 bis 700 Millionen Pakete. Foto: dpa

Berlin. Kurz anhalten, zum Paket greifen, klingeln, abgeben – und schnell weiter. Jetzt haben die Paketboten wieder Hochkonjunktur. Die Deutschen kaufen in diesem Jahr zum Fest wohl so viele Geschenke übers Internet wie nie zuvor, im Gesamtwert von 11 Milliarden Euro. Das sind 12 Prozent mehr als 2014.

Himmlische Zeiten für Paket-Unternehmen wie die Post-Tocher DHL oder Hermes. Doch ausgerechnet ein guter Kunde der beiden Dienstleister sorgt nun für eine böse Überraschung: Amazon steigt ins Zustellgeschäft ein.

Dafür hat der Internethandels-Riese eine Logistik-Gesellschaft gegründet, die den Transport organisiert und über regionale und lokale Lieferfirmen abwickelt. In Olching bei München, im neuen Amazon-Verteilzentrum, wird das Konzept schon angewendet.

„Für die namhaften Paketdienste in Deutschland sind die Amazon-Ambitionen sehr gefährlich“, sagt Michael Lierow, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Von den jährlich fast drei Milliarden Paketen stammen „500 bis 700 Millionen allein von Amazon“. Der Internethändler prüft derzeit, ob sich das Modell Olching auf andere Städte übertragen lässt. Und greift damit die Platzhirsche frontal an.

Die Verbraucher freilich profitieren, wenn neue Konkurrenz eine Branche aufmischt. Sie zwingt etablierte Anbieter, besser zu werden: So funktioniert Marktwirtschaft.

Laut einer Studie des Bundesverbands Paket und Expresslogistik, der die Interessen der Großen vertritt, arbeiten mehr als 200.000 Menschen in diesem Gewerbe, bei einem Jahresumsatz von 17 Milliarden Euro. Bis 2019 dürfte die Zahl aller Pakete auf 3,8 Milliarden steigen. Schon heute gehen 40 Prozent der Sendungen an Privathaushalte.

„Von den Zuwächsen werden vor allem die regionalen Anbieter profitieren“, sagt Andreas Schumann. Er ist Vorsitzender des Bundesverbands der Kurier-Express-Post-Dienste, der sich unter anderem für die kleinen Subunternehmer starkmacht: „Andere große Internethändler dürften dem Beispiel Amazon folgen.“

Und es droht noch mehr Ungemach für die Etablierten: durch Neulinge wie Sennder, der nach dem Muster des Taxi-Schrecks Uber arbeitet. Wie dort Privatleute Fahrgäste mitnehmen, können diese Pakete ausliefern. Auch Fernbusse sollen als Kuriere genutzt werden.

Auf diese Idee ist die gute alte Post immerhin auch schon gekommen …


Mehr zum Thema:

Online-Shopping kann so praktisch sein: Nach ein paar Klicks und wenigen Tagen bekommt man die Ware direkt nach Hause geliefert. Jedenfalls in der Regel. Und wenn mal nicht? Hier lesen Sie, was Kunden im Problemfall wissen sollten.

Verschwindet ein Einschreiben, haftet die Deutsche Post dafür – klar. Aber wer steht dafür gerade, wenn eine normale Sendung nicht ankommt? Und was muss man beim Versand von Waren beachten, die über Amazon oder Ebay gekauft werden?

aktualisiert am 29.03.2016

Für die einen ein Segen, für die anderen ein Fluch: keiner zu Hause? Dann ab die Post zum Nachbarn! Ist das überhaupt erlaubt? Kann der Empfänger es verbieten? Und was, wenn die Lieferung beim Nachbarn kaputtgeht?

Omas Schaukelstuhl geerbt – und nun? Wie bekommt man das gute Stück aus Hinterposemuckel-Süd in die eigene Wohnung? Geht das noch per Post? Was sind praktische Alternativen? Hier bekommen Sie Versandtipps.

aktualisiert am 29.03.2016

Wer oft Pakete versendet, sollte wissen: Die Preise, zu denen ein und derselbe Dienstleister von A nach B liefert, können deutlich voneinander abweichen – wer Porto online kauft, spart.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang