Interview: „Limit fürs Ansparen aufheben“

Altersvorsorge-Experte kritisiert Betriebsrenten-Plan von Arbeitsministerin Nahles

Berlin. Arbeitsministerin Andrea Nahles will mehr kleine und mittlere Firmen für die Idee der Betriebsrente gewinnen. Doch sie packt das falsch an, sagt Heribert Karch, Chef der von Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften getragenen „Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung“.

Besteht hier überhaupt Reformbedarf?
Die Betriebsrente ist eine sehr gute Sache. Und sie wird immer wichtiger, um im Ruhestand die Versorgungslücke zu schließen. Zurzeit gibt es diese Säule der Altersvorsorge nur bei sechs von zehn Beschäftigten. Deshalb ist der Reformbedarf riesig.

Was hat die Arbeitsministerin vor?
Sie will die Tarifparteien durch Sonderregeln anregen, eigene Pensionskassen oder Pensionsfonds zu installieren. Offenbar denkt sie auch daran, solche Lösungen für allgemeinverbindlich zu erklären. Damit die Arbeitgeber da mitmachen, will sie ihnen entgegenkommen: Sie sollen nicht haften und Geld nachschießen müssen, falls die gesparten Mittel nicht für die Renten reichen.

Was ist daran zu kritisieren?
Damit die Anwartschaften trotzdem eingelöst werden, braucht man Sicherungsfonds. Diese unterliegen den strengen Eigenmittel-Richtlinien der EU – und das mindert die Ertragschancen bei den Rücklagen. Zudem fürchten viele Arbeitgeber, dass aus einer freiwilligen sozialen Leistung eine obligate Betriebsrente wird. Der Vorschlag ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

Wie ließe sich die Betriebsrente denn besser fördern?
Man sollte sie für Mittelständler unbürokratischer gestalten. Und für Mitarbeiter attraktiver – indem man beim Ansparen ein unsinniges Limit aufhebt. Die Entgeltumwandlung aus dem Lohnbrutto ist nur bis zu jährlich 2.856 Euro steuer- und sozialabgabenfrei. Zudem werden die Renten übermäßig durch Krankenkassenbeiträge belastet. Ohne zusätzlichen finanziellen Anschub geht es nicht.


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