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Themen-Special: Leben 4.0

Altenpflege: Roboter können Freiräume schaffen

Krise in der Pflege: Zu wenig Personal, zu viele Alte. Der demografische Wandel schlägt zu. Rainer Wieching, Forschungsleiter an der Uni Siegen, über die Rolle von digitaler Technik in der alternden Gesellschaft.

Eingespielt: Rainer Wieching und „Pepper“, der freundliche Roboter. Foto: Roth

Eingespielt: Rainer Wieching und „Pepper“, der freundliche Roboter. Foto: Roth

Wir Deutsche haben manchmal eine seltsame Art zu denken. Wenn’s um Technik geht, zum Beispiel. In anderen Ländern, in Japan etwa, werden Roboter als Helfer wahrgenommen. Bei uns fürchtet man sich eher vor ihnen. Und unterstellt, die Dinger strebten in Wahrheit nach der Weltherrschaft.

Aber ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster. Und behaupte: Mit Digitalisierung und moderner Robotertechnik können wir eines unserer drängendsten Probleme lösen: den demografischen Wandel und die Krise in der Pflege.

Denn Altenpfleger – das ist ja schon jetzt ein Mangelberuf. In den nächsten Jahrzehnten wird sich das Problem verschärfen. Weil unsere Gesellschaft so stark altert. Es immer mehr Pflegebedürftige geben wird. Und viel weniger junge Menschen.

Pflegeroboter sorgen auch für schöne Momente

Im Rahmen eines Forschungsprojekts sind wir deutschlandweit in Altenheimen. Immer dabei ist unser Roboter „Pepper“. Ein sympathisches Kerlchen, mit Kulleraugen und Fliege. Pepper kann singen, „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carrell zum Beispiel. Mit ihm kann man kleine Spiele machen, Memory oder Quiz. Wenn er auf die Senioren zurollt, herrscht anfangs eine gewisse Scheu. Aber nicht selten singt nach ein paar Minuten die ganze Gruppe die alten Schlager. Das sind schöne Momente. Eine alte, durchaus noch rüstige Dame hat Pepper neulich sogar geküsst.

Hybride Teams aus Mensch und Maschine

Unser Pepper kann also vor allem aktivieren und unterhalten. Aber das ist erst der Anfang. Forschungsprojekte und Prototypen gibt es bereits in Fülle. Roboter, mit denen alte Menschen spazieren gehen können. Oder Roboter, die putzen und kochen können. Die mit dem Kühlschrank verbunden sind und Lebensmittel bestellen. Und so dafür sorgen, dass alte Menschen länger in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Gerade in ländlichen Regionen, in denen ja oft schon gar keinen Supermarkt in der Nähe mehr existiert.

Es gibt schon Roboter, die Pfleger in Heimen als Hebehilfen unterstützen. Gut für den Rücken. Und es werden Robotersysteme getestet, die bei alten Menschen auch die Intimwäsche übernehmen können.

Für manche mag das ein Horrorszenario sein. Ich sehe es eher als Riesenchance. Denn wenn man diese Roboter gemeinsam mit den Pflegekräften und den Senioren wirklich praxisrelevant entwickelt, können sie den Pflegekräften im Heimalltag sinnvoll assistieren und ihnen Freiräume schaffen.

Eine vollautomatische Pflegefabrik? Das will doch keiner!

Ich will nicht missverstanden werden: Wir dürfen nicht nur auf Technik setzen. Und eine vollautomatische Pflegefabrik darf es niemals geben! In seinen letzten Lebensmonaten will keiner bloß eine Maschine am Bett haben. Und jeder Patient muss frei wählen können, ob er in seiner Nähe überhaupt einen Roboter möchte.

Aber wenn ein Roboter einen Senior im Heim für eine Weile beschäftigt, sich dank künstlicher Intelligenz über interessante Themen mit ihm unterhalten kann – dann gewinnt der menschliche Pfleger einfach mehr Zeit für Empathie und Würde an anderer Stelle. Für das Zwischenmenschliche, das heute im Pflegealltag aus Zeitmangel viel zu oft zu kurz kommt. Hybride Pflegeteams aus Mensch und Maschine – damit könnten wir die Herausforderungen meistern, vor denen wir bald in der Pflege stehen. Und vielleicht sogar die Qualität verbessern.

Gerade hier zeigt sich: Bei genauerem Hinsehen schließen sich digitale Technik und Menschlichkeit nicht aus. Ganz im Gegenteil.


Die weiteren Artikel des Themen-Specials:

Roboter, künstliche Intelligenz, Industrie 4.0: Muss man vor moderner Technik Angst haben? Wir haben drei Menschen getroffen, die zum Thema Digitalisierung etwas ganz Besonderes zu sagen haben. Botschaft: Entspannt euch!

Hilfe, die Roboter kommen. „Na und?“, sagt Mads Pankow, Technik-Philosoph in Berlin. Die Ängste vor tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt versteht er zwar. „Aber sie sind nicht berechtigt.“ Wie meint er das?

Carsharing, autonome Busse, E-Bikes: Digitalisierung wird die Art verändern, wie wir uns fortbewegen. Svenja Polst, Verkehrsexpertin und Psychologin vom Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern, über Mobilität von morgen.

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