Schwerpunkt

Alte Menschen - gute Kunden


Bayerische Hersteller nehmen Wünsche der Senioren stärker in den Blick

Traunreut/München/Erlangen. Was sie bemängeln, erspart Tausenden anderen Menschen viel Ärger – und dem Unternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte unzufriedene Kunden. Senioren testen im Auftrag des Haushaltsgeräte-Herstellers, ob eine neue Herdgeneration einfach zu verstehen ist und sich bequem bedienen lässt. Für die Entwicklungsabteilung ist diese Kritik von großem Wert: Denn schließlich sollen am Standort in Traunreut nicht nur stylische Herde für junge Singles, sondern auch praxistaugliche Geräte für den Alltag älterer Menschen gefertigt werden.

Rot-Kreuz-Symbole schrecken ab

Für Hersteller ist es heute besonders wichtig zu wissen, was Senioren wollen und brauchen. Denn in Zeiten des demografischen Wandels (siehe unten: Info) wird diese Kundengruppe immer größer. Außerdem haben die Älteren von heute so viel Vermögen angehäuft wie keine Generation zuvor. Und sie wollen es ausgeben. Davon profitiert nur, wer die richtigen Produkte im Angebot hat.

Ein weiteres Unternehmen, das die Senioren seit Jahren genau im Blick hat, ist der Münchner Telefonhersteller Gigaset Communications. „Wir waren Vorreiter, als wir 2006 speziell für diese Kundengruppe Telefone auf den Markt gebracht haben“, sagt Geschäftsführer Hans-Burghardt Ziermann. Und es hat sich gelohnt. Inzwischen mache ihr Anteil in einigen Märkten bereits bis zu 10 Prozent des Umsatzes aus, erklärt er. „Dieses Segment ist für uns weiterhin von großem und wachsendem Interesse.“

Die Vorlieben der Älteren genau zu treffen, ist allerdings nicht ganz einfach. Denn einerseits müssen die Entwickler auf altersgerechte Funktionalität achten: größere Tasten, großzügige Displays, schnell wählbare Notfalltasten. Andererseits soll das Design trotzdem elegant wirken – und gleichzeitig Verlässlichkeit ausstrahlen. „Das alles muss man sehr sensibel ausbalancieren“, sagt Hans-Henning Brabänder, verantwortlich fürs Design bei Gigaset.

Eigene Geräte hätten aus diesem Grund etwa keine Notruftasten mit Rot-Kreuz-Symbol, erklärt er: „Sie sind zwar plakativ, ignorieren aber den hohen stilistischen Anspruch der Kundengruppe.“

Anders sieht es hingegen mit großen Tasten am Rand eines Telefons aus, mit denen man während eines Gesprächs die Lautstärke verändern kann. „Das macht ein Gerät zwar nicht schöner“, sagt Brabänder, „aber bei der Funktionalität muss man in dieser Zielgruppe manchmal kompromisslos sein.“ Eindeutig ist für den Entwickler auch: Ein Telefon, das Senioren ansprechen will, sollte hörgerätkompatibel sein – „Das ist ein Muss.“

Klar: In einer alternden Gesellschaft werden mehr Menschen leben, die ein Hörgerät benötigen. Damit rechnet auch der Siemens-Konzern und steckt daher viel Energie in die Erforschung und Entwicklung neuer Funktionen für die Hörhilfen seiner Medizintechnik.

Neue Technik für Hörgeräte

„Moderne Geräte leisten schon heute sehr viel“, sagt André Steinbuß, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung Audiologie in Erlangen. Aber es gebe noch viel zu tun: „Wir versuchen, die Geräte noch kleiner zu bauen, das Sprachverstehen in geräuschvollen Situationen weiter zu verbessern, die drahtlose Anbindung an Unterhaltungselektronik zu vereinfachen und Batterien kleiner und langlebiger zu gestalten.“

Die neuen Entwicklungen: Die Funktion „SpeechFocus“ überprüft den Schall der Umgebung auf Sprachmuster. Der „FeedbackStopper“ verhindert ein nerviges Pfeifen, das durch Rückkopplungen entsteht. Und „Soundlearning 2.0“ ist die Umsetzung eines lernenden Hörgerätes, das Lautstärke und Klang über die Zeit automatisch auf die Vorlieben des Trägers einstellt. In den jüngsten Hörgeräte-Generationen stecken diese Innovationen schon drin.

Das Ende der Entwicklung ist noch nicht erreicht. Allerdings wird es nicht einfach, noch mehr Technik in neue Geräte zu packen. Denn die Gehäuse sollen immer kleiner werden – ums Ohr herum soll es schließlich diskret zugehen. „Außerdem müssen wir noch die kosmetischen Ansprüche und die Batterieleistung in ein vernünftiges Verhältnis setzen“, sagt Steinbuß. Er hat alle Hände voll zu tun, um seine älteren Kunden zufriedenzustellen.

Info: Demografie

In Deutschland wird zu wenig Nachwuchs geboren, um die derzeitige Altersstruktur der Bevölkerung konstant zu halten. Statistisch bekommt eine Frau 1,4 Kinder.

Zugleich werden die Menschen immer älter. 60-jährige Männer haben heute eine Lebenserwartung von 21, Frauen von 24 Jahren. 1960 waren es jeweils sechs Jahre weniger.

Aktuell ist rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden es 2050 rund 40 Prozent sein.

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