Historisch

Alte Liebe rostet nicht


Oldtimer-Meeting in Baden-Baden: Chemie hilft tatkräftig gegen den Zahn der Zeit

So schön können Chrom, Stahl und Blech sein: Schaulaufen der Old­timer-Karossen in Baden-Baden. 350 Klassiker lockten jetzt Besucherströme an. Die einstigen Kurvenstars lassen Herzen höher schlagen. Und sind ein attraktiver Wirtschaftsfaktor.

Damit die alte Liebe nicht rostet, wenden Liebhaber viel Zeit und Geld für Restaurierung, Erhalt und Pflege auf: Der Umsatz rund um das historische Automobil beträgt 6 Milliarden Euro jährlich, das errechnete der Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge.

Auto nie in der Sonne waschen

Fast 210.000 Oldtimer sind in Deutschland zugelassen. Stand manches Nostalgie-Schätzchen lange auf dem Abstellgleis, ist vielfach der Lack ab. „Eine Restaurierung erfordert Know-how. Spezialbetriebe kennen die geeigneten Materialien“, sagt Oldtimer-Profi Daniel Gruschwitz von Sikkens und Lesonal Autoreparaturlacke in Stuttgart.

Sein Tipp: Am besten das Auto neu versiegeln. „Auf hochwertige Wachse achten und nur auf sauberen, trockenen Oberflächen arbeiten“, rät der Experte. Den Wagen nie in der prallen Sonne waschen! „Das Wasser verdunstet zu schnell und hinterlässt Kalkrückstände. Die sind schwer zu entfernen“. Auch Vogelkot muss rasch runter.

Wenn der Oldie nach längerer Standzeit nicht anspringt, kann der Grund dafür Korrosion an Elektro-Steckteilen sein. „Ein Kontaktreiniger mit oxidlösenden Eigenschaften löst Schmutz und Rost“, weiß Jürgen Peschik, Technischer Leiter bei CRC Industries.

Die Iffezheimer sind seit 50 Jahren auf Kontaktsprays, Schmier- und Reinigungsmittel spezialisiert. Manchmal lässt sich ein Austausch gegen neue Steckverbindungen aber nicht vermeiden. Um Schäden vorzubeugen, empfiehlt der Experte, elektrische Kontakte gelegentlich mit ölhaltigen Mitteln zu behandeln.

Historische Pneus in Kleinserie

Viel Pflege braucht Leder. „Leder ist ein Naturprodukt“, sagt Tilo Schumacher, Geschäftsführer bei Lederspezialist Langro-Chemie in Stuttgart. „Das richtige Mittel schützt vor Verschmutzung und hält geschmeidig.“ Bei altem Leder empfiehlt sich der Rat vom Fachmann. Denn bis in die 50er-Jahre wurde anders gegerbt und gefärbt als heute.

Dauerthema sind die Reifen. „Alte Reifen härten aus. Sie sind nicht mehr sicher, auch wenn sie weder porös noch abgefahren sind“, warnt Josef Schneider, Produktleiter Motorsport von Michelin. Der Reifenhersteller aus Karlsruhe produziert historische Pneus. Schneider: „Auf Luftdruck achten. Bei zu niedrigem Druck kann sich die Lauffläche ablösen.“

Gabriele Koch-Weithofer

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