Banken-Aufsicht

Alles unter Kontrolle!

Die Politik zieht Konsequenzen aus der Finanz-Krise

Köln. Schön wär’s – wenn man die Aufsicht über die Frankfurter Banken-Türme so organi­sieren könnte wie eine Leitwarte im Industriebetrieb: überall Sensoren dran und schwupp blinkt bei jeder Panne das rote Lämpchen. Die Milliardenlö­cher in vielen Geldinstituten, die die Regierung derzeit hektisch mit Steuermitteln stopft, wä­ren dann zumindest nicht derart groß geworden.

Immerhin: Politik und Wissenschaft arbeiten mit Hochdruck an einer Reform der

Banken-Aufsicht. Sie nimmt bereits konkrete Formen an.

„Systemische Risiken“

Die wichtigste Krisen-Lektion formuliert Manfred Jäger, Finanzmarkt-Experte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Die Aufsicht muss stärker auf die systemischen Risiken schauen.“ Konkret: „Wenn viele Leute im Takt über eine Brücke gehen, kann die Brücke zusammenstürzen – auch wenn der Einzelne nichts falsch gemacht hat.“

Das ist eben der Unterschied zur Leitwarte: Man darf nicht bloß dasitzen und warten, bis ein Lämpchen blinkt. Jahrelang spekulierten Banken in aller Welt unter anderem darauf, dass die staatliche Niedrigzins-Politik in den USA die Häuserpreise weiter treibt. Jäger: „Die Banken sicherten sich dabei auch formal korrekt ab – aber alle gegenseitig, so dass sie letztlich alle gemeinsam Kopf und Kragen riskierten.“

Wie man systemische Risken besser er­kennen könnte, haben das IW und zwei weitere Institute jetzt im Detail ausgearbeitet – in einer 175 Seiten starken Studie für das Finanzministerium. Unter anderem empfehlen sie „geldliche Ins­trumente“ zur Leistungssteigerung der vergleichsweise schlank besetzten Aufsichtsbehörden (siehe unten). „Die überwiegend verbeamteten Prüfer sind meist viel schlechter bezahlt als ihr Ge­genüber in der Bank“, sagt Jäger. „Da ist es kein Wunder, wenn man sich nicht auf glei­cher Au­genhöhe begegnet.“

Um die Aufsicht zu stärken, schlagen die Experten weitere Veränderungen vor. So sollte ihr ei­ne unabhängige wissenschaftliche Kommission den Rücken stärken. Zudem brauche sie mehr Autorität im Prüf-Alltag – wenn es darum geht, mit wieviel Euro Eigenkapital die Bank ein ganz konkretes Geschäft absichern soll.

Leichtsinn wie beim Autofahren

Dazu muss man wissen: Bis 1996 mussten die Banken für jedes Geschäft 8 Prozent Ei­genkapital haben. Diese international vereinbarte Regel wurde dann verfeinert: für sichere Ge­schäfte we­niger Polster, für riskantere mehr. Das sollte das System sicherer machen. Doch infolge der Bewertungsfreiheit „liegt die Eigenkapital-Un­ter­legung vieler großer Banken unter 3 Prozent der  Bilanzsumme“, heißt es in der Studie.

So viel Leichtsinn kommt den Autoren ir­gend­wie be­kannt vor. Sie zitieren den Be­fund von Forscherkollegen aus dem Autoverkehr: Nach der Einführung des Anschnallgurts ging die Unfallzahl nicht wie erwartet zurück. „Weil die Leute bei si­chereren Autos an­fingen, weniger vorsichtig zu fahren.“

Info: Bankenaufsicht

Bundesweit gibt es 2.080 Geldinstitute (Unternehmen, nicht Filialen!). Zwei Behörden kontrollieren sie:

  • Die Bundesanstalt für  Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht regelt das Grund­sätzliche und greift notfalls ein. Sie setzt 400 Mitarbeiter für die Bankenaufsicht ein.
  • Die Deutsche Bundesbank prüft Bank-Unterlagen. Sie setzt dafür 1.000 Mitarbeiter ein.

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Schlagwörter: Politik

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