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<b>Arbeitsplätze in der Umwelttechnik haben Zukunft: Zahlreiche Wege führen in die Branche</b>

Regensburg/Klingenberg/Stiefenhofen. Umwelt und Technik, das passt gut zusammen. Auch für Schulabgänger, die auf der Suche nach ihrem Traumberuf sind.

Wer Ausschau hält nach einem „grünen“ Arbeitsplatz wird an vielen Stellen fündig. Die Einstiegswege sind so vielfältig wie die Branche selbst. Eine Ausbildung in einem der klassischen Umwelttechnik-

Berufe ist nur einer davon. Unter den rund 350 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen in Deutschland ist der Beruf „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrie-Service“, bei dem es um die Reinigung von Rohren, Pumpen und Behältern geht, relativ unbekannt.

Dasselbe gilt für die Ausbildung zur „Fachkraft für Wasserversorgungstechnik“, die lernt, wie man Städte mit Trinkwasser versorgt. Diese Technik-Berufe bieten gute Perspektiven (siehe Interview auf der 3. Seite). Doch auch eine Vielzahl von klassischen Ausbildungszweigen wie Mechatroniker oder Elektrotechniker in Bayerns Metall- und Elektro-Industrie können geradewegs ins Grüne führen.

„Ich will was für die Umwelt tun“

Beispiel Windkraft. Die Anlagen bestehen aus Elektronik, Kunststoff und Metall. Das heißt, die Mitarbeiter benötigen dieselbe Qualifikation wie im Autobau. Sie formen Metall, legen elektrische Anschlüsse und müssen wissen, wie man die Bauteile sauber verarbeitet.

Der Umweltschutz ist längst ein riesiger Arbeitsmarkt (siehe unten Info). Derzeit entstehen neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor allem auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.

Dieser Sektor mit derzeit rund 367.000 Jobs entwickelt sich besonders dynamisch. Solartechnik, Windkraft oder Anlagenbau: Fachkräfte sind gefragt. „Elektrotechniker suchen wir händeringend. Deshalb bilden wir in diesem Beruf verstärkt aus“, sagt Walter Konert, der kaufmännische Geschäftsleiter des Solartechnik-Unternehmens Iliotec Solar GmbH in Regensburg.

Der Photovoltaik-Pionier ist seit 20 Jahren am Markt und beschäftigt etwa 30 Auszubildende. Einer davon ist Joseph Brey. Der 17-Jährige ist im zweiten Lehrjahr als Elektrotechniker für Energie- und Gebäudetechnik. Er will wissen, wie das funktioniert mit dem Sonnenstrom vom Dach – und „etwas für die Umwelt tun“.

Oft muss der Solar-Azubi Fragen seiner Berufsschulkollegen beantworten, was er da eigentlich macht. Wie alle anderen lernt er, allerlei Anschlüsse im Haus zu legen. Steckdosen, Rollläden oder eine Steuerung fürs Garagentor. Dieses Wissen lässt sich übertragen.

Bei der Nutzung der Sonnen-Energie geht es darum, wie man Wechselrichter installiert, die den Strom umwandeln, und Spezialkabel verlegt, die die Öko-Energie ins Haus leiten. Die Arbeit geht nicht aus: Bis heute hat Iliotec bereits 13.000 Solar-Anlagen installiert.

Sonnige Aussichten auch für Auszubildende. Nach der Lehre fängt Breys Karriere als Solar-Spezialist nämlich erst richtig an. Er kann den Meister machen, sich in der Anlagentechnik weiter spezialisieren oder Bauleiter werden. Brey ist zufrieden mit seinem Arbeitsplatz und sagt mit einem Augenzwinkern: „Man darf nur die Sonnencreme nicht vergessen.“

„Unsere Produkte stecken überall drin“

Fachleute mit Interesse für Umwelttechnik sind gefragt. „Wir gehen davon aus, dass das so weitergehen wird“, sagt Jan Strohschein von der Online-Jobbörse „greenjobs.de“. Er hat in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum der Stellenangebote beobachtet.

Jobs für erneuerbare Energie bietet beispielsweise die WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG im unterfränkischen Ort Klingenberg. Der Hersteller von Druck- und Temperaturmesstechnik bildet unter anderem Mechatroniker, Elektroniker und Mechaniker aus.

„Unser Umsatz steigt eins zu eins mit der Anzahl der neu installierten Ökostrom-Anlagen“, erklärt André Habel-Nunes, der Marketingleiter von WIKA. „Ob es um die Überwachung eines Hydraulik-Aggregats in einem Windrad an der Nordsee geht, um die Temperaturfühler einer Solar-Anlage oder um die Drucküberwachung einer Biogasanlage: unsere Produkte stecken überall drin.“

Energiesparendes Verfahren

Die Harter Oberflächen- und Umwelttechnik GmbH in Stiefenhofen in der Nähe von Lindau am Bodensee bildet ebenfalls in Berufen mit grünem Touch aus: Produkt-Designer, Konstruktionsmechaniker oder Mechatroniker für Kältetechnik.

Das Unternehmen hat ein Trocknungsverfahren entwickelt, das sich in unterschiedlichen Produktionsprozessen verwenden lässt. Lackierte Autoteile, Rohre, Schüttgut wie Schrauben oder Druckknöpfe und sogar Infusionsflaschen können damit energiesparend getrock­net werden. Auch so bringt man Umweltschutz und Arbeitsplatz zusammen.

Friederike Storz

Info: Jobmotor Umwelt

Der Umweltsektor ist Wachstumstreiber und Beschäftigungsmotor: Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben dort ihren Arbeitsplatz.

Bis zu einer Million zusätzlicher Stellen könnten in den nächsten Jahren in diesem Sektor entstehen, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Wichtige Geschäftsfelder sind neben erneuerbaren Energien der Ausbau der Speicher und Stromnetze sowie klassischer Umweltschutz wie Recycling oder Wasseraufbereitung.

Die deutsche Umwelt-Industrie hat eine starke Position im Wettbewerb. Der Anteil am Weltmarkt für Umwelttechnik und -dienstleistungen beträgt 224 Milliarden Euro. Das sind 16 Prozent, so der Umweltbericht der Bundesregierung.

Interview: „Viele Jobs, gute Chancen“

Berufe im Umweltbereich gewinnen immer mehr an Bedeutung. Sylvia Schwermer vom Umweltbundesamt in Dessau, Fachgebiet Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Umweltfragen, kennt die Möglichkeiten für Bewerber.

AKTIV: Wie sind die Karriere-Aussichten in der Branche?

Schwermer: Der Markt für Umweltgüter und -technik wächst überdurchschnittlich stark. Da deutsche Unternehmen hier seit Jahren erfolgreich auf den Weltmärkten agieren, bieten sich hervorragende Job-Chancen.

AKTIV: Welche Berufe sind am stärksten gefragt?

Schwermer: Die Perspektiven sind allgemein gut. Ingenieure und Naturwissenschaftler sind derzeit besonders gesucht. Ein Wachstumsbereich ist der Energie-Anlagenbau. Hier finden Fachkräfte aus dem Maschinenbau ausgezeichnete Beschäftigungsmöglichkeiten.

AKTIV: Werden besondere Umwelt-Lehrberufe angeboten?

Schwermer: Für erneuerbare Energien wurden neue Ausbildungsinhalte entwickelt. Auch in der nachhaltigen Wasserwirtschaft wurden neue Berufsbilder geschaffen, etwa die Fachkraft für Abwassertechnik. Meist werden jedoch umweltspezifische Qualifikationen vermittelt, die auf bestehende Berufe aufbauen, etwa in der Gebäudesanierung.

AKTIV: Welche Wege zum „grünen“ Job gibt es noch?

Schwermer: Der Umweltbezug ergibt sich oft im Lauf des Berufslebens. Wegen steigender Kosten wird es immer wichtiger Energie und Material zu sparen. Das verändert die Anforderungen in der Praxis, etwa für die Entwicklung neuer Produkte.

FBS

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An der Irler Höhe 3a
93055 Regensburg

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