Wenn Papa Zeit zum Backen hat

Alles andere als prekär: Es wird immer einfacher, im Job mal kürzerzutreten


Zeit für die Kinder: Bernhard Krauß ist einer von vielen, die kürzertreten. Foto: Werk / Grafik: AKTIV

Wiesbaden. Montags kümmert Bernhard Krauß sich ganz um seine drei Kinder. Es wird gebacken, gebastelt, gespielt. Der Marketing-Manager arbeitet bei Bosch in Leinfelden-Echterdingen. „Ich wollte in dieser Lebensphase einfach mehr Zeit für die Familie“, sagt er, „und bin glücklich, dass mein Arbeit­geber das unterstützt.“

Seit dem Jahr 2000 ist in Deutschland die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um die Hälfte gestiegen, auf 9,6 Millionen. Doch Gewerkschafter rügen, solche Stellen seien „prekär“. Eine Kritik, die Professor Sascha Stowasser vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft in Düsseldorf „ungerechtfertigt“ nennt.

Schließlich seien zwei Drittel dieser Arbeitsplätze sozialversicherungspflichtig, Minijobs machten nur einen kleinen Teil aus – und selbst die würden gebraucht: „Man darf nicht vergessen, dass dies oft Nebenjobs sind, etwa für Studenten.“ 84 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten haben sich laut Statistischem Bundesamt selbst für dieses Modell entschieden.

Über die Hälfte will mehr Zeit für die Familie. Wie Bosch-Mitarbeiter Krauß: „Es war die bewusste Entscheidung für einen Zugewinn an Lebensqualität.“

Neun von zehn Betrieben in der Industrie bieten Teilzeitarbeitsplätze an

Teilzeit habe damit Personen in die Betriebe gebracht, so Arbeitswissenschaftler Stowasser, die sonst gar nicht arbeiten könnten: Insbesondere Mütter, die meist nur vorübergehend kürzertreten würden. Die Befürchtung, dass Unternehmen im großen Stil aus Kostengründen Vollzeit durch Teilzeit ersetzen, lasse sich widerlegen: Die Zahl der vollen Stellen ist konstant.

„Das Alleinverdiener-Modell hat ausgedient.“ So begründet Elke Horst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin den Trend. Im Jahr 2000 hätten bei gut einem Drittel der Paare noch die Männer allein das Geld verdient, elf Jahre später nur noch in einem Fünftel der Haushalte.

Neun von zehn Industriebetrieben bieten Teilzeit an. Oft rund 100 verschiedene Modelle, etwa bei Arzneihersteller Mundipharma. „Die Arbeitszufriedenheit hat sich erhöht“, sagt Personalleiter Martin Schöne.

Bei Bosch arbeiten hierzulande 8 Prozent der Mitarbeiter Teilzeit, auch jede vierte weibliche Führungskraft. Derzeit testen 500 Bosch-Manager in aller Welt flexible Arbeitsmodelle – um Vorbehalte abzubauen.

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