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Wie InfraLeuna mit 100 Leuten die Züge rollen lässt

Der Bahnstreik ist vorbei, langsam verhallen die Schlagzeilen: „Güterverkehr massiv betroffen“, „In Ostdeutschland geht fast nichts mehr“, „Alle Züge stehen still“. Matthias Schrecker, Bereichsleiter Bahn-Logistik der Standortgesellschaft InfraLeuna GmbH, zieht eine überraschende Bilanz: „Im Wesentlichen haben die Unternehmen am Chemie-Standort unter dem Streik nicht leiden müssen.“

Der Mann spricht für eine der Industrie-Hochburgen in Ostdeutschland. Von jährlich zwölf Millionen Tonnen Produktion werden acht Millionen per Bahn abtransportiert, in 140.000 Waggons. Und da hat man den Streik kaum gespürt?

100 Kilometer lang ist das Schienennetz

Logistik-Mann Schrecker erklärt: „Die Lager in der Grundstoff-Chemie, welche hier in Leuna zumeist betrieben wird, waren wohlweislich gut gefüllt.“ Sie sind ohnehin deutlich größer als etwa die der Auto-Industrie. Hilfreich war aber auch, dass ein beträchtlicher Teil des externen Transports in privater Regie betrieben wird.

Als Eigentümerin der Infrastruktur betreibt InfraLeuna auch das Chemiepark-interne gut 100 Kilometer lange Schienennetz. Mit allem, was sich darauf bewegt: Die 13 Dieselloks und ausreichend Kesselwagen müssen ständig einsatzbereit sein, die Leitstelle muss die Zugbewegungen rund um die Uhr koordinieren. 100 Mitarbeiter arbeiten allein im Bereich Bahn-Logistik.

Eine der Loks fährt Steffen Thiele.  Er holt  gerade  einen Zug mit Kesselwagen von der Ladestelle ab. Nach dem Sicherheits-Check geht die Fahrt in den nahe gelegenen, standorteigenen Übergabebahnhof. „Da übergeben wir den Zug an den Traktionär“, sagt Thiele.

Auswahl unter vielen Anbietern

Traktionär – das ist das Eisenbahn-Verkehrsunternehmen, das die Waggons zu den Empfängern im In- und Ausland befördert. Nur bei etwa der Hälfte dieses externen Schienentransports ist es die Deutsche Bahn AG. Die andere Hälfte teilen sich mehrere private Firmen, die ebenfalls im deutschen und europäischen Streckennetz operieren.

Sie sind hier besonders gut im Geschäft: Vom gesamten Güterverkehr in Deutschland wird ein Sechstel von „nichtbundeseigenen Eisenbahnen“ abgewickelt, so der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen in Köln.

Mitunter fahren Thiele und seine Kollegen auch weiter als zum Übergabe-Bahnhof – im Umkreis von rund 100 Kilometern sind sie dann auch als Traktionär unterwegs. Sie verbinden so die Chemieparks oder bedienen außen liegende Tanklager.

Und InfraLeuna bietet mehr: „Unsere Aufgabe ist es, die Produzenten entlang der Lieferkette zu begleiten und Verknüpfungen zu den künftigen Zielmärkten zu schaffen“, erklärt Logistik-Chef Olaf Castelle. „Logistik ist ein Wettbewerbsvorteil und die gute Infrastruktur-Anbindung ein Vorteil des Standorts.“ 

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Schlagwörter: Verkehr

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