Akustik-Wunder

Alle mal herhören!


Wie Digitaltechnik moderne Hörgeräte nahezu unsichtbar macht

Mein Schatz, du hörst schlecht.“ Wird dieser Satz von der Ehefrau besorgt ausgesprochen, gerät Mann ins Grübeln: Habe ich nicht den Fernseher zuletzt immer lauter gestellt? Muss ich bei meinen Kollegen nicht immer öfter nachfragen? Und fällt nicht auch das Telefonieren schwerer?

Hörprobleme – irgendwann, meist so jenseits der 50, geht es los. Doch während die meisten eine Brille als modisches Accessoire akzeptieren, setzen Hörgeräte bei den Trägern in spe meist folgende Gedanken in Gang: Du bist alt. Und jetzt kriegst auch noch ein hässlich-großes hautfarbenes Hörgerät an die Ohren gehängt.

Lifestyle-Schäden aus der Dröhn-Disco

Fakt ist: Drei Millionen Bun- desbürger tragen ein Hörgerät. Laut Studien könnten aber 15 Millionen damit besser hören. 776.000 Geräte zu Preisen von 400 bis 2500 Euro wurden 2009 angepasst.

Und: „Immer mehr junge Menschen brauchen akustische Helferlein“, sagt Hörgeräte-Akustiker Thomas Bolz aus dem nordrhein-westfälischen Neuss. „Die Probleme mit Lärm am Arbeitsplatz – bis in die 60er-Jahre das ganz große Thema – werden verdrängt von Lifestyle-Schäden aus der Dröhn-Disco“, sagt er. Und auch zu laute Musik aus dem MP3-Player fordere zusehends ihren Tribut.

Immerhin: Die Zeiten, in denen Hörgeschädigte sich riesige Hör-Rohre in die Ohren stopfen mussten wie der bedauernswerte Senior auf unserem Foto, sind lange vorbei. „Hörgeräte haben sich längst zu klein-kosmetischen High-tech-Hörsystemen weiterentwickelt“, umschreibt Michael Bulk, Chefentwickler bei der deutschen Audio Service GmbH in Herford, den Weg zur Miniaturisierung.

Schickes Accessoire fürs iPhone

Heute verschwinden die kleinen, nicht selten mit Designerpreisen ausgezeich-neten Dinger hinterm oder im Ohr. Wichtiger aber als die Fast-Unsichtbarkeit sind die „inneren Werte“ dieser Mikro-PCs. Bulk: „Hörgeräte können schon seit Jahren die Tonfrequenzen ausgesprochen fein differenzieren. Zusätzlich werden leise Töne mehr und laute weniger verstärkt. Fachleute nennen den Vorgang Kompression.“

Aber erst die Digitaltechnik macht Neuerungen möglich, die zuvor unvorstellbar waren. So unterdrücken moderne Hör-Computer Störgeräusche wie Straßenlärm.

„Sie erkennen automatisch unterschiedliche Hörsituationen, also beispielsweise Sprache oder Musik, und entscheiden sich eigenständig für die beste Signalverarbeitung“, so Bulk. Rechtes und linkes Gerät verständigen sich zudem miteinander und ermöglichen damit erstmals räumliches Hören.

Selbst der Weg zum Lifestyle-Accessoire scheint für Geräte der neuesten Generation nicht mehr weit: Seit ein paar Monaten sind Geräte im Handel, die sogar mit Apples Kult-Handy „iPhone“ kommunizieren können. „Wenn ein Anruf reinkommt, wird das Hörgerät automatisch zur Freisprecheinrichtung“, erklärt Hörgeräte-Akustiker Thomas Bolz.

Nur aufdrehen sollte auch man die nicht ganz so laut ... 

 

Info: Wie laut ist ...

10 dB(A): Blätterrauschen

60 dB(A): normale Unterhaltung

70 dB(A): laute Ansprache

80 dB(A): Straßenverkehr

85 dB(A): Ab hier kommt es  zu einer Schädigung des Gehörs!

90 dB(A): U-Bahn, Bohrmaschine

100 dB(A): Rasenmäher

110 dB(A): Disco, MP3-Player

120 dB(A): Rockkonzert

130 dB(A): Presslufthammer, Sirene

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