7 Urteile aus dem Reiserecht

Albtraumurlaube vor Gericht

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Ab in den Urlaub! Reisen ist den Deutschen lieb und teuer: Fast 64 Milliarden Euro gaben sie im vergangenen Jahr für Trips ins Ausland aus – mehr als jede andere Nation. Das meldet der Deutsche Reiseverband (DRV) in Berlin, der Veranstalter und Reisebüros in Deutschland vertritt.

Nicht nur im Reisen sind die Deutschen Meister, auch im Mäkeln. Akribisch hält mancher Gast jeden Mangel am Urlaubsort fest – vom Riss in der Fliese bis zur versalzenen Suppe im Hotelrestaurant. Zurück zu Hause fordert er dafür vom Veranstalter Schadenersatz.

Etwa 2 Prozent der Urlauber beschweren sich, schätzt der DRV. „Das meiste wird allerdings vor Ort geklärt“, sagt Sprecherin Sibylle Zeuch. Ihr Tipp: Nicht erst warten, bis man wieder daheim ist, sondern das Problem vor Ort melden. Zeuch: „Dann hat der Veranstalter eine Chance, es gleich zu beheben.“ Etwa umzubuchen, falls das Zimmer nicht den gewünschten Ausblick hat oder einen Handwerker vorbeizuschicken, der die tropfende Dusche in Ordnung bringt.

Was man tun kann, wenn üble Mängel die Ferienfreude verderben, lesen Sie hier auf AKTIVonline.

Einigen sich Gast und Veranstalter nicht, landet der verpatzte Urlaub vor Gericht. Im Folgenden lesen Sie sieben Beispiele für Urteile aus dem Reiserecht.

Badeurlaub: Haie sind kein Mangel

Reisende haben kein Recht auf ungefährdetes Schwimmen im Meer. So urteilte jedenfalls das Münchner Amtsgericht. Auf den Seychellen durfte ein Ehepaar im Urlaub nicht ins Wasser. Nach einer Hai-Attacke hatte die örtliche Sicherheitsbehörde ein Badeverbot verhängt. Das Paar sah seine Urlaubsfreude deutlich getrübt. Es wollte die Hälfte des Reisepreises von knapp 4.500 Euro zurück.

Die Reise ist nicht mangelhaft, entschied das Gericht: Den Strand konnten die Urlauber trotz Badeverbot benutzen. Und Haie sind in tropischen Gewässern eine ortsübliche Gefahr. (Amtsgericht München, 242 C 16069/12, 14.12.12)

Sturz auf Kreuzfahrt selbst verschuldet

„Eine Seefahrt, die ist lustig…“. Aber nicht unbedingt für jeden: Ein Passagier hatte für seine Frau und sich eine Seereise von Bremen nach Island gebucht. Als starker Wind aufkam, schlingerte das Kreuzfahrt-Schiff plötzlich. Der Mann rutschte in der Kabine aus und verletzte sich am Bein. Fehlende Haltegriffe machte er für den Sturz verantwortlich. Er forderte vom Veranstalter einen Preisabschlag und Schadenersatz, da er an den darauffolgenden Landgängen sowie einem Klavierkonzert nicht teilnehmen konnte.

Kreuzfahrt-Passagiere müssen sich auf starken Seegang einstellen, urteilte jedoch das Gericht. Der Veranstalter haftet nicht für den Unfall. Mit Lautsprecher-Durchsagen wurde ausreichend vor dem Seegang gewarnt. Vielmehr hat der Kläger den Unfall selbst verursacht, weil er als vermeintlich sicheren Halt den Duschvorgang in der Kabine griff, so die Auffassung des Gerichts. (Landgericht Bremen, 7 O 124/03, 5.6.2003)

Schlange unterm Liegestuhl kommt vor

Wer eine Billigreise bucht, darf nur Leistungen der allereinfachsten Kategorie erwarten. Mit dieser Begründung wies das Amtsgericht Nürnberg die Beschwerde eines Mannes zurück. Er hatte zu Niedrigpreisen (umgerechnet etwa 800 Euro) eine 17-tägige All-inclusive-Flugreise nach Sri Lanka gebucht. Auf der Insel im Indischen Ozean störten ihn eine Ratte im Treppenhaus, Kakerlaken in der Toilette, ein Drahtstück auf der Liegewiese sowie eine Schlange unterm Liegestuhl. Das kommt in einem tropischen Billighotel nun mal vor, befand das Gericht.

Mit der Bezeichnung „idyllisch“ im Katalog wird auch nicht zwingend eine ruhige Lage beschrieben. Darauf wies das Gericht den empörten Urlauber ebenfalls hin. Eine Bahnlinie hinter dem Hotel stellt daher keinen Mangel dar. Und dass die Dorfbewohner ihre Notdurft im Freien verrichten, ist nach Auffassung des Gerichts „eine ortsübliche Gepflogenheit“, die überdies außerhalb der Hotelanlage stattfand. Die Botschaft der Richter war klar: Wer ein fremdes Land bereist, muss sich damit abfinden, dort andere Sitten vorzufinden.

Nur in einem Fall zeigten die Richter Verständnis: Für den Ausfall der Toilettenspülung im Hotelzimmer hielten sie einen Abzug von einem Zehntel des Reisepreises über die fünf Tage bis zur Reparatur des Schadens für angemessen. (Amtsgericht Nürnberg, 20 C 4724/98, 24.8.1998)

Gast muss Schnarcher im Mehrbett-Zimmer nicht dulden

Sechzehn Tage quer durch den südamerikanischen Regenwald. Klingt spannend. Ein deutscher Tourist sehnte allerdings das Ende der Rundreise am Amazonas herbei. Der Mann hatte zwar ein Einzelzimmer gebucht, musste aber vier Nächte in einem Mehrbett-Zimmer verbringen, weil alle Räume im Hotel belegt waren. Da seine Zimmergenossen lautstark um die Wette schnarchten, machte der Tourist kein Auge zu. Um ein Viertel darf er den Reisepreis wegen der vier schlaflosen Nächte mindern, gestanden ihm die Richter zu. Eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit versagten sie ihm. Die Beeinträchtigung durch die Schnarcher bestand nicht die ganze Zeit. (Amtsgericht Königstein im Taunus, 22 C 139/95, 10.11.1999)

Abzug für wortkargen Reiseleiter

Bitter über die Reiseleitung beschwert hat sich eine deutsche Urlauberin nach ihrem dreiwöchigen Aufenthalt in Äthiopien. Im Katalog hatte der Veranstalter den Reiseleiter mit verlockenden Worten angepriesen: Für ihn „gäbe es nichts Schöneres, als mit den Gästen auf Entdeckungstour durch das afrikanische Land zu gehen“.

Mit der Darstellung im Katalog hatte das Auftreten des Mannes vor Ort wenig gemein. Er war äußerst wortkarg, gab nur wenig Informationen zur Tagesplanung und Sehenswürdigkeiten und hatte insgesamt wenig Lust, sich um die Reisegruppe zu kümmern.

Der Veranstalter nahm seinen Mitarbeiter in Schutz: Freundlich und verständlich habe er über die Besonderheiten der Route informiert. Für mehr wissenschaftliche Informationen hätte die Frau eine Bildungsreise buchen müssen.

Das sahen die Richter anders. Aufgrund der Beschreibung im Katalog erwartete die Frau zu Recht eine „Erlebnisreise“. Weil sie diese nur in Ansätzen bekommen hat, muss ihr der Veranstalter 15 Prozent vom Reisepreis zurückerstatten. (Amtsgericht Köln, 138 C 323/11, 1.12.2011)

Wellness und Raucherzimmer passen nicht zusammen

Entspannen und wohlfühlen, das geht in einem verqualmten Hotelzimmer nicht. Da gab das Amtsgericht Meldorf einer Frau Recht.

Die Klägerin hatte ein Wellness-Wochenende mit Rückenmassage und Handpflege in einem Hotel gebucht und dazu ausdrücklich ein Nichtraucherzimmer verlangt. Bei der Ankunft wies man ihr jedoch einen Raum zu, der stark nach Tabak roch. Daraufhin trat die Frau von dem Vertrag zurück. Das Hotel berechnete trotzdem die Übernachtungskosten. Das geht zu weit, entschied das Gericht. Die Frau durfte vom Vertrag zurücktreten, weil ihr kein Zimmer zur Verfügung gestellt wurde, das für den vertragsgemäßen Gebrauch geeignet war. Die Richter gaben außerdem zu bedenken, dass sich die Einstellung zum Tabakkonsum geändert hat, wie die neuen Nichtrauchergesetze zeigen. (Amtsgericht Meldorf, 81 C 15/11, 29.03.2011)

Sechs Übernachtungen sind eine 7-Tage-Reise

Eine 7-Tage-Reise muss nicht unbedingt sieben Tage dauern. Das bestätigte das Oberlandesgericht Köln. Sechs Tage reichen auch, denn An- und Abreisetag darf ein Veranstalter von Pauschalreisen mitzählen. Schon aus sechs Übernachtungen am Zielort wird so eine „7-Tage-Reise“.

Die Richter sahen darin keine Irreführung der Kunden. „Der durchschnittlich informierte Verbraucher erwartet von einer siebentägigen Reise nicht, dass sie tatsächlich 7 mal 24 Stunden dauert“, so das Gericht.

Auf einer Bahnfahrt ist es normal, wenn die Ankunft am Urlaubsort am späten Nachmittag des ersten Tages ist und die Rückfahrt am Morgen des siebten Tages beginnt. Das gilt auch für die Hin- und Rückreise mit dem Flugzeug. Hier zählt nicht nur die reine Flugzeit. Auch Transfer und Check-in gehören dazu.

Zu Busreisen werden Fahrgäste dagegen meist am Wohnort abgeholt und auch wieder dort abgesetzt. Eine Fahrt, die am frühen Morgen beginnt, muss also tatsächlich eine Woche dauern.

(Oberlandesgericht Köln, 6W 17/13 22.1.2013)


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