Jugend und Technik

Akku-Schrauber in Action


Das irre Wettrennen der kreativsten Design- und Technik-Studenten

Hildesheim. Alles fing damit an, dass der Sohnemann von Andreas Schulz seinen Papa fragte: „Kannst du mir nicht vielleicht einen Motor in mein Kettcar bauen?“

Im Jahr 2003 war das. Und da Vätern solche Wünsche Befehle sind, geeignete Kettcar-Motoren aber nicht unbedingt im Bastelkeller herumliegen, musste der Mann improvisieren. Er baute kurzerhand einen Akku-Schrauber als Antrieb ein. Und legte damit, ohne es zu ahnen, den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte: das Hildesheimer Akku-Schrauber-Rennen, das jetzt schon seine siebte Auflage erlebte.

Bosch als Sponsor

Wie das kam? Schulz ist Professor für Produktdesign an der Fachhochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Und nachdem er damals seinem Sohn geholfen hatte, forderte er seine Studenten zu einem Wettbewerb auf: „Baut und gestaltet ein Fahrzeug, das von einem handelsüblichen AkkuSchrauber angetrieben wird und mindestens eine Person befördern kann!“

Die angehenden Designer legten sich ins Zeug. Und im Hinterhof der Fachhochschule starteten sie schließlich zum ersten Akku-Schrauber-Rennen der Geschichte. Was damals als eine spaßige interne Veranstaltung begann, ist mit den Jahren zu einer überregional beachteten Innovationsschau mit Teams verschiedener Hochschulen geworden, dessen Vorbereitung immer mehr Zeit von Mitarbeitern und Studierenden in Anspruch nimmt.

„Man wird nebenbei zum Event-Manager“, sagt Schulz. Seine Professoren-Kollegin ist stets an seiner Seite, wenn es um die Vorbereitung der Rennen geht. Vor der sechsten Ausgabe, 2009, stieß schließlich ein neuer Partner als Sponsor dazu: der Elektrowerkzeug-Hersteller Bosch.

Nach einem Jahr Verschnaufpause fand das diesjährige Rennen am 28. Mai auf dem Hildesheimer Flugplatz statt. Schulz und Kotte hatten die Aufgabe für die Studenten noch schwieriger gestaltet. Diesmal galt es, nicht nur sehr schnelle, sondern auch möglichst leichte Gefährte zu konstruieren.

Bambus und Kohlefaser

Was die Teilnehmer dann schließlich präsentierten, war eindrucksvoll. So ist einer der eigenen Renner der Hildesheimer Fachhochschule an einem 3-D-Drucker entstanden – mit dem sich mittlerweile tatsächlich dreidimensionale Konstruktionen aus dem Computer realisieren lassen. Ein anderes, aus Formholzschichten, ist trotz üppiger 16 Kilogramm Gewicht flink unterwegs, dank einer ausgeklügelten Übersetzung und Lenkung. Das Team aus Weimar hat Bambus mit Kohlefaser verbunden, eine Frauenmannschaft der Fachhochschule Hannover hat ihr Gestell aus Flugzeug-Aluminium gefertigt – und die Jungs von der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg baute ein nur vier Kilogramm schweres Karbon-Fahrzeug.

Am Ende aber mussten sie sich alle dem Team der Hochschule Emden-Leer geschlagen geben: Die Ostfriesen holten zum zweiten Mal nach 2009 den Titel.

Jan Fuhrhop

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