Power im Job

Ältere Arbeitnehmer sind motivierter als die jungen

Köln. Die älteren Kollegen haben keinen Bock mehr? Bringen die Leistung nicht? Sind eh schon auf dem Abstellgleis? Vorurteile wie diese sind in Deutschland weit verbreitet. Aber sie sind falsch! Das belegt aktuell die „Jobstudie 2015“ von Ernst & Young.

Die global operierende Unternehmensberatung stellt für Deutschland fest: Auch wer schon viele Jahre im Berufsleben steht, ist noch voll bei der Sache, ja mehr als das. „Arbeitnehmer über 60 sind in der Regel besonders verantwortungsbewusst und zuverlässig“, sagt Ana-Cristina Grohnert, die Autorin der Studie. Demnach bezeichnen sich 40 Prozent als „hoch motiviert“ – mehr als in allen anderen Altersklassen (bei den unter 21-Jährigen sind es 26 Prozent).

Weitere 43 Prozent der Älteren sind laut Studie „motiviert“. Und die weitaus meisten leisten nach eigener Einschätzung mit ihrer Arbeit „einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg“. Sie können das auch – ihr Erfahrungsreichtum ist „extrem kostbar“, betont Grohnert. „Unternehmen müssen ihr Potenzial erkennen und sie effektiv einsetzen.“ Das sei allerdings nicht überall der Fall, fügt die Expertin hinzu: „Oft werden Arbeitnehmer über 60 einfach nur langsam auf den Ruhestand vorbereitet.“

Das Thema ist nicht nur bedeutsam für den Einzelnen, sondern auch für die Wirtschaft insgesamt. Denn die Alterung der Gesellschaft zeigt sich auch in unseren Betrieben: Die Zahl der Erwerbstätigen mit mindestens 55 Jahren auf dem Buckel lag letztes Jahr mit 8,07 Millionen um 63 Prozent höher als noch 2005, so das Statistische Bundesamt. In der Altersgruppe 60 plus stieg die Zahl sogar um 90 Prozent auf 3,66 Millionen. Der Trend wird sich fortsetzen – auch wenn die Rente mit 63 eher signalisiert: „Wir brauchen euch nicht mehr.“

„Die Stärken älterer Berufstätiger werden oft unterschätzt“, urteilt auch Guido Hertel, Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Uni Münster. Er konnte in einer aktuellen Untersuchung belegen: Wenn es im Job mal hektisch wird, verkraften die Altgedienten das besser als die jungen Hüpfer. Die Alten gingen einfach ruhiger an die Sache heran. Eine ruhige Kugel schieben sie deswegen noch lange nicht.


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