Mode für Menschen mit Handicap

Adapted Fashion: Knöpfe, Reißverschluss und dicke Nähte sind tabu

Berlin/Nürnberg. Selbstbewusst läuft das Model über den Catwalk der Moskauer Fashion Week. In einem mokkafarbenen, schimmernden Kleid. Perlenmuster zieren den Stoff.

Auf den zweiten Blick fällt auf: Die Frau ist blind. „Und doch weiß sie, was sie trägt. Angefangen vom Schnitt bis hin zu Größe und Farbe“, sagt Christine Wolf.

Die Mode-Designerin aus Berlin hat das Kleid entworfen und auf die Bedürfnisse von Blinden angepasst, mit einem kleinen aber feinen Detail: Die Perlen sind in Blindenschrift angeordnet. „Was uns als Verzierung erscheint, informiert Sehbehinderte über Größe, Farbe oder Pflegehinweise“, erklärt Wolf.

Vorgestellt hat sie das Kleid vor zwei Jahren. Auf einer Modenschau, bei der auch regelmäßig der „Bezgraniz Couture Award“ (übersetzt: „Preis für Mode ohne Grenzen“) verliehen wird – für Kleidung, die auf die speziellen Bedürfnisse von Behinderten zugeschnitten ist.

Im Outfit-Alltag von Menschen mit Handicap geht es heute noch ganz anders zu. Sie müssen sich mit unförmigen Hosen, überbreiten Shirts und klobigen Schuhen zufriedengeben. Das soll sich ändern. Die Mode-Schneiderin Eva Brenner etwa, selbst an Multipler Sklerose erkrankt, passt Schnitt und Stoff an die speziellen Bedürfnisse dieser Zielgruppe an.

Knöpfe, Reißverschlüsse und dicke Nähte sind tabu

Bei ihren Kollektionen verzichtet die Nürnbergerin auf Knöpfe und Reißverschlüsse. Die kann sie nicht greifen und schließen. Starke Nähte oder aufgesetzte Taschen sind tabu. Sie könnten beim Sitzen im Rollstuhl scheuern. Bei allem praktischen Denken: „Wir hatten besonders einen Anspruch: Schön sollte es sein“, sagt Brenner. Wie ihr Business-Kimono. Die Hose ist fließend und schmal geschnitten, damit sie sich nicht im Rollstuhlrad verheddert. Ein Stoffgürtel hält, wie bei einem Judo-Anzug, das Oberteil zusammen.

Das würde auch bei Menschen ohne Behinderung ankommen. Mit einer Hose ohne Reißverschluss kämen Rentner, deren Motorik im Alter nachlässt, besser zurecht. Und Lkw-Fahrer würden mit den gepolsterten Hosen für Rollstuhlfahrer während einer stundenlangen Tour bequem sitzen.


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