Betriebe im Wandel

Ackern für eine reiche Ernte


Landmaschinenhersteller Lemken bearbeitet die Märkte - weltweit

Alpen. Mike Bertram ist so etwas wie ein Atomphysiker. Er lässt die Teilchen tanzen – wenn er Eisen zum Glühen bringt, es gezielt abkühlt und in hochwertigen Stahl verwandelt.

Wirtschaft in NRW, 2010: Weg von der Montan-Industrie, hin zu innovativen Produkten. Denn Bertrams Arbeitsplatz befindet sich nicht etwa in der gewachsenen Industrielandschaft des Ruhrgebiets, sondern am idyllischen Niederrhein, in der Gemeinde Alpen. Sein Betrieb, der Landmaschinen-Hersteller Lemken, steht für den erfolgreichen Strukturwandel. Er baute letztes Jahr mit 870 Mitarbeitern 11.000 elektronisch unterstützte mobile Hightech-Wunder: intelligente Pflüge, Grubber, Saatbettkombinationen, Sämaschinen und Feldspritzen. Ihr Gesamtwert: 215 Millionen Euro.

Dafür zieht Bertram den Stahl aus dem Ofen. Er ackert dafür, dass Nordrhein-Westfalen das wirtschaftlich stärkste Bundesland ist: Gut 500 Milliarden Euro betrug im vergangenen Jahr das Bruttoinlandsprodukt – rund 80 Milliarden Euro mehr als im größten Flächenland Bayern.

NRW ist Spitze. Obwohl große Hochöfen stillgelegt und in Indus­triedenkmäler umgewandelt werden. Und obwohl von einst 171 Steinkohle-Bergwerken nur noch ganze 5 übrig sind.

Längst ist der Export der Motor für die Industrie: Auch bei Lemken gehen zwei von drei Maschinen ins Ausland. Sie verfügen über ausgefeilte Elektronik, die Soft- und Hardware entwickelt das Unternehmen selber. Traktor und Anhänger „verstehen“ sich: Hat sich die Zugmaschine einmal festgefahren, dann werden zur Entlastung die Pflugscharen aus dem Boden gehoben.

Dazu kommt GPS als Navi-Hilfe: Die Sämaschine weiß nicht nur, wo sie ist – sondern auch, wie viel Körnchen sie an welcher Stelle ablegen soll. „Gesagt“ hat ihr das der Mähdrescher: Der „weiß“ noch, wo er im Vorjahr wie viel geerntet hat. Lemken-Geschäftsführer Franz-Georg von Busse bringt das so auf den Punkt: „In Zukunft wird der Bauer ganz genau wissen, wo welches Korn im Boden liegt.“

Auch Lemken musste letztes Jahr beim Umsatz 16 Prozent Rückgang verkraften. Allein in Russland sank er von 40 auf 7 Millionen Euro. „Die Kunden dort haben Finanzierungsprobleme“, erklärt Nicola Lemken, in der siebten Generation Gesellschafterin im Familienbetrieb. „Der Staat schottet seinen Markt gegen ausländische Technik ab.“

Aber immerhin hatte sich der Gesamtumsatz zuvor in fünf Jahren mehr als verdreifacht. Nicola Lemken: „In dieser Zeit ist die gesamte Branche gewachsen – und wir ein wenig schneller.“ Damit sich das fortsetzt, wird weiter investiert. Gerade wurde in Alpen eine 20 Millionen Euro teure Lackierstraße angefahren. Und in Kaluga nahe Moskau eröffnet Lemken ein 6 Millionen Euro teures Vertriebs- und Servicezentrum.

 

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