Pflegeversicherung

Achtung: Die gesetzliche Kasse zahlt längst nicht alle Heimkosten


Grafik: Tomicek

Berlin. Wer genau hinguckt, bemerkt auf der ersten Entgeltabrechnung des neuen Jahres: Für die gesetzliche Pflegeversicherung wird etwas mehr Geld fällig. Der Beitrag ist von 1,95 auf 2,05 Prozent vom Brutto gestiegen (Kinderlose zahlen jetzt 2,3  Prozent). Dabei wird es nicht bleiben: Angesichts der alternden Bevölkerung rechnen Experten mit auf Dauer noch deutlich höheren Sätzen. Aber dafür sind wir ja gut versichert – oder?
Von wegen: Die gesetzliche Pflegekasse zahlt im Fall des Falles sozusagen nur Teilkasko.

Wer ins Heim will oder muss, auf den kommen hohe Ausgaben zu. Im Schnitt, so das Statistische Bundesamt mit Daten aus dem Jahr 2009, kostet „vollstationäre Dauerpflege“ in Pflegestufe III pro Tag 74 Euro, dazu kommen 20 Euro für Unterkunft und Verpflegung. Zusammen macht das rund 2.800 Euro im Monat.

Allerdings kann der Preis auch viel höher oder niedriger liegen. Schon, weil es bei den Personalkosten Unterschiede gibt, etwa zwischen Sachsen und Bayern. Und: „Private Träger erhalten durchschnittlich weniger Heimentgelt als freigemeinnützige und öffentliche“, so die Krankenkasse Barmer GEK in ihrem „Pflegereport 2012“.

Diese Studie beziffert die durchschnittliche private Belastung einer Heimpflege in Stufe III auf rund 780 Euro pro Monat. Betroffene Männer müssen für ihre Pflegezeit insgesamt rund 21.000 Euro zusätzlich aufbringen, bei Frauen beträgt der Eigenanteil sogar rund 45.000 Euro.

Frauen werden älter als Männer – und je älter sie werden, desto wahrscheinlicher werden sie zum Pflegefall.

Das Sozialamt versucht in vielen Fällen, sich an die Kinder zu halten

Das Problem, wie stets bei solchen Mittelwerten: Manch rüstiger Senior muss überhaupt nie gepflegt werden – sein chronisch kranker Nachbar umso länger. Außerdem dürfen viele Industrie-Mitarbeiter mit monatlichen Altersbezügen rechnen, mit denen sie die erwähnten Pflegekosten bezahlen können. Ob man sich also deshalb Sorgen machen sollte, ist eine Frage, die jeder für sich prüfen muss.

Den Eigenanteil können Pflegebedürftige natürlich auch aus ihrem Vermögen zahlen – und notfalls Sozialhilfe beantragen. Das Amt versucht dann allerdings oft, sich das Geld von den Kindern zurückzuholen (mehr dazu auf aktiv-online.de – Suchwort: „Elternunterhalt“).

Seit Jahresanfang fördert die Regierung private Vorsorge: Die nach dem Gesundheitsminister „Pflege-Bahr“ genannte Neuerung ist eine zusätzliche Pflege-Police, die jeder Erwachsene abschließen kann.

Diese Versicherung muss mindestens 15 Euro monatlich kosten, damit der Staat 5 Euro Zulage monatlich gewährt. Sinnvoll könnte die Neuerung vor allem für diejenigen sein, die ihr Erbe möglichst ungeschmälert an ihre Nachkommen weitergeben wollen.

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aktualisiert am 09.10.2017

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