Nutzfahrzeugmarkt

Abwrackprämie auch für Lkws


Arbeitgeber fordern neuen Fördertopf

Hamburg / Hannover. Die Nutzfahrzeugbranche befindet sich im freien Fall. Nach mehreren fetten Jahren sind die Aufträge in den vergangenen Mo­naten schlagartig eingebrochen. „Wir erleben eine Art Neustart, von dem aus man sich erst langsam wieder an ein stabiles Ni­veau herantasten muss“, sagt Jürger Heller, Geschäftsführer des hannoverschen Nutzfahrzeug-Zulieferers Wabco.

Welche Firmen werden diese schwierigen Zeiten überleben?  „Die Politik kann nicht länger die Lkw-Branche mit Maut-Erhöhungen überziehen und an­sonsten tatenlos mit ansehen, wie eine der wichtigsten Vorzeigebranchen der deutschen Wirtschaft in den Ruin getrieben wird“, sagt Volker Schmidt, Chef des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Kautschukindustrie. Seine Branche ist extrem vom Fahrzeugbau ab­hängig. Er fordert die Einführung einer Abwrackprämie für Transporter und Lkws.

Doppelter Turbolader

Beim Auto hat sich dieses Instrument als Volltreffer er­wiesen: Die Abwrackprämie wirkt auf den darbenden Automarkt wie ein doppelter Turbolader. Der ADAC hat ermittelt, dass bis zu neun Millionen Menschen planen, ihren mindestens neun Jahre alten Wagen zu verschrotten und sich einen umweltfreundlichen neuen Pkw zu kaufen. 2500 Euro zahlt der Staat pro Auto dazu – derzeit für bis zu 600.000 Fahrzeuge. Interessant: Der Staat hat durch die Mehrwertsteuer beim Kauf eines 13.000 Euro teuren Wagens die Abwrackprämie schon wieder drin.

Schlüssiges Konzept

Schmidt: „Die Pkw-Ab­wrackprämie zeigt, dass öffentliche Zuschüsse hier gut angelegtes Geld mit einem extrem hohen Wirkungsgrad sind.“ Wenn die Bundesregierung für die Pkw-Abwrackprämie Verbrauchsreduzierung und Schadstoffreduktion als wichtige Gründe mit anführe, so gelte dies erst recht für Transporter und Lkws. Die Arbeitgeber haben ein schlüssiges Konzept erarbeitet (siehe unten). „Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist bei Nutzfahrzeugen noch wesentlich höher als bei Pkws“, erklärt Schmidt.

Der Fördertopf sollte vorerst bis Ende 2010 be­fristet sein. Unter der Annahme, dass dadurch 2009 und 2010 jeweils 80.000 Transporter, 50.000 leichte und 20.000 schwere Lkws verschrottet würden, kosten die Maßnahmen den Staat 2  Milliarden Euro.

Schmidt: „Bedenkt man, dass durch die jüngste Maut-Erhöhung über 800 Millionen Euro jährlich in das Staatssäckel fließen, würden diese Mehreinnahmen gerade einmal an die Branche zurückgegeben.“

Der Nutzfahrzeugmarkt:  So geht er zurück ...

  • Das Kraftfahrtbundesamt teilt mit: Die Neuzulassungen sanken im Februar 2009 im Vergleich zum Februar 2008 um rund ein Drittel auf 16.940 Fahrzeuge.
  • Die Produktion, so der Automobilverband VDA, ging im gleichen Zeitraum um zwei Drittel auf 16.570 Fahrzeuge zurück.
  • Das Exportgeschäft, so der VDA, brach um über zwei Drittel auf 11.000 Fahrzeuge ein.
  • Das Exportgeschäft für schwere Nutzfahrzeuge (über sechs Tonnen) sackte sogar um 95 Prozent ab, das Inlandsgeschäft um 61 Prozent.

 

...  so soll er stabilisiert werden

 

Zunächst bis zum 31. Dezember 2010 soll eine Abwrackprämie für Altfahrzeuge bei Neukauf gezahlt werden. Sie kann für Transporter und Lkws, die älter als sieben Jahre sind, gelten:

 

  • Transporter und leichte Lkws 5.000 Euro.
  • Mittlere Lkws (7,5 bis 16 Tonnen) 8.000 Euro.
  • Schwere Lkws (über 16 Tonnen) 12.000 Euro.

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