Chemie-Tarifrunde

Abschluss mit Power


Kräftiges Lohnplus - Zwei Jahre Laufzeit - Vertrag zur Lebensarbeitszeit

Der „Geist von Lahnstein“ hat wieder gewirkt. In dem Städtchen an Rhein und Lahn, wo schon öfter wegweisende Tarifverträge vereinbart wurden, haben die Arbeitgeber und die Gewerkschaft der Chemie jetzt  einen Abschluss erarbeitet, der es in sich hat.

Für die 550.000 Beschäftigten in 1.900 Unternehmen gibt es ein deutliches Lohnplus – und für die Betriebe Planungssicherheit bei den Personalkosten bis 2010. Zudem gibt es erstmals einen Tarifvertrag zu „Lebensarbeitszeit und Demografie“ – eine Neuheit in der deutschen Tarifpolitik.

Der neue Vertrag soll die Betriebe fit machen für ihre Zukunft mit alternden Belegschaften und zugleich den flexiblen Übergang von Beschäftigten in den Ruhestand erleichtern. Werner Bischoff, Verhandlungsführer der IG BCE, bezeichnet das Ergebnis deshalb als „Meilenstein“. Eggert Voscherau, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands Chemie, sieht „wegweisende Elemente“.

Bis an die Grenze der Belastbarkeit

Die IG BCE ist mit dem Lohnplus zufrieden. „Wir haben unser Ziel erreicht“, so Bischoff. „Mit diesem Abschluss sind die Arbeitgeber bis an ihre Belastungsgrenze gegangen“, macht dagegen Hans-Carsten Hansen deutlich, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Insgesamt jedoch sei es ein „Kompromiss mit Augenmaß“, vor allem wegen der langen Laufzeit von zwei Jahren sowie der flexiblen Einmalzahlung.

Die Einigung im Überblick:

Tarif-Erhöhung.

Vom 1. März, 1. April oder 1. Mai an (je nach Tarifbezirk) gibt es 4,4 Prozent mehr Entgelt. Und zwar für 13 Monate. Auf Jahresbasis gerechnet entspricht das einer Belastung der Betriebe von 4,1 Prozent.

13 Monate später, also je nach Tarifbezirk am 1. April, 1. Mai oder 1. Juni 2009, steigen die Entgelte um weitere 3,3 Prozent, für weitere zwölf Monate. Insgesamt gilt der Tarifvertrag also 25 Monate.

 

Einmal-Zahlung.

Zu den 4,4 Prozent Lohnplus kommen für jeden Monat der Laufzeit noch 0,5 Prozent dazu. Die Zahlung beträgt insgesamt 7 bis 9,1 Prozent eines Monatsentgelts. Der Arbeitgeber überweist die Summe bis Ende Juli 2008.

Die Einmalzahlung ist flexibilisiert: Bei schwieriger wirtschaftlicher Lage können Geschäftsführung und Betriebsrat sie per Betriebsvereinbarung verschieben, kürzen oder streichen. Das verschafft Luft im Wettbewerb.

Tarifplus Ost.

Die ostdeutsche Chemie wird die Lahnsteiner Vereinbarungen zum 1. Mai 2008 übernehmen. Die endgültige Angleichung an den West-Tarif erfolgt innerhalb der Laufzeit.

Azubi-Entgelte.

Sie steigen um 34 Euro in den ersten 13 Monaten, danach um weitere 26 Euro.

Ausbildungsplätze.

Die Tarifpartner wollen das hohe Angebot an Lehrstellen für Berufsstarter auch 2009 und 2010 halten. Insgesamt werden sie in den beiden Jahren 18.200 Ausbildungsplätze (16.800 West, 1.400 Ost) bereitstellen. Seit 2003 stieg die Zahl der Lehrstellen für Berufsanfänger um fast 10 Prozent.

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