Standpunkt

Abschied vom Boom-Denken

Das Mittel gegen Krisen: Geldblasen verhindern!

Frankreich duldet kein Verbrechen, das sich auszahlt, tönt Staatspräsident Nicolas Sarkozy – aber das gilt nur für Piraten im Golf von Aden. Im Inland dürfen französische Arbeitnehmer von Bossen Abfindungen erpressen, mittels Freiheitsberaubung.

Da ist klar, dass der wilde Westen hin­term Rhein auch bei uns die Propheten des Volkszorns beflügelt, die an dessen Hitze ihr Süppchen aufwärmen möchten. So wie Professorin Gesine Schwan, die Kandidatin für das Amt des Bundes­prä­sidenten, oder Michael Sommer, Inhaber des eher nur symbolischen Postens des Gewerkschaftsdachverbandsvorsitzenden.

Beide malten unlängst „so­ziale Unruhen“ an die Wand. Das Nähere überlassen sie „Linke“-Chef Oskar Lafon­taine: Der hat deutsche Arbeitnehmer inzwischen offen er­mun­tert, sich nach französischem Vorbild an der persönlichen Freiheit ihrer Arbeitgeber zu vergreifen.

Die eine wollte ihre eher nur symbolische Kandidatur aufmöbeln, der andere gegenüber den wirklichen Gewerkschaftsbossen von IG Metall & Co. an Profil gewinnen. Und der Dritte will die Lafontaine-Gysi-SED zur Lafon­taine-KP radikalisieren.

In einer deutschen Regionalzeitung war kürzlich diese Bewertung zu lesen: Zwar rede man über Unruhen „bislang“ nur in Talk­shows – statt bei denen, „die Grund hätten, ihrer Wut freien Lauf zu lassen“. Die jetzige Krise sei näm­­lich „nicht eine Folge der normalen Wellenbewegung“ – sondern „von Menschen gemacht, die in ihrer maßlosen Habgier immer aberwitzigere Geschäfte eingegangen sind, für die jetzt weltweit Millionen Menschen mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze zahlen müssen“.

Gemeint sind wohl jene Zo­cker an den Finanzmärkten, die den Banken die massenhafte Vergabe riskanter Kredite er­mög­lichten. Aber hätten die nicht aus der Sicht der ersten Krisenopfer statt „Wut“ eher ein nachträgliches Dankeschön verdient? Wenn die Kreditschwemme versiegt, gehen als erste solche Firmen ein, die auf nachgemachtes Geld angewiesen waren. So gesehen haben die Zocker sogar viele Jobs über Wasser gehalten.

Wieder einmal, wohlgemerkt. Denn eine „normale Wellenbewegung“ gibt es nicht. „Booms“ sind immer unnormal, nämlich die Folge von Geldblasen. Deren Platzen zieht auch gesunde Teile der Wirtschaft in Mitleidenschaft, und diesmal mehr als sonst. Wer keine Krisen will, muss dem Boom wehren – mit harter Politik des ehrlichen Geldes.


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