Standpunkt

Abgewrackt von Staats wegen

Die künstliche Flaute in Deutschlands Auto-Werkstätten

Die Superkoalition aus Regierung, Gewerkschaften und ADAC feiert, dass genug Altautobesitzer auf Neuwagen umsteigen: für Neupreis plus Restwert-Einbuße minus Hersteller-Rabatt minus 2.500 Euro Abwrackprämie.

Und der Gebrauchtwagenhandel? Ihm hat schon die erste Staffel der Prämie einen „Konjunkturstoß“ der besonderen Art gegeben – mit potenziell 600.000 von Staats wegen verpatzten Geschäften. Und der Nachschlag von gleich 1,4 Millionen weiteren Einheiten, den die Regierung des großen Erfolges wegen spendierte, hat der Branche auch noch das Licht am Ende des Tunnels erst einmal ausgeknipst. Auch dem ohnehin klammen freien Kfz-Handwerk übrigens sowie dem Ersatzteilhandel für Eigenklempner.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl, und damit die künftige Postenverteilung in der Regierung, zählen natürlich Ford, Opel, VW ganz vorne – und all die Klitschen jwd an den Ausfallstraßen nur unter ferner liefen. Aber ist es nicht doch ganz schön scharf, Steuermilliarden in einer Weise zu verbraten, die Kleinarbeitgebern das Geschäft kaputt macht?

Die freien Werkstätten, der Gebrauchtwagen- und der Ersatzteilhandel bilden eine Kfz-Lebensdauerwirtschaft, die zwischen Erstverkauf und Restverwertung für volle Ausschöpfung des Wertes relativ aufwendiger Produkte sorgt. Gegen Nachfrageeinbrüche ist sie nicht weniger empfindlich als Hersteller und Markenhandel. Nur: Im einen Fall ist die Flaute vom Verhalten der Kundschaft verursacht, einem wirtschaftlichen Geschehen mithin, und im anderen Fall vom Staat.

Die Frage nach Recht und guter Ordnung mag der Leser in seinem Herzen bewegen. Rechtfertigt das Übergewicht (von vielleicht 7:1) der von der Abwrackerei begünstigten Arbeitnehmern gegenüber den geschädigten Kollegen so eine Willkür?

Wenigstens hat man die Schrottprämie nicht auf den Auto-Kauf bei inländischen Herstellern beschränkt. Sonst hätte der Staat noch mehr Kollegen in die Knie getreten. Schließlich hängt auch an Hondas und Kias ab dem Moment, in dem sie in Bremerhaven antransportiert werden, das Einkommen inländischer Arbeitnehmer.

Der erste, vor allem aber zwingende Schaden von Einfuhrbeschränkungen (zu dem Vergeltungsmaßnahmen des Auslands hinzukommen können) besteht in der politisch verordneten Einschnürung der heimischen Importwirtschaft.


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