Tipp der Woche

Abgeben und Wiederholen


So verschieden wie ihre Besitzer: Abgegebene Schlüssel im Essener Fundbüro.Foto: WAZ

Warum Finder und Verlierer etwas Geduld brauchen

Hamburg. Einen Geldbeutel gefunden, ein Fahrrad, ein Handy? Einfach behalten ist nicht – aber mit etwas Glück gehört einem die Fundsache auf Dauer doch.

„Wer etwas findet, das mehr als 10 Euro wert ist, muss es abgeben – oder zumindest anzeigen, dass er es gefunden hat“, erklärt Julia Rehberg, Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Das regelt das Bürgerliche Gesetzbuch.“ Die Adresse des örtlichen Fundbüros weiß die Stadtverwaltung.

Wer etwas verloren hat, der wendet sich natürlich ebenfalls dorthin. Um nachzuweisen, dass er tatsächlich der  Eigentümer ist, muss er die verlorene Sache möglichst genau  beschreiben.

Zweitschlüssel mitbringen

Hilfreich ist es, einen Kaufbeleg und gegebenenfalls auch die Bedienungsanleitung aufs Amt mitzubringen. Wer einen Schlüssel verloren hat, sollte einen identischen Zweitschlüssel  vorzeigen.

Manche Behörden bieten bereits eine Online-Übersicht der abgelieferten Gegenstände (ein Beispiel: www.hamburg.de/fundbuero-online). So kann man sich möglicherweise den Weg ins Fundbüro sparen.

Grundsätzlich ist Geduld nötig: Es kann in größeren Städten zwei Wochen dauern, bis alles im Fundbüro gelandet ist, was etwa in einem Bezirksrathaus oder einem Kaufhaus abgegeben worden ist.

Und das Fundbüro ist nicht die einzige Anlaufstelle: Wer beispielsweise ein Handy auf einem Firmengelände findet, der sollte auch der Zentrale der Firma Bescheid geben.

Für Fundsachen im Zug wiederum ist die Aufsicht der Deutschen Bahn zuständig. Und wo der Weg zum Amt beispielsweise mit einem so herrenlosen wie platten Fahrrad zu weit ist, kann der ehrliche Finder es auch zur nächsten Polizeistation bringen.

Anspruch auf Finderlohn

Holt der Besitzer das Verlorene ab, steht dem Finder ein Lohn zu: „Bei einem Wert bis zu 500 Euro bekommt der Finder 5 Prozent dieses Betrages, also bis zu 25 Euro. War das Gefundene mehr wert, beträgt der Finderlohn 3 Prozent“, so Rehberg.

Meldet sich der Besitzer ein halbes Jahr lang nicht, hat der Finder Anspruch auf den Fund: „Nach einem halben Jahr darf er zum Beispiel das Fahrrad ganz offiziell mit nach Hause nehmen.“

Von Amts wegen würden die Sachen im Regelfall versteigert, dann kann der Finder den Erlös beanspruchen. Die Expertin rät aber: „Wer ein teures Fahrrad findet, sollte sich eine Notiz im Kalender machen und ein paar Tage vor Ablauf der sechs Monate zum Fundbüro gehen.“ Und den Anspruch geltend machen, bevor das wertvolle Rad zu billig versteigert wird.

Findet man am Geldautomaten vergessene Scheine, gibt man sie laut Rehberg einfach an der Bank-Kasse ab, bei  Automaten etwa in einer Einkaufspassage bei der örtlichen Polizei. „Das Geld einfach einzustecken, wäre ein strafrechtlich relevantes Verhalten“, warnt die Verbraucherschützerin.  

Info: Herrenlose Tiere

Was tun, wenn man einen Hund ohne Marke sieht, stundenlang angebunden an einem Laternenpfahl? Wenn einem ein Vogel zufliegt oder eine Katze zuläuft? Antwort der Expertin: „Tiere bringt man am besten zunächst ins Tierheim. Werden sie nicht vermisst, kann man sie nach kurzer Zeit mit zu sich nach Hause nehmen – Eigentümer wird man aber auch dann erst nach sechs Monaten.“

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