Immobilien

Ab in den Keller

„Die Zahl der jungen Käufer sinkt weiter“: Lutz Freitag warnt vor Wertverlusten auf dem Land.

Es wird so wenig Wohnraum gebaut wie noch nie – trotzdem wird der Wert vieler Häuser sinken

Der Absturz ist dramatisch: Die Zahl der neu genehmigten Wohnungen ist 2007 um mehr als ein Viertel eingebrochen. „Absoluter Nachkriegs-Tiefstand“, sagt Stefan Jokl, Leiter des Berliner Instituts für Städtebau. Hat etwa die Immobilienkrise, die in den USA, in England und Spanien für einen drastischen Verfall der Preise  sorgt, den Deutschen die Lust aufs Bauen genommen?

Stabile Mieten bremsen Inflation

Nein. Für den aktuellen Einbruch machen Experten vor allem die Streichung einer traditionsreichen Subvention verantwortlich – der Eigenheim-Zulage. Die Turbulenzen im Ausland „haben keine direkten Auswirkungen auf die Immobilienpreise in Deutschland“, erklärt Konstantin Kholodilin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Und von einer Kreditklemme spürt zum Beispiel die Hypoport AG nichts. Das Unternehmen, über das rund 10 Prozent aller Immobilienfinanzierungen abgewickelt werden, erklärt: „Die US-Subprime-Krise hatte auf die Finanzierung von Wohnimmobilien in Deutschland, die ausgereichten Kredite und das Preisgefüge keine bei uns messbare Auswirkung.“

Eine Spekulationsblase ist auch nicht in Sicht – im Gegenteil: Inflationsbereinigt haben Haus und Grund bei uns an Wert verloren. „Die realen Immobilienpreise sind in den vergangenen 30 Jahren fast ununterbrochen gefallen“, betont Kholodilin. Gesamtwirtschaftlich sei das nicht schädlich, stabile Mieten seien eine wichtige Inflationsbremse.

Betongold glänzt also nicht mehr. Auch deshalb ist die Baulust der Bundesbürger seit 1994 stark gesunken, wie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Seit Jahren wird der laut Jokl „allgemein für notwendig erachtete Neubaubedarf von etwa 300.000 bis 350.000 Wohnungen“ nicht mehr erreicht.

Die Krise bleibt fern, es gibt zu wenig neue Wohnungen – können die Eigenheimbesitzer also mit steigenden Preisen rechnen?

Abrissbirne droht auch im Westen

Das kommt darauf an, wo sie gebaut haben. Denn bis 2050 wird die Zahl der Bundesbürger um etwa zehn Millionen sinken. Vor „empfindlichen Wertverlusten“ auf dem platten Land warnt daher  Lutz Freitag,  der Chef des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Er prophezeit: „Immer mehr Eigentümer werden – auch aus Altersgründen – in die Städte ziehen wollen, zugleich sinkt aber die Zahl der potenziellen jungen Käufer immer weiter.“ Bereits in acht Jahren werde in vielen Landkreisen das Angebot die Nachfrage erheblich übersteigen.

In Ostdeutschland sind alte Wohnungen, in denen keiner mehr wohnen wollte, nach 1990 reihenweise zum Fall für die Abrissbirne geworden. Für die Zukunft warnt Professor Wendelin Strubelt, Vizepräsident des Bundesamtes für Bauwesen: „In stark schrumpfenden Regionen mit schlechter Wirtschaftsperspektive dürfte auch im Westen an Wohnungsabrissen kein Weg vorbeiführen.“ 


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