Nachwuchsförderung

3 x 50.000 Euro Starthilfe


Erstmals vergeben: Der Innovationspreis der Textil- und Modebranche

Neuss. Die Models haben ihre Arbeit getan. Trotzdem richten sich noch alle Augen auf den Laufsteg. Denn dort wird gleich ein Kuvert geöffnet – und schlagartig wird es ruhig im Saal: Der Umschlag enthält einen Zettel, der 50.000 Euro wert ist. Einen Zettel mit dem Namen der Siegerin. Erst vor wenigen Minuten hat die Jury des neuen Innovationspreises abgestimmt – über die drei

Kollektionen, die es ins Finale der Kategorie „Modedesign“ geschafft haben.

Keine leichte Aufgabe, sich zwischen drei ganz verschie-denen Stilen zu entscheiden:

In den dandyhaften Männer-anzügen von Anna Kleihues (33) gibt Schwarz den Ton an, während die Damenmode von Helena Ruff (31) mit einer bunten Mischung an Farben und Formen eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn nachspielt. Stark reduziert dagegen die Farbensprache von Tonja Zeller (36), klar die Schnittführung – sehr elegant sind die Formen, die den Frauenkörper umhüllen.

Und tatsächlich gewinnt – Zeller! Auf dem Zettel steht der Name der studierten Designerin, die inzwischen schon selbst an der Hochschule unterrichtet. Ihre Entwürfe haben der Hamburgerin schon andere Auszeichnungen eingebracht, aber noch keine so bedeutende: An die Sieger aller drei Kategorien vergibt der Gesamtverband textil+mode (t+m) jeweils 10.000 Euro in bar und ein Paket Fördermaßnahmen im Wert von 40.000 Euro.

Ministerin fordert Neugier

Kooperationspartner sind Kaufhof, die EU und das Land Nordrhein-Westfalen. Dessen Wirtschaftsministerin Christa Thoben hat eine ganz einfache Botschaft im Gepäck: „Bleiben Sie neugierig!“, ruft sie den 400 Gala-Gästen zu. „Es sind die Ideen von kreativen Menschen, die uns voranbringen.“

Dass sich die Branche hier keineswegs verstecken muss, soll der nun erstmals vergebene Preis künftig jährlich demonstrieren. „Mit kreativen und fähigen Nachwuchskräften wie unseren Preisträgern machen wir die Leistungsstärke unserer Branche deutlich“, betont Peter Boveleth, Vizepräsident von t+m. „So vermitteln wir jungen Leuten, dass sich eine Karriere im Textil- und Modebereich lohnt.“

Als Förderer sind schon jetzt bedeutende Firmen aller Couleur mit im Boot: Von Aunde und Brax über Gerry Weber und Heimbach bis Saertex und Seidensticker stehen mehr als ein Dutzend bekannte Unternehmen hinter der neuen Auszeichnung für den Nachwuchs.

Alle Finalisten und spannende Hintergrund-Informationen präsentiert die Broschüre „Innovationspreis textil+mode 2008“. AKTIV-Leser können das 40-Seiten-Heft frei Haus bekommen. E-Mail genügt: innovationspreis@textil-mode.de 

Innovative Textilien: So können Autos leichter werden

Neue Stoffe für ganz verschiedene Zwecke

Für Ahmet Torun (28) ist klar: „Alles, was sich bewegt, muss leichter werden – damit man Energie sparen kann.“ Und dass die Textil-Industrie dazu einiges beitragen kann, dafür hat der Doktorand gleich selbst ein Beispiel geliefert.

An der TU Dresden entwickelte Torun mit einem Forschungsteam neuartige Verstärkungstextilien für Verbundwerkstoffe: Zwei Flächen werden durch gewebte Stege verbunden. Für seine dadurch steiferen „Spacer Fabrics“ interessieren sich laut Torun schon mehrere Automobilfirmen. Auch für andere Branchen könnte die nun preisgekrönte Entwicklung interessant sein, etwa für Flugzeug-Hersteller.

Dass die schon heute stark auf ganz spezielle Textil-Teile setzen, macht Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbandes textil+mode, mit einem Beispiel klar: „Wussten Sie schon“, fragt er zum Auftakt der Preisverleihung, „dass der Airbus A 380 ohne Textil gar nicht fliegen würde?“

Viele Anwendungsmöglichkeiten bietet auch der Stoff, mit dem es Zsofia Gudlin (30) und Grazyna Grabowicz (32) ins Finale der Kategorie „Innovative Textilien“ geschafft haben: Filz, der sich wie ein Gewebe mustern lässt.

Neue Handschuhe für die Feuerwehr

Für dieses patentierte Textil interessieren sich nicht nur Innenarchitekten. Denn es könnte ja auch einfach als Material für eine kuschelige Tagesdecke dienen.

Eindeutig ist dagegen, was aus der dritten Idee im Finale wird: Feuerwehr-Handschuhe! Denn die sind schon auf dem Markt. Bis es so weit war, tüftelte Anja Schumann (25) „Tage, Nächte und Wochenenden“ im Labor. Ergebnis: chemikalienresistente Schutzhandschuhe, die ohne die klassische Membranschicht auskommen – das macht sie kostengünstiger.

Visuelle Inszenierung: Leuchtende Zukunft

Neue Ideen für ein altes Handwerk

Dass sie gewonnen hat, kann Nadine Schulte (29) kaum glauben: „Ich bin einfach nur baff“, sagt die gelernte Tischlerin. Für ihre Diplomarbeit im Fach „Industrial Design“ hat sie sich das Klöppeln beigebracht – und diese Handwerkskunst ganz neu belebt: Zum Beispiel mit einer Leuchte aus geklöppelten Spezialfasern, die per LED-Projektor mit Licht versorgt werden.

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