Kinderbetreuung

24-Stunden-Kita: Was Ministerin Manuela Schwesig mit dem umstrittenen Vorschlag bezweckt

Berlin. Klein-Jonas und Klein-Anna sollen demnächst in der Kita übernachten können – wenn Mama oder Papa Schichtdienst schieben. Solche „24-Stunden-Kitas“ will Familienministerin Manuela Schwesig in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 100 Millionen Euro fördern. Bisher sind ihr bundesweit nur 14 solcher Kitas bekannt. Jetzt sollen es mehr werden, angeblich bis zu 300.

Öffnungszeiten am Bedarf ausrichten

Die Pläne lösten Wirbel aus. Sollen etwa unsere Jüngsten rund um die Uhr abgeschoben werden? Natürlich nicht, sagt Schwesig. Es geht ihr nicht um längere Betreuung, sondern um Betreuung zu anderen Zeiten. „Wer als Verkäuferin, Polizist oder Pflegerin tätig ist, wird eine Kita, die nur von acht bis zwei geöffnet ist, nicht als verlässliche Hilfe empfinden.“

Wie wichtig bedarfsgerechtere Öffnungszeiten sind, weiß Andreas Heimer, Experte für Familienpolitik beim Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in Berlin: „Von den alleinerziehenden Müttern in Deutschland arbeiten 45 Prozent jeden dritten oder vierten Samstag, 22 Prozent jeden dritten oder vierten Sonntag – und 27 Prozent mindestens wochenweise wechselnd am Abend.“

Ob es nach der Abendschicht ratsam ist, das Kind noch aus der Kita abzuholen und zu wecken – das ist eben die Frage. 10 Prozent arbeiten sogar Nachtschicht. Bei den Müttern mit festem Partner liegen die entsprechenden Anteile kaum niedriger: 38, 20, 23 und 9 Prozent.

Zwar fragten manche nach Schwesigs Vorstoß, ob junge Mütter Schichtdienst arbeiten sollen. Doch viele sind darauf angewiesen. Und die Quote berufstätiger Mütter hat sich erhöht: von 59 Prozent im Jahr 2000 auf 67 Prozent 2013. Zwei Drittel dieser Frauen arbeiten Teilzeit. „Aber viele“, so Experte Heimer, „hätten gern mehr Stunden.“

Das käme auch den Betrieben entgegen – die angesichts des Fachkräfte-Mangels ebenfalls immer mehr Hilfsangebote machen. Wenn Frauen durch ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot mehr arbeiten können, rechnete die Regierung kürzlich vor, könnten damit im Jahr 2025 umgerechnet 0,8 bis 1,6 Millionen Vollzeitstellen besetzt werden.


AKTIV-Reportage zum Thema:

27 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten mittlerweile auch an Wochenenden. Genauso viele häufig noch nach 18.00 Uhr. 24-Stunden-Kitas sind rar, bundesweit gibt es maximal 20. AKTIV hat eine davon besucht.

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