Job-Knigge

10 ungeschriebene Regeln für den Umgang mit dem Chef

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Vor allem im Umgang mit dem Chef lauern so manche Fettnäpfchen. Die kann man leicht umgehen. Und wer ein paar goldene Regeln beachtet, eckt weniger an und kommt schneller ans Ziel. AKTIV sprach mit der Etikette-Trainerin und Kommunikationsexpertin Nandine Meyden aus Berlin über das A und O im Umgang mit Vorgesetzten – ob weiblich oder männlich.

Regel 1: Richtig grüßen will gelernt sein!

„Ladys first“ – dieser Grundsatz gilt bei der Begrüßung nicht, wenn rangniedere Mitarbeiter auf ranghöhere treffen. Gegrüßt wird erst der Chef, dann seine Sekretärin. „Es gibt einen Unterschied zwischen Grüßen und Begrüßen“, sagt Etikette-Trainerin Nandine Meyden. „Normalerweise obliegt es dem Angestellten, zuerst zu grüßen. Die Begrüßung per Handschlag geht dagegen vom Chef aus.“ Diese Regel wird außer Kraft gesetzt, sobald Gäste anwesend sind: „Dann werden zunächst die Gäste nach hierarchischer Reihenfolge, dann der Chef und dann seine Assistentin begrüßt.“ Ist eine Gruppe nicht mehr leicht überschaubar (ab etwa zehn Personen), kann auf den individuellen Handschlag verzichtet werden.

Regel 2: Seien Sie kommunikativ!

Eine Begrüßung ist Pflicht, wenn man auf den Chef trifft. Steht man gemeinsam im Aufzug, sieht man ihn privat im Supermarkt oder landet man zufällig in der Kantine mit ihm zusammen an einem Tisch, ist Smalltalk Pflicht. „Ein, zwei freundliche Sätze sind ganz wichtig“, sagt Nandine Meyden. „Das zeigt: Ich bin sozialverträglich, habe gerne Kontakt mit anderen, bin souverän. Mitarbeiter scheuen sich oft, die Konversation zu starten – doch guter Smalltalk ist ein Zeichen von Kompetenz.“ Ein paar freundliche Worte über das Wetter oder Ähnliches sollten jedem über die Lippen kommen.

Regel 3: Der Chef ist nicht automatisch Ihr Internetkumpel!

Den Vorgesetzten aus heiterem Himmel heraus bei Facebook, Xing und Co. anzuschreiben, ist keine gute Idee, sagt Nandine Meyden. „Wer seinen Chef ohnehin regelmäßig sieht und sich vernetzen möchte, der kann ihn auch einfach persönlich darauf ansprechen.“ Nach dem Motto: „Ich habe gesehen, dass Sie bei Facebook sind, wollen wir dort Kontakt knüpfen?“ Bei einer Anfrage innerhalb des sozialen Netzwerks unbedingt eine Nachricht formulieren, die die Kontaktaufnahme begründet, und nicht einfach auf „Kontakt hinzufügen“ klicken. Wichtig: Der Chef kann natürlich den Kontakt ablehnen. Sprechen Sie ihn darauf dann nicht im Nachhinein an.

Regel 4: Am Telefon bei der Sache bleiben!

Beim Telefonat mit dem Vorgesetzten sind Nebentätigkeiten tabu. Kein Tastaturklappern, kein Kaffeeschlürfen, kein Blätterwälzen – es sei denn, sie brauchen für das Gespräch Unterlagen, die sie zusammensuchen müssen. „Erklären Sie auch ungewöhnliche Hintergrundgeräusche“, sagt die Benimm-Trainerin. „Rufen Sie von sich aus den Chef an, dann fragen Sie zunächst, ob er Zeit für Sie hat und legen Sie nicht gleich mit Ihrem Anliegen los. Das gebietet die Höflichkeit – übrigens nicht nur gegenüber dem Chef, sondern auch gegenüber Kunden und Kollegen.“

Regel 5: Warten Sie auf das „Du“!

Nur der Chef kann das „Du“ anbieten, ansonsten bleibt man stets beim „Sie“. „Wem das ,Du’ unangenehm ist, der sollte sich zunächst für den Vertrauensbeweis bedanken und dann artikulieren, dass er sich mit der informellen Anrede im Betrieb nicht wohlfühlt“, sagt Nandine Meyden. „Das sollte man allerdings nur tun, wenn man wirklich nicht damit leben kann, den Chef zu duzen.“

Regel 6: Fallen Sie nie aus der Rolle!

Bei Betriebsfeiern kann es heiß hergehen. Selbst wenn der Chef es einmal enorm locker angehen lässt, sollten Angestellte immer ein gewisses Maß an Form wahren. „Sie sehen alle Anwesenden ja am nächsten Tag wieder“, mahnt die Benimm-Expertin. Mit einem gewichtigen Argument („Der Babysitter geht um 22 Uhr“) kann man sich auch ruhig früher von der Feier verabschieden. „Ein bis eineinhalb Stunden sollte man aber auf jeden Fall bleiben und sich möglichst mit vielen Anwesenden unterhalten, vor allem mit denen, die man sonst im Arbeitsalltag nicht so oft trifft“, sagt Nandine Meyden. Bloß nicht den ganzen Abend am Rockzipfel des Chefs hängen. „Sind die Ehefrau und/oder andere Familienmitglieder des Chefs anwesend, gehen Sie normal mit ihnen um. Stellen Sie sich kurz vor und machen Sie ein bisschen Smalltalk.“

Regel 7: Lästern ist tabu!

Sprechen Sie niemals in Gegenwart des Chefs negativ über Kollegen. „Das zeigt nur, dass es mit der sozialen Kompetenz des Lästerers nicht weit her ist“, sagt die Etikette-Trainerin. Außerdem weiß man nie, wie der Chef über die betreffende Person denkt. Auch bei anderen über den Chef zu lästern, zeugt von schlechtem Stil.

Regel 8: Kritik stilvoll anbringen!

Der Chef macht einen neuen Vorschlag oder hat eine findige Idee, Sie sehen darin aber ein Problem? Wer jetzt losnörgelt oder gar poltert, ist benimm-technisch auf dem völlig falschen Dampfer. Der Chef gibt schließlich die Richtung vor, Besserwisserei ist jetzt fehl am Platz. Wenn Sie etwas Wichtiges beizutragen haben, dann verpacken Sie die Kritik richtig. „Entwerten Sie Vorschläge niemals, heben Sie zunächst das Positive hervor und machen Sie dann einen Einschub“, sagt Nandine Meyden. Beispiel: „Die Idee hinter der neuen Dienstplangestaltung ist folgerichtig, in der Praxis könnte sich aus meiner Sicht folgendes Problem ergeben...“ Stellen Sie ihn niemals bloß, schon gar nicht vor Kollegen oder Kunden.

Tut der Chef etwas, das Ihnen unangenehm ist, sagen Sie es ihm – und zwar nicht erst nach zwei Jahren, sondern zeitnah. Ist ihnen sein Schulterklopfen unangenehm, bringen Sie dieses Unbehagen zum Ausdruck. „Senden Sie eine Ich-Botschaft („Ich fühle mich dabei unwohl“), statt ihn mit einer „Sie“-Botschaft („Sie klopfen mir immer so heftig auf die Schulter“) zu konfrontieren.

Regel 9: Auf die Unternehmenskultur achten!

Wer stets die Augen offen hält, der sieht, wie ein Unternehmen und damit auch der Chef tickt. Worauf wird Wert gelegt? Wie begrüßen sich die Kollegen morgens - mit Handschlag oder reicht ein freundliches Hallo? „Wer sich einigermaßen anpasst, erspart sich und dem Chef unter Umständen peinliche Gespräche“, sagt Nandine Meyden. Die werden schnell nötig, wenn sich andere Mitarbeiter beim Boss über das Verhalten eines Kollegen beschweren. Auch in Sachen Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sollten Sie nie aus der Reihe tanzen. Kann ein Termin aus wichtigen Gründen mal nicht eingehalten werden, muss man den Vorgesetzten unbedingt sofort in Kenntnis setzen.

Regel 10: Schreiben Sie nie salopper als der Vorgesetzte!

Schickt der Chef eine E-Mail mit der Anrede „Sehr geehrte Frau …“ bzw. „Sehr geehrter Herr …“ reicht es auf keinen Fall, mit einem schlichten „Hallo“ zu antworten. Stellt er auch bei einem längeren Mailwechsel stets eine Anrede voran, sollte auch der Angestellte stets mit Anrede antworten. Gleiches gilt für Grußformeln am Schluss. „Ein informellerer Umgang wird nur durch den hierarchisch Höhergestellten in Gang gesetzt“, sagt die Etikette-Expertin. „Achten Sie auf die Wortwahl des Chefs und passen Sie sich dieser am besten an.“


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