Nienburg. Zoran Todorovic staunte nicht schlecht, als ihn seine Chefin an seinem Arbeitsplatz überraschte: Johanna Beckurts-Othmer, Geschäftsführerin der Firma Niku in Nienburg, gratulierte zum zehnjährigen Firmenjubiläum mit einem kleinen Überraschungskorb. Typisch Niku – das mittelständische Kunststoffunternehmen weiß, was es an seinen Mitarbeitenden hat.

Diese Wertschätzung spürt man, wenn Johanna Beckurts-Othmer oder ihr Mann Dietrich durch die Produktion gehen – hier ein kurzes Hallo, dort eine Frage zur Familie. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin ist den Unternehmenseigentümern namentlich bekannt. „Wir wollen uns auf Augenhöhe begegnen“, sagt Johanna Beckurts-Othmer: „Vor Corona haben wir uns auch immer mit Handschlag begrüßt.“ So entstehen persönliche Beziehungen: Man kennt sich, weiß mehr über den anderen.

Details sind ihr wichtig. Sie weiß, dass der 54-jährige Zoran Todorovic als kleines Kind seine Heimat verlassen musste und anfangs mit seiner Familie in Österreich lebte. Und dass der Maschinenbediener der erste neue Mitarbeiter war, dem sie einen Arbeitsvertrag ausgehändigt hat. Das war 2011. Johanna Beckurts-Othmer und Dietrich Othmer hatten die Niku GmbH zuvor gekauft. Damals beschäftigte die Firma 37 Mitarbeiter, heute sind es 83. Auch der Umsatz hat sich in dieser Zeit auf über 10 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Allein für die Bauwirtschaft stellt der kleine Mittelständler 1,2 Millionen Helme her

Das Unternehmer-Ehepaar hat den Betrieb stark geprägt. „Wir sehen uns als Familienunternehmen“, sagt Dietrich Othmer. Gutes Klima sei wichtig: „Nur so können wir gute Produkte herstellen.“ Er zeigt dies an einem der Helme für die Bauwirtschaft, die der Betrieb herstellt. 1,2 Millionen Stück pro Jahr: verpackt und veredelt, in allen Farben, Designs und bedruckt mit den Kunden-Logos.

Längst übernimmt die Firma im Auftrag des Kunden neben Produktion und Versand auch die Konfektionierung. Dafür bekommt Niku Unterstützung von einem Unternehmen der Lebenshilfe, Menschen mit Assistenzbedarf unterstützen bei Vorbereitungsarbeiten.

Früher hatte sich Niku auf Helmschalen beschränkt. Heute verrichtet der Betrieb alle weiteren Arbeitsgänge. Anbauteile wie Visiere, Gehörschutz oder Lampen werden konfektioniert. Dietrich Othmer: „Wir sind zum Systemlieferanten geworden.“ Ähnlich sei auch die Zusammenarbeit mit den Kunden aus der Medizintechnik oder etwa mit Herstellern von Aquarien.

Er weiß, dass damit die Ansprüche steigen. Doch Fachkräfte sind auch in Nienburg knapp. Deshalb hat seine Frau Schulungsprojekte für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gestartet: „Die Sprachbarrieren sind das größte Problem. Die müssen wir überwinden.“

Für Anlerntätigkeiten, die zu besetzen sind, bewerben sich immer häufiger Freunde und Familienmitglieder aus der Belegschaft. Damit die neuen Mitarbeiter Arbeitsanweisungen lesen und verstehen können, finden regelmäßige Kurse im Betrieb statt. Umgesetzt werden sie von der örtlichen Volkshochschule, zweimal in der Woche, zweieinhalb Monate lang. Diese Schulungsprojekte genießen bei der Firmenchefin einen hohen Stellenwert: „Viele Firmen sparen da am falschen Ende, wenn sie den Fokus nur auf die Fertigungsergebnisse legen.“