Immer mehr Vereine pumpen sich Geld von ihren Fans – per Anleihe. Das frische Kapital stecken sie etwa in neue Spieler oder renovieren damit das Vereinsheim. So hat jüngst etwa der HSV eine Anleihe herausgegeben, aber auch vom FC Schalke 04 oder dem 1. FC Köln gibt es diese Geldanlage. Anleihen sind Wertpapiere mit in der Regel festem Zinssatz, die von Unternehmen oder auch Staaten ausgegeben werden, um so einen Kredit aufzunehmen. Sie haben eine feste Laufzeit, zu deren Ende sie zurückgezahlt werden.

Ratingagenturen bewerten Ausfallrisiko

Wer eine Anleihe nicht so lange halten will oder das Geld eher braucht, kann sie aber auch vor Fälligkeit an der Börse verkaufen, allerdings zum dann aktuellen Kurs. Achtung: Dieser kann auch niedriger als beim Kauf sein. Dann macht der Anleger einen Verlust. Eine weitere Gefahr dieser Anlageform liegt im Ausfallrisiko. Dieses bewerten Ratingagenturen für viele Anleihen, aber nicht für alle. Bei Papieren mit einem AAA zum Beispiel ist die Bonität sehr gut und praktisch kein Ausfallrisiko vorhanden. Anleihen, die mit B-Noten beurteilt werden, sind schon riskanter. 

Fan-Anleihe: Erfolg ist schlecht einschätzbar

Auch bei den Fan-Anleihen sind die Risiken nicht unerheblich. „Bei Fußballvereinen gibt es viele Unwägbarkeiten, da die Einnahmen eines Klubs stark vom Saisonerfolg abhängen“, erklärt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung (DSW) für Wertpapierbesitz in Düsseldorf. Diese könne man als Anleger nicht einschätzen, da etwa der Spielerfolg einer Saison nicht vorauszusehen ist. Droht einem Klub beispielsweise der Liga-Abstieg, ist das nicht nur sportlich unerfreulich, sondern hat auch erhebliche finanzielle Auswirkungen, weil vom Erfolg eben ein großer Teil der Einnahmen abhängt. Wäre dann nach dem Abstieg die Rückzahlung einer Anleihe fällig, könnte es sein, dass das Geld dafür nicht vorhanden ist, weil ein Teil der erwarteten Einnahmen weggebrochen ist.

Die Folge für den Anleger: „Bei einer Insolvenz des Fußballklubs können Anleihenzeichner leer ausgehen, weil ihre Forderungen in der Regel nachrangig behandelt werden“, so Kurz. Das heißt, dass andere Gläubiger zuerst bedient werden und der Fußball-Fan womöglich in die Röhre schaut. Ohnehin haben laut Kurz nur wenige deutsche Vereine eine gewisse Planungssicherheit über ihre Einnahmen, zum Beispiel der FC Bayern München. Aber auf der Ausgabenseite sieht das schon wieder anders aus. Werden teure Spieler engagiert? Müssen hohe Ablösesummen gezahlt werden? Für den Aficionado ist es aus diesen Gründen sehr schwer, ein mögliches Investment zu beurteilen und das Anlagerisiko einzuschätzen. Daher sollten Anleger schauen, ob es für die Anleihe ein Rating gibt und wie dort das Risiko bewertet wird.

Hohe Zinszahlungen bedeuten hohes Risiko

Dass dieses bei Fan-Anleihen nicht unerheblich ist, darauf deutet auch der Zins hin. Immerhin 6 Prozent bietet zum Beispiel der HSV. Das klingt attraktiv, dennoch sollte man bedenken, dass hohe Zinszahlungen in der Regel auch mit einem höheren Risiko einhergehen. Für dieses spricht zusätzlich, dass Fußballklubs besonders dann zum Mittel der Anleihe greifen, wenn die Finanzierung über einen Bankkredit schon problematisch ist, sie also finanziell nicht gerade gut dastehen. 

DSW-Sprecher Jürgen Kurz zieht folgendes Fazit: „Wahre Fans, die ihrem Lieblingsverein finanziell unter die Arme greifen wollen, können eine kleine Summe investieren und dann den Anleihenkauf als eine Art verzinste Spende betrachten, die sie zurückerhalten, wenn es gut geht.“ Wem das zu vage ist, der sollte besser ganz die Finger davonlassen.