Rund 5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sollen auf den Tourismus zurückfallen, sagt das Umweltbundesamt. 40 Prozent davon entfallen auf Flugreisen, 32 Prozent auf Autoverkehr und 21 Prozent auf die Unterkünfte. Kein Wunder, denn wir legen oft weite Strecken zurück, wenn wir in den Urlaub fahren – egal, ob mit dem Auto oder dem Flieger. Wer beim Reisen das Klima schützen will, sollte darum einiges beachten. Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum beim Umweltbundesamt, hat einige Tipps.

Tipp 1: Urlaub in der Nähe

Besonders klimafreundlich wird der Urlaub, wenn wir nicht weit wegfahren. „Eine Wander- oder Fahrradreise in der Nähe des Zuhauses ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gut für die eigene Gesundheit“, sagt Bilharz.

Soll es unbedingt die unbekannte Region in der Ferne sein, muss man nach anderen Möglichkeiten suchen, um trotz der langen Anreise das Klima zu schonen. Hier spielt das Transportmittel eine wichtige Rolle.

Tipp 2: Eimissionen sparend in den Urlaub

„Letztendlich geht es immer darum, ein gesundes Maß zu finden“, sagt der Experte. „Das kann beispielsweise bedeuten, dass man in einem voll besetzten Auto möglichst spritsparend in Urlaub fährt. Oder auch einmal den Zug nach Spanien oder Italien nimmt.“ Dann allerdings braucht man natürlich mehr Zeit für die An- und Abreise. 

Ob das Auto oder der Flieger die Umwelt mehr belastet, lässt sich mit einem CO2-Rechner herausfinden. Seine persönliche Rechnung kann man etwa mit dem Tool der TV-Sendung „Quarks“ machen: quarks.de. Dabei spielt beim Auto auch eine Rolle, ob es ein Benziner, ein Diesel oder ein Elektroauto ist, wie groß und wie alt das Auto ist und auch wie viele Personen mitfahren.

Ein Beispiel: Würde eine Person allein 800 Kilometer mit einem mittelalten Benziner nach Italien fahren, läge der CO2-Ausstoß gar nicht so weit entfernt von dem des Flugreisenden. Im Flugzeug würden 169 Kilogramm ausgestoßen, mit dem Auto 160,1 Kilogramm. Fahren aber im Auto drei weitere Personen mit, liegt der Ausstoß pro Person dort nur noch bei 40 Kilogramm, im Flieger bleiben es 169 Kilogramm – pro Person.

Tipp 3: Lieber Europa als Asien oder Amerika

Aber auch beim Fliegen gibt es Unterschiede: „Kürzere Flüge setzen weniger CO2 frei als Langstrecken“, so der Umweltexperte. Entsprechend werden bei einem Flug innerhalb Europas weniger Co2-Emissionen ausgestoßen als bei einer Langstreckenreise nach Südafrika oder in die USA. Bleibt es bei der Langstrecke, sollte man allerdings keinen Kurzurlaub machen. Denn ein langer Urlaub mit einem Hin- und Rückflug setzt weniger CO2 frei als drei kurze Aufenthalte mit langer Anreise. Allerdings wird das Fliegen künftig grüner werden durch klimaneutrales Kerosin. So soll bald eine Anlage in Niedersachsen das E-Kerosin aus Wasser und Strom herstellen und unter anderem an die Lufthansa liefern.

Tipp 4: Klimafreundliche Unterkünfte wählen – oder campen

Unabhängig davon, ob man mit dem Flugzeug oder dem Auto angereist ist, kann man sich als Tourist auch am Reiseziel klimafreundlicher verhalten und damit die schon verursachten Emissionen kompensieren.

Bei der Wahl des Hotels könnte man Unterkünfte mit Bio-Zertifikat bevorzugen. „Außerdem sollten sich Reisende die Frage stellen, ob ein Hotel in der Wüste zwingend einen Swimmingpool und angeschlossenen Golfplatz braucht“, sagt Bilharz. Eine weitere Frage ist, ob das Zimmer im Hotel jeden Tag gereinigt werden muss. Manche Hotels verschenken einen Kaffee oder einen Schokoriegel, wenn man ab und zu auf die Reinigung verzichtet.

Noch klimafreundlicher ist es allerdings, ganz auf das Hotel zu verzichten: Camping soll deutlich umweltfreundlicher sein. Laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online spart man dabei 115 Kilogramm CO2 pro Woche im Vergleich zum Hotelurlaub. Und günstiger ist Camping oftmals auch.

Tipp 5: Vor Ort aufs Rad und den ÖPNV umsteigen

Außerdem können Urlauber vor Ort den ÖPNV nutzen, falls es diesen gibt. Das spart auch die lästige Parkplatzsuche. In vielen Orten auch im Ausland gibt es außerdem Leihräder. „Wer einen Roadtrip plant, könnte einmal über Züge und Fernbusse nachdenken – und dafür auf den Mietwagen verzichten“, sagt Bilharz.

Tipp 6: Auf Kreuzfahrten verzichten

Wer das Klima schützen möchte, sollte keine Kreuzfahrt buchen. „Reisen auf großen Schiffen sind eine Belastung fürs Klima“, stellt Experte Bilharz klar. Allerdings gibt es aus der Branche gute Nachrichten: Die Anbieter von Kreuzfahrten beschäftigen sich zunehmend mit emissionsärmeren Antrieben. Die ersten Schiffe der Aida- und der MSC-Flotte werden mit dem Flüssiggas LNG betrieben. Bald soll es auch Brennstoffzellen auf einigen Schiffen geben, um Energie zu sparen. Und zunehmend werden Schiffe mit Landstromanschluss ausgerüstet, um zumindest im Hafen weniger Schadstoffe auszustoßen. Auch Katalysatoren oder eine optimierte Bauweise helfen dabei, dass weniger Energie verbraucht beziehungsweise weniger Emissionen ausgeschieden werden.

Tipp 7: CO2-Ausstoß kompensieren: Für Umweltprojekte spenden

Wer wegen seiner Schiffstour oder seines Langstreckenflugs ein schlechtes Gewissen hat, kann den CO2-Ausstoß übrigens auch kompensieren. Entscheidet man sich dafür, spendet man die Summe, die Portale wie Atmosfair oder Myclimate aufgrund der Reisedaten berechnen. Das sind beispielsweise bei einem Flug nach Madrid hin und zurück gerade einmal 19 Euro bei Atmosfair.

Dieses Geld geht dann in ein Klimaschutzprojekt. Möglicherweise werden mit den Spenden effiziente Öfen in Nigeria, Ruanda oder Lesotho gebaut, in Nicaragua ein Windpark errichtet oder in Honduras ein Kleinwasserkraftwerk. „So wird also mit dem Geld anderswo in der Welt dafür gesorgt, dass dort weniger Emissionen entstehen“, erklärt Bilharz. Die Spendenquittungen von beiden Portalen kann man übrigens in der Steuererklärung geltend machen.

Kritiker bezeichnen diese Kompensation gerne als Ablasshandel. Das hört Klimaexperte Bilharz jedoch nicht gerne: „Es ist eine Spende für eine messbare Dienstleistung für mehr Klimaschutz. Natürlich beruhigt sie auch das Gewissen. Aber dementsprechend müsste jede Spende als Gewissensberuhigung gesehen werden“, sagt er. Andere sind unsicher, ob die Spende wirklich sinnvoll eingesetzt wird.

Tipp 8: Kompensation beim Reiseveranstalter gleich mit buchen

Auch auf diese Kritik hat Bilharz eine Antwort: „Im Umweltbereich geht es immer um Vertrauen: Ist der Bio-Apfel ungespritzt? Wird der Kaffee wirklich fair hergestellt? Wurde unsere Kleidung tatsächlich nicht von Kindern hergestellt? So ist es letztlich auch bei der CO2-Kompensation.“ Außerdem, so sagt der Fachmann, dürfe man nicht vergessen, dass „viele Entwicklungs- und Schwellenländer eine dynamische Konsumentwicklung haben. Das heißt: Die CO2-Emissionen steigen dort deutlich an. Ohne die Kompensation und die entsprechenden Projekte würden sie noch viel mehr ansteigen.“

Übrigens: Bei Myclimate kann man auch Kreuzfahrten kompensieren. Und im Forum „anders reisen“, aber auch bei anderen Anbietern, können Reisen gebucht werden, bei denen die Klimakompensation für den Urlaub bereits im Preis enthalten ist.