Köln. Die negativen Schlagzeilen häufen sich: Viele Autobauer und Zulieferer planen einen massiven Stellenabbau. Wie ernst ist die Lage, wie steht die Branche da? Eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gibt jetzt Aufschluss.

„Eins vorweg: Wir erleben keinen Totalabsturz“, versichert Thomas Puls, Mitautor der Studie. „Sondern den Abschwung von einem grandiosen Höhenflug auf ein niedrigeres Niveau.“

Schwerer als Corona wiegt die Transformation zur Elektromobilität

Nach der Finanzkrise erlebte die Auto-Industrie einen zehnjährigen Boom, von dem der Standort Deutschland als Ganzes profitiert hat. Jetzt steht die Branche als Sorgenkind im Rampenlicht: „Die Corona-Krise hat sehr hart getroffen“, so Puls.

Während des Lockdowns brach die Produktion der Autoindustrie dramatisch ein.

Sogar noch schwerer wiegen aber andere, längerfristige Entwicklungen: Zum einen schrumpft der globale Automarkt schon seit Mitte 2018, deshalb ging die Produktion schon lange vor Corona zurück. Zum anderen fordert der Technologiewandel hin zu Elektroantrieben seinen Tribut.

Bereiche, die mit Verbrennern zu tun haben, werden laut Puls schrumpfen. Gleichzeitig tun sich etwa bei Elektronik und Software neue Chancen auf. Wer die nutzen will, muss allerdings zuerst kräftig investieren. Hinzu kommt, und das wird oft übersehen: Mit elektrisch angetriebenen Pkw lässt sich generell nicht mehr so viel Geld verdienen wie mit Verbrennern.

Die Auswirkungen sind nicht für alle Unternehmen gleich

Wie sich das alles auswirkt, kann man nicht pauschal sagen. Dazu Puls: „Hier muss man zwischen Herstellern, großen Zulieferern und kleinen, spezialisierten Zulieferern unterscheiden.“ Die Hersteller seien noch relativ gut aufgestellt, vor allem im Vergleich mit ihren europäischen Konkurrenten. Denn in den größten Märkten – USA und China – produzieren unsere Hersteller in eigenen Werken direkt vor Ort. Außerdem ist der Weltmarkt für Premiumwagen ziemlich fest in deutscher Hand. 

850.000 Menschen waren 2019 in der Autoindustrie beschäftigt. 

Ähnliches gilt für die großen Zulieferer: Sie haben noch genug Reserven, um sich neue Geschäftsfelder zu erschließen und auszubauen – daran wird seit Jahren gearbeitet. Wer Teile wie Karosserien oder Fahrgestelle fertigt, muss ebenfalls nicht um die Existenz bangen. Denn so etwas wird ja auch in Elektroautos verbaut.

Transformation heißt: neue Geschäftsfelder erschließen

Düster sieht es allerdings für diejenigen aus, die sich auf Motorblöcke oder andere Komponenten für Pkw mit Verbrennungsmotor spezialisiert haben: Ihr Markt wird mit der Zeit unweigerlich schwinden. „Um auf Dauer zu bestehen, müssen solche Firmen sich neu erfinden“, ist Puls überzeugt. Das Problem: Gerade jetzt fehlt dafür oft das nötige Kapital.

Ein apokalyptischer Zusammenbruch ist insgesamt nicht zu befürchten, aber die fetten Jahre sind wohl definitiv vorbei. In Top-Form wie früher wird die Auto-Industrie die Wirtschaft nicht mehr vorantreiben können, ohne schmerzhafte Anpassungen ist die Zukunft nicht zu meistern.

Wer mehr darüber wissen will: Die IW-Studie steht unter dem Link iwkoeln.de zum kostenlosen Download bereit.