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Chemie-Standort Ostdeutschland

Wie ein Manager den Industriepark Zeitz ausbaut

232 Hektar umfasst der Industrie- und Chemiepark Zeitz, Platz genug für 50 Betriebe und 1.000 Beschäftigte. Aber da geht noch was, findet Arvid Friebe, Geschäftsführer der Infra-Zeitz Servicegesellschaft.

Mehr Investitionen, neue Jobs: Ziele von Geschäftsführer Arvid Friebe (links) und Ingenieur Silvio Rockstroh. Foto: Sturm

Mehr Investitionen, neue Jobs: Ziele von Geschäftsführer Arvid Friebe (links) und Ingenieur Silvio Rockstroh. Foto: Sturm

Hier ist noch Platz: Manager Arvid Friebe bietet Firmen in Zeitz Perspektiven. Foto: Sturm

Hier ist noch Platz: Manager Arvid Friebe bietet Firmen in Zeitz Perspektiven. Foto: Sturm

Zeitz-Alttröglitz. Vom Turm der Abwasservorbehandlung bietet sich Arvid Friebe ein weiter Blick: von den wie neu blitzenden Anlagen im Industrie- und Chemiepark Zeitz über die angrenzenden Felder und Wiesen bis hin zu den Baustellen auf dem 232 Hektar großen Gelände.

Es ist auch ein Blick in die Zukunft: „Weitblick ist eine Tugend, die ein Manager unbedingt braucht“, sagt Friebe (48). Seit Anfang 2013 ist er Geschäftsführer der Infra-Zeitz Servicegesellschaft. Diese betreibt den Industrie- und Chemiepark mit 50 Betrieben und rund 1.000 Beschäftigten.

Der Job für den Chef und sein 50-köpfiges Team: „Den vorwiegend mittelständischen Unternehmen die Arbeit hier so leicht wie möglich zu machen.“ Dazu gehören zum Beispiel ein funktionierendes Ab- und Kühlwassersystem und die Koordination anderer Industriedienstleister. Zudem muss die Fläche gemanagt und vermarktet werden, 70 Hektar sind noch frei. „Ein kleiner, aber sehr innovativer Standort, ständig in Bewegung“, weiß Friebe.

Lernen, wie die Unternehmen ticken

Die Stärke des Industrieparks ist nachhaltige Chemie. Hier produziert zum Beispiel ein ukrainisches Stärkewerk. Die italienische Firma Radici Chimica fertigt für die Kunststoff-Industrie Adipinsäure. Das produktionsbedingt anfallende schädliche Lachgas wird – weltweit einmalig – in Energie umgewandelt. Puraglobe betreibt die größte Altöl-Raffinerie Europas, die mittelständische Firma Deurex hat erst 2017 den Europäischen Erfinderpreis erhalten, für ein Produkt, das problemlos Öl und Chemikalien aus Wasser löst.

Immer gibt es für die Betreiber etwas zu tun. Im Jahr 2013 stieg zum Beispiel das Aufkommen in der Abwasserreinigung im Vergleich zum Vorjahr um über 20 Prozent: „Unsere Betriebe produzierten nach der Krise wieder voll“, erklärt der Manager, der Engpässe bei weiterem Wachstum ahnte.

Für die Entwicklung eines Standorts braucht man Vertrauen, Kontakte, Diplomatie und Präsenz

In Bremen hatte Friebe Politikwissenschaft, Jura und Geschichte studiert, danach arbeitete er zunächst als Journalist. Es folgten zehn Jahre bei der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes. Dort entdeckte er seine Berufung: „Ich habe etliche Investitions- und Ansiedlungsprojekte betreut“, sagt Friebe. Da lerne man, wie Verwaltungen funktionieren, wie Unternehmer ticken, was man tun müsse, um Wünsche in Realität zu verwandeln. „Ganz wichtig für die Standortentwicklung ist es, Vertrauen zu vermitteln, viele Kontakte zu haben, immer diplomatisch und präsent zu sein.“

Weiteres Wachstum ermöglichen

Immer gilt es, weiteres Wachstum zu ermöglichen. „Wir hatten 2015 entschieden, die Infrastruktur des Standorts weiterzuentwickeln“, erzählt Friebe. 18 Millionen Euro fließen nun in das Projekt, zwei Drittel stemmt das Land Sachsen-Anhalt. Bei laufendem Produktionsbetrieb wird etwa das Kühlwassersystem erweitert, ein weiteres Klärwerk ist im Bau, die Kapazität der Abwasserreinigung steigt. Zudem kann die Infra-Zeitz mittlerweile Energie für den eigenen Bedarf und die Industrie vor Ort kostengünstig und nachhaltig produzieren.

Das zahlt sich aus. Einerseits entwickelt sich das Abwasserreinigungsgeschäft auch mit Firmen, die nicht am Standort arbeiten. Andererseits investieren ansässige Unternehmen, neue Ansiedler kommen. Ein Werkzeugmaschinenhersteller baut gerade für 4 Millionen Euro eine Produktionsstätte, schafft 25 Arbeitsplätze. „Wir sind zudem in guten Gesprächen mit weiteren potenziellen Investoren“, so der gebürtige Hannoveraner.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich war Projektmanager bei der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, betreute viele Chemie-Projekte. So kam ich nach Zeitz.

Was reizt Sie am meisten?

Die Vielfalt der Aufgaben: Marketing für den Standort, die Entwicklung des Chemieparks, Menschen begeistern.

Worauf kommt es an?

Zuhören können und ein Gespür für Entwicklungen, für die Bedürfnisse der Unternehmen haben. Und unglaublich viel Geduld.


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