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Industrie sucht Nachwuchs – mit pfiffigen Projekten

So begeistert man Schüler für eine Ausbildung: Beispiel Horizont, Korbach

In vielen Betrieben bleiben Lehrstellen unbesetzt, das betrifft sogar die Metall- und Elektro-Industrie. Wie man erfolgreich um Nachwuchs werben kann, zeigt die Firma Horizont mit ihrer „Forscherwerkstatt“. AKTIV war da.

Am 3-D-Drucker: Die Horizont-Azubis Nils Grosche und Gea Scheele mit Ausbildungsleiter Guido Kersting. Foto: Scheffler

Am 3-D-Drucker: Die Horizont-Azubis Nils Grosche und Gea Scheele mit Ausbildungsleiter Guido Kersting. Foto: Scheffler

Im Workshop programmiert: Welches Schild der 3-D-Drucker fertigen soll, können jeweils die Schüler entscheiden. Foto: Scheffler

Im Workshop programmiert: Welches Schild der 3-D-Drucker fertigen soll, können jeweils die Schüler entscheiden. Foto: Scheffler

Korbach. Kaum noch Bewerber für die technischen Ausbildungsplätze – und gar keine für ausgefallenere Berufe wie den Verfahrensmechaniker? Bei Horizont im nordhessischen Korbach ist das vorbei. Dank der „Forscherwerkstatt“, die Ausbildungsleiter Guido Kersting (31) vor zwei Jahren angeschoben hat.

Die einleuchtende und schon mehrfach ausgezeichnete Idee: Die hauseigenen Azubis machen Schülern Lust auf ihre technischen Berufe. Und das direkt im Betrieb, mit prima Equipment.

Die Horizont Group ist einer der größten Hersteller von Weidezäunen weltweit, fertigt Sicherheitsprodukte für die Landwirtschaft und die mobile Verkehrsleittechnik. 280 der knapp 500 Beschäftigten arbeiten in der Zentrale, 28 junge Menschen lernen hier einen von elf angebotenen Berufen.

Azubis erklären Schülern technische Vorgänge – in speziellen Workshops

Unter ihnen Nils Grosche (18). Er steht kurz vor seiner Abschlussprüfung zum Mechatroniker und war von Anfang an bei der Forscherwerkstatt dabei. „Bei Vorträgen schalten die meisten ab“, weiß Grosche aus eigener Erfahrung, „aber wenn man selbst was machen kann, bleibt man gerne dran.“ Er hat selbst schon diverse Projekte erklärt, ehe die Schüler dann eine einfache Steuerung zusammenbauen oder einen Roboter programmieren durften.

Aktuell können interessierte Schulklassen aus der Region unter sieben Workshops auswählen, von „Grundlagen der Physik“ über Elektronik, Robotik und 3-D-Druck bis hin zu Social Media. Jedes Projekt wird auf das Vorwissen abgestimmt, die Sache funktioniert deshalb bei Grundschulklassen ebenso wie bei einem Physik-Leistungskurs. So erfahren die Schüler zum Beispiel, wie eine Windkraftanlage funktioniert – oder auch ein 3-D-Drucker. Der steht übrigens mitten in der Entwicklungsabteilung, sodass die Kinder dort unkompliziert mit Horizont-Technikern ins Gespräch kommen können.

Die Bewerberzahlen für die Lehrstellen steigen, ebenso der Anteil der weiblichen Azubis

„Daniel Düsentriebs gibt es in jeder Klasse, man muss sie nur finden und richtig ansprechen“, ist Ausbildungsleiter Kersting überzeugt. „Und mit ihren Postings in sozialen Netzwerken werben die Teilnehmer dann auch selbst für uns.“ Ergebnis: deutlich gestiegene Bewerberzahlen – und ein höherer Anteil weiblicher Azubis.

Auch Gea Scheele (19) hat die Firma als Schülerin entdeckt, über die praktischen Versuche. „Ich habe hier begriffen“, erzählt sie, „dass es einen tollen Beruf gibt, der Technik und Kreativität verbindet, und mich sofort beworben.“ Jetzt lernt sie technische Produktdesignerin. Und begeistert selbst schon Jüngere für technische Berufe. Ihre Beobachtung: „Die meisten steigen sofort voll ein.“


AKTIV berichtet regelmäßig über die Ausbildung in der Industrie – aktuelle Beispiele:

Roboter hier, Algorithmen da – die Produktion wird immer digitaler. Für die Arbeit in der Industrie 4.0 ist zusätzliches Grundwissen wichtig. Ab August 2018 wird es in elf Metall- und Elektroberufen verbindlich vermittelt.

Schluss mit Warteschleife! Der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) macht gemeinsam mit der verbandseigenen Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne in Iserlohn Jugendliche ohne Lehrstelle fit für eine reguläre Metaller-Ausbildung.

Nur zwei Schulen in Deutschland bieten die Weiterbildung zum Papiertechniker an. Simon Böck hat die Vollzeit-Ausbildung an der Alois-Senefelder-Schule in München gewählt. Für ihn ein wichtiger Karriereschritt.

Die Azubis sollen fit fürs digitale Zeitalter werden. Das lässt sich der Technologiekonzern Freudenberg einiges kosten. Für 8,5 Millionen Euro baute er ein neues Bildungszentrum. Allein in Weinheim stellt er jedes Jahr 70 Azubis ein.

Schaltpläne studieren, Metall bearbeiten, Steuerungen fertigen, Baugruppen verdrahten, Anlagen montieren, Systeme programmieren – all das lernt der angehende Mechatroniker Marvin Ozimek. Es ist ein Mann mit künstlerischer Ader.

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