Reinigen macht glücklich

Frühjahrsputz: Eine ganze Industrie lässt sich einiges einfallen, damit er leichter wird

Putzen tut der Seele gut. Doch das Zeit-Budget der meisten ist knapp. Deshalb greifen die Deutschen bevorzugt zu Produkten, die die Arbeit müheloser machen. Zu Saugrobotern etwa. Und zu anderen Neuheiten der Putzmittel-Hersteller.

Frühjahrsputz: Fenster stehen ganz oben auf der To-do-Liste. Foto: Mauritius

Frühjahrsputz: Fenster stehen ganz oben auf der To-do-Liste. Foto: Mauritius

Weinheim. Die erste Sonne bringt ihn gnadenlos an den Tag: den Dreck auf Fenstern, Schmutz in den Ecken, den Staub unterm Sofa. 36 Prozent der Deutschen greifen laut Umfrage deshalb dieser Tage beherzt zu Lappen und Eimer – Frühjahrsputz!

Der lässt übrigens nicht nur das eigene Heim strahlen. Sondern macht sogar gute Laune! Das haben Wissenschaftler herausgefunden. „Wenn die Natur in frischen Farben strahlt, wollen wir es zu Hause auch so haben“, erklärt der Psychiater Dr. Ahmad Bransi, Chefarzt der Oberbergklinik Weserbergland in Extertal-Laßbruch bei Detmold. „Durch die körperliche Anstrengung produzieren wir Glückshormone. Und ist dann auch noch alles sauber, fühlen wir uns erst recht wohl.“

Auch eine Studie der Londoner Uni mit 20.000 Teilnehmern belegt das Phänomen klar. Deren Fazit: Hausarbeit tut der Psyche gut, baut Ängste ab, bekämpft sogar Depression.

Vom Drang zur Reinlichkeit in den eigenen vier Wänden lebt eine ganze Industrie. 4,6 Milliarden Euro setzten allein die Hersteller von Reinigungsmitteln und ihre 15.000 Beschäftigten letztes Jahr um. Derzeit ist für sie Hochsaison. „In den sechs Wochen vor Ostern liegt der Umsatz mit Putzprodukten 30 bis 40 Prozent höher als sonst im Jahr“, sagt Markus Dietz, Marketing-Direktor bei Freudenberg Home and Cleaning Solutions („Vileda“). Beim Düsseldorfer Henkel-Konzern etwa schnellt im März der Verkauf von Gardinenwaschmittel um fast die Hälfte hoch.

Deutschland wienert, wischt und wäscht also. Doch auch wenn laut Wissenschaft Putzen gut für die Seele ist: Gegen etwas mehr Bequemlichkeit haben Hausfrauen und -männer dann am Ende offensichtlich doch nichts. „Begehrt sind derzeit vor allem Produkte, die die Arbeit müheloser machen“, erklärt Bernd Glassl, Bereichsleiter Haushaltspflege beim Branchenverband IKW in Frankfurt.

Heißt: Die Roboter kommen! Insbesondere Staubsauger-Roboter erobern immer mehr Wohnstuben. Um 30 Prozent legte der Absatz der bis zu 1.000 Euro teuren Geräte im letzten Jahr zu. Und auch für 2017 erwartet der Branchenverband ZVEI „deutliche Zuwachsraten“. Laut dem Kölner Institut für Handelsforschung liebäugeln sogar 60 Prozent aller Verbraucher mit der Anschaffung eines Saug-Automaten von Herstellern wie Miele, BSH Hausgeräte, Kärcher oder Vorwerk.

Auch ein Grund dafür: unser knappes Zeit-Budget. Für zwei Drittel der Deutschen sind laut einer Umfrage drei Stunden Putzen pro Woche das Höchste der Gefühle. Die Industrie versucht, die Produkte dafür zu entwickeln. Ergebnis: Sprühpistolen verteilen Reiniger großflächiger, Wedel ziehen mehr Staub elektrostatisch an, saugfähigere Mikrofasertücher reinigen effizienter als früher.

Selbst den alten Besen haben Forscher verbessert

Letzter Schrei: Vileda-Tüftler haben ein Wischsystem entwickelt, das ganz ohne Eimer auskommt. Im Stiel integriert sind ein Tank für Reiniger und eine Düse oberhalb vom Mopp: Boden besprühen, wegwischen, fertig.

Und selbst den guten alten Besen haben die Forscher verbessert. „Wie eine Zahnbürste hat der nun unterschiedlich gewinkelte Borsten“, erklärt Marketing-Mann Dietz. „So packt er Haare, Staub und Krümel gleich gut.“

Übrigens: Die Ausrede von Putzmuffeln, aus Umweltschutzgründen die Feudelei zu boykottieren, ist mittlerweile auch schon angestaubt. Die Hersteller verringern die Menge der eingesetzten Wirksubstanzen in Putzmitteln ständig – von 2007 bis 2015 um ein Fünftel.

So öko sind Putzmittel

  • Waschaktive Substanzen müssen laut Detergenzienverordnung vollständig biologisch abbaubar sein.
  • Vielverwendete Stoffe (jährlich über zehn Tonnen) sind auf Sicherheit für Mensch und Umwelt zu checken, schreibt das EU-Chemiegesetz vor.
  • Besonders umweltschonende Produkte erkennt man am „Blauen Engel“. Zurzeit tragen ihn neun Mittel.

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