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Karriere in der Metall- und Elektro-Industrie

Ausbildung: Junge Frau sorgt beim Bandstahlhersteller Waelzholz für ordentlich Strom

Als Kind hat sie ihrem Bruder die Legosteine gemopst und mit ihrem Opa herumgebastelt, jetzt macht sie eine Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik: Valentina Kling ist alles andere als zimperlich – auch nicht in der Freizeit.

Innenleben eines Motors: Valentina Kling kontrolliert die Kohlen, die den elektrischen Kontakt herstellen. Foto: Roth

Innenleben eines Motors: Valentina Kling kontrolliert die Kohlen, die den elektrischen Kontakt herstellen. Foto: Roth

Außer Betrieb: Der Umgang mit Strom erfordert besondere Vorsicht. Foto: Roth

Außer Betrieb: Der Umgang mit Strom erfordert besondere Vorsicht. Foto: Roth

Auf einen Blick: Am Computer haben die Elektroniker die komplette Anlage auf dem Schirm. Foto: Roth

Auf einen Blick: Am Computer haben die Elektroniker die komplette Anlage auf dem Schirm. Foto: Roth

Im Sattel: Zeit mit ihrem Pferd genießt Valentina Kling so oft es geht. Foto: Privat

Im Sattel: Zeit mit ihrem Pferd genießt Valentina Kling so oft es geht. Foto: Privat

Der wahrgewordene Traum von Valentina Kling heißt Rocky, steht im Stall und hat eine Renn-Karriere hinter sich. Der Traber-Wallach ist ihr ganzer Stolz. „Seitdem ich vor einigen Jahren bei den Karl-May-Festspielen in Elspe die Cowboys durchs Gelände galoppieren sah, wollte ich unbedingt auch reiten und ein Pferd haben“, erzählt die 18-Jährige. Das mit dem Reitenlernen hat sofort geklappt. Den zweiten Wunsch hat sie sich vor einem Jahr erfüllt, vom ersten eigenen Geld.

Typisch Mädchen? Nicht ganz. Im Job sorgt Valentina Kling für ordentlich Strom bei Waelzholz in Plettenberg – als erste Frau in ihrer Abteilung. Sie macht eine Ausbildung zur Elektronikerin für Betriebstechnik. Selbstsicher bewegt sie sich zwischen den mächtigen Anlagen und Stahlcoils im Kaltwalzwerk, inspiziert Motoren, zieht Kabel, überprüft Steuerungen. Auch beruflich hat sich ein Traum erfüllt.

„Ich könnte nicht jeden Tag am Computer sitzen. Ich möchte was anpacken“

„Ich könnte nicht jeden Tag ins Büro gehen und am Computer sitzen“, sagt die junge Frau: „Ich möchte was anpacken.“ Als Kind hat sie mit Puppen gespielt – aber auch ihrem kleinen Bruder die Lego-Technik gemopst und mit ihrem Opa herumgebastelt. „In der Familie war klar, dass ich mal was Handwerkliches mache.“ Zwei Praktika – eins in einem Handwerksbetrieb, eins in einem Industrie-Unternehmen – zeigten ihr den Weg: „Ich fand es interessant, an den großen Maschinen zu arbeiten. Es ist doch toll, wenn man das alles am Laufen hält.“

Waelzholz produziert Bandstähle – für stark beanspruchte Federn oder hauchdünne Rasierklingen

Das ist bei Waelzholz die Aufgabe des 15-köpfigen Elektroniker-Teams. Auf den Walzgerüsten werden hochwertige Bandstähle produziert, für besonders stark beanspruchte Federn oder hauchdünne Rasierklingen. Die Anlagen werden regelmäßig gewartet, oft wird etwas umgebaut oder erneuert.

„Wir sind eine Reparaturwerkstatt. Da ist jeden Tag was anderes zu tun“, erklärt Leiter Dirk Wittemund. Die zwei Azubis sind stets dabei. „Sie sollen alles kennenlernen und mit ihren Aufgaben wachsen.“ Auch in die Verantwortung hinein: „Wenn die Maschine eingeschaltet wird, darf es keine unerwarteten Bewegungen geben.“

Am Ende hat sich Valentina Kling gegen einen Abiturienten behauptet

Die einzige Frau im Team wird so behandelt wie die Männer. Das hat Wittemund schon im Vorstellungsgespräch klargemacht. Da hatte Valentina Kling ganz andere Sorgen: „Die Bewerber waren alle älter, mit höheren Schulabschlüssen und ich von der Sekundarschule – ich hab gedacht, ich bin raus.“ Am Ende hat sie sich gegen einen Abiturienten behauptet – und ihre Chefs nicht enttäuscht. Die ersten Prüfungen hat sie im praktischen Teil mit der vollen Punktzahl bestanden, im theoretischen mit einer guten Drei.

„Ich merk schon, dass ich etwas zurückhänge“, sagt sie: „In der Klasse sind wir nur zwei, die direkt nach der Schule die Ausbildung machen.“ Aber das Unternehmen unterstützt mit Nachhilfe und ist stolz auf ihre Azubine. Die kommt allein unter Männern gut klar. „Am Anfang waren die Kollegen schon etwas vorsichtiger“, glaubt die junge Frau: „Aber wenn man dann selbst Witze macht, ändert sich das.“

Keine Angst vor schmutzigen Händen – das gilt auch fürs Hobby

Dass sie bei der Arbeit schon mal dreckig wird, stört sie nicht. Zimperlich darf man im Pferdestall schließlich auch nicht sein. Dort ist sie mindestens jeden zweiten Tag. Der zehnjährige Rocky ist in der Ausbildung zum „normalen“ Reitpferd. „Auf der Rennbahn ist er 77 Stundenkilometer gelaufen“, so Valentina: „Das ist dann doch zu viel für einen Ritt durch den Wald.“ In der Freizeit darf es ruhig etwas weniger energiegeladen zugehen.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Job?

In der Berufsorientierung habe ich drei Bereiche ausprobiert: In Elektro war ich die Beste. Und es hat mir Spaß gemacht.

Was reizt Sie am meisten?

Mir gefällt das Handwerkliche und dass ich schon vieles selbst ausprobieren und machen darf.

Worauf kommt es an?

Man muss zugucken, zuhören, mitdenken und lernen. Und das alles in Teamarbeit umsetzen.


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