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„Ich komme morgen später!“

Arztbesuch während der Arbeitszeit – was ist erlaubt?

Klar: Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte jeder möglichst bald zum Arzt. Doch wann haben Arbeitnehmer allen Grund und Anspruch für einen Arzttermin während der Arbeitszeit? Und in welchen Fällen muss man das in der Freizeit erledigen?

Foto: JohnKwan – stock.adobe.com

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Wer krank ist, muss zum Arzt. Das steht außer Frage. Allerdings gibt es im Gesetz einen Hinweis darauf, dass ein Arztbesuch während der Arbeitszeit nur unter bestimmten Umständen vom Chef akzeptiert und bezahlt werden muss: „In Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches steht in diesem Zusammenhang die Formulierung ‚ohne sein Verschulden‘“, sagt Roland Wolf, Geschäftsführer und Abteilungsleiter für Arbeits- und Tarifrecht bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. „Das heißt, dass sich der Arbeitnehmer um einen Arzttermin außerhalb der Arbeitszeit bemühen muss“, erklärt er.

Was, wenn die Praxis nur während der Arbeitszeiten geöffnet hat?

Hat ein Arzt aber beispielsweise nur von 9 bis 12 Uhr geöffnet, und liegt dieses Zeitfenster innerhalb der Arbeitszeit, dann darf der Arbeitnehmer den Termin trotzdem wahrnehmen, ohne dass er auf Lohn verzichten muss. Das gilt sogar für Teilzeitkräfte, die durch ihr Beschäftigungsverhältnis grundsätzlich mehr Freizeit haben sollten als Vollzeitangestellte. Von ihnen wird dementsprechend ein Arztbesuch außerhalb der Arbeitszeit erwartet. Gibt es diese Möglichkeit aber von Arztseite aus nicht, dann muss der Termin während der Arbeitszeit akzeptiert werden.

Anders ist die Situation, wenn im Betrieb Gleitzeit möglich ist. Dann sollte der Arbeitnehmer versuchen, vor der Arbeit zum Arzt zu gehen. „Er kann dank der flexiblen Arbeitszeiten später anfangen zu arbeiten und geht dementsprechend auch später nach Hause“, sagt Wolf.

Muss ich dem Arbeitgeber gegenüber nachweisen, dass ich beim Arzt war?

Ob der Arbeitnehmer einen Nachweis über seinen Arztbesuch vorlegen muss, hängt oft vom Arbeits- oder Tarifvertrag ab. Was dort steht, ist bindend. Wird im Vertrag nichts zu diesem Thema gesagt, sollte man den Vorgesetzten fragen, ob man eine Bescheinigung mitbringen muss. „Sinnvollerweise schreibt der Arzt auch, dass der Besuch während der Arbeitszeit notwendig war“, sagt der Experte für Arbeitsrecht.

Darf der Chef mir einen Arzt vorschreiben?

Je nachdem, wo der Arzt sitzt beziehungsweise der Arbeitnehmer seine Einsatzstelle hat, fällt häufig auch eine lange An- und Abreise an. „Trotzdem darf der Chef keinen Einfluss auf die Arztwahl nehmen“, sagt Wolf. Er kann also den Angestellten nicht dazu zwingen, den Zahnarzt in der Nachbarschaft aufzusuchen, wenn der Mitarbeiter möglicherweise schon seit Jahren ein Vertrauensverhältnis zu seinem Zahnarzt hat, der aber deutlich weiter entfernt ist. „Dementsprechend bekommt der Arbeitnehmer auch für die Zeit der An- und Abreise seinen Lohn, sofern der Termin während der Arbeitszeit unvermeidbar war.“

Was gilt bei akuten Problemen?

Anders ist die Situation, wenn der Arbeitnehmer während der Arbeit bemerkt, dass er krank ist: Zahnschmerzen oder Fieber beispielsweise oder auch ein Unfall sind ausreichend, um während der Arbeitszeit zum Arzt zu gehen, auch wenn es während der Freizeit Termine gegeben hätte.

Und wenn jemand chronisch krank ist?

Wer chronisch krank ist, muss sich wie andere Arbeitnehmer auch darum bemühen, einen Termin außerhalb der Arbeitszeit zu bekommen. „Das gilt allerdings nicht für Dialyse-Patienten“, sagt Wolf, sie dürften auch während der Arbeitszeit in die Behandlung.

Arztbesuche während der Schwangerschaft

Für Schwangere gilt, was Paragraf 7 Mutterschutzgesetz regelt: Vorsorgeuntersuchungen, die die gesetzliche Krankenkasse bezahlt, dürfen während der Arbeitszeit durchgeführt werden.

Darf ich mein Kind zum Arzt begleiten?

Für Eltern mit kleinen Kindern gilt übrigens die gleiche Regelung: Arzttermine gehören in die Freizeit – außer wenn es sich um eine akute Situation handelt. Wer mit dem Nachwuchs beim Arzt ist, sollte sich bescheinigen lassen, dass das Kind noch auf Begleitung angewiesen ist.

„In der Regel geht man davon aus, dass Kinder ab 12 Jahren auch alleine zum Arzt gehen können“, sagt Wolf. Trotzdem gibt es Untersuchungen und Diagnosen, die auch dann die Anwesenheit eines Elternteils notwendig machen, wenn das Kind schon älter ist.

Was passiert, wenn ich mich nicht an die Regeln halte?

Gibt es innerhalb des Betriebs Regelungen zum Arztbesuch während der Arbeitszeit, muss sich der Arbeitnehmer daran halten, solange sie mit dem Gesetz vereinbar sind. „Wer gegen diese Regelungen verstößt, muss mit einer Abmahnung und gegebenenfalls mit einer Kündigung rechnen“, sagt Wolf.


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