Mittelstand

Zutaten für das optimale Outfit


Zschimmer & Schwarz fertigt Hilfsmittel für die Textil-Industrie – und wuchs sogar noch in der Krise

Ohne Chemie sind moderne Leder- und Textil-Produkte nicht herzustellen. Wie man zum Beispiel aus Abfall Material für neue Schuhe machen kann oder Stoffe optimal färbt, hat AKTIV vor Ort erfahren.

Burgstädt. Das ist ja alles ganz pink geworden! Beim Blick in die heimische Waschmaschine wäre das ein doofer Befund. Doch für Andreas Schönfeld ist er optimal. Er holt die Wäsche aus dem Gerät, hält sie gegen das Licht, nimmt sie akribisch in Augenschein, prüft die Nähte. „Nichts auszusetzen, der Farbton ist perfekt“, sagt er. „Die Farbe ist überall gleichmäßig eingezogen.“

Schönfeld ist Gruppenleiter bei Zschimmer & Schwarz in Burgstädt (bei Chemnitz). Im Technikum hat er ein Färberei-Hilfsmittel getestet – eine Chemikalie, die dafür sorgt, dass Farbe gleichmäßig in Textilien einzieht. Die veränderte Rezeptur war notwendig, weil ein Kunde ein neuartiges Gewebegemisch einsetzen möchte.

Chemie als Zulieferer für die Textil-Industrie: Sie produziert Hilfsmittel für diverse Zwecke – zum Färben, aber etwa auch als Flammschutz oder um Fasern wasserabweisend zu machen.

Service-Techniker weltweit im Einsatz

150 Produkte für Baumwolle, Leinen und Kunstfaser hat die Firma im Angebot. Produziert werden sie in großen Synthese-Reaktoren. Die Kunden sitzen im Inland genauso wie in Italien oder China. „Sie schätzen unsere gleichmäßig hohe Qualität“, sagt Geschäftsführer Christian Bartsch. „Und unseren Service.“ Wenn ein Kunde Unterstützung beim sachgerechten Einsatz benötigt, dann reisen die Techniker aus Burgstädt auch in den letzten Winkel der Welt.

Zweites Standbein in Burgstädt sind Phosphonate, die sich aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften in einer Vielzahl von technischen Anwendungen finden lassen. Ihr Einsatz hat wesentlich zur Entwicklung phosphatfreier Kompakt- und Flüssigwaschmittel beigetragen.

Außerdem werden sie in Kühlwassersystemen, Entsalzungsanlagen und bei der Erdölförderung eingesetzt.

Über mangelnde Arbeit können sich die 145 Mitarbeiter nicht beklagen, die Anlagen produzieren am Rande der Kapazität. „Selbst 2009, als in der Krise der Absatz der Textil-Hilfsmittel zurückging, haben wir einen neuen Umsatzrekord eingefahren“, erzählt Bartsch. 43 Millionen Euro waren das, für 2010 peilt man 45 Millionen an.

Bald jährlich 20.000 Tonnen mehr

Und ab diesem Monat wird die Produktion ausgebaut. 5 Millionen Euro werden investiert. Statt rund 45.000 Tonnen können die Burgstädter dann jährlich etwa 65.000 Tonnen der begehrten Produkte herstellen. Mittelfristig sollen in Burgstädt weitere 10 Millionen Euro investiert werden. Dabei werde angesichts des Preisdrucks konsequent automatisiert, erläutert Bartsch. „Die Anzahl unserer Mitarbeiter wird sich durch den Ausbau leider nicht wesentlich erhöhen.“

Der Standort ist Teil der Zschimmer & Schwarz- Gruppe mit Sitz in Lahnstein (Rheinland-Pfalz) – die übrigens vor 116 Jahren in Chemnitz gegründet wurde.

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