Menschen

Zusammen schwitzen schweißt zusammen


In Führung: Oliver Kraft (vorne) organisiert für seine Kollegen private Mountainbike-Touren durch das Allgäu. Foto: Puchner

Oliver Kraft sorgt bei Deckel Maho für gutes Betriebsklima

Pfronten. Sie haben sich in der Regel viel zu sagen. Und reden meist trotzdem nicht viel miteinander. Es heißt, Konstrukteure und Monteure hätten am Arbeitsplatz ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis.

Für Oliver Kraft gilt das nicht. Nicht mehr. „Ich habe mittlerweile viel Verständnis für die andere Partei“, sagt der Abteilungsleiter für Sonderkonstruktionen beim Maschinenbauer Deckel Maho in Pfronten im Allgäu.

„Die andere Partei“: So nennt Kraft, leicht augenzwinkernd, die Monteure  –  die  seit  Jahren,  nur ein Stockwerk unter ihm, nach seinen Plänen Fräsmaschinen zusammenbauen. Trotz der räumlichen Nähe  blieb  immer  eine  gewisse persönliche Distanz.

Das änderte sich erst, als der 37-Jährige sich mit Kollegen aufs Mountainbike schwang – und sie zu Sportskameraden wurden. Er könne sich heute viel besser in die Lage der Monteure versetzen und ihre Sicht der Dinge nachvollziehen, sagt Kraft.

Vor vier Jahren hat der Maschinenbau-Ingenieur die „Windschattabikar“ ins Leben gerufen. Auf Hochdeutsch: die Windschattenfahrer. Die Trainings-Gruppe bilden zwei Dutzend Radler, fast ausschließlich Mitarbeiter von Deckel Maho. Die Freizeit-Sportler kommen aus verschiedenen Abteilungen des 1.000-Mann-Betriebs.

Der kurze Dienstweg wird nun eher genutzt

„Ich treffe mich jetzt regelmäßig mit Kollegen, die ich sonst nicht einmal kennen würde“, berichtet Kraft – ein klarer Vorteil für Arbeitsabläufe und Betriebsklima.

Der Tritt in die Pedale hält nämlich nicht nur körperlich fit. Das gemeinsame Schwitzen im Sattel schafft Vertrautheit. „Wir sprechen heute freundschaftlich über Dinge, die früher niemand in einer dienstlichen E-Mail an einen unbekannten Kollegen geschrieben hätte“, beschreibt es Kraft.

Der Umgang miteinander ist persönlicher geworden. Kein Wunder: Wer gemeinsam Zeit auf dem Rad verbringt und später beim Bier zusammensitzt, nutzt eher mal den kurzen Dienstweg. „Die regelmäßige Zeit miteinander hat uns Kollegen zusammengebracht“, erzählt der Konstrukteur.

Kraft ist es, der in der Regel die gemeinsamen Aktionen der Windschattabikar organisiert. „Bei mir laufen die Fäden schon zusammen.“ Der Initiator der inoffiziellen „Betriebssportgruppe“ kümmert sich um Trikots, sucht Sponsoren und meldet das Team für Wettbewerbe wie den „Pfrontner Mountainbike-Marathon“ oder die „24 Stunden von München“ an.

Auch die Internet-Seite der Windschattabikar ist Krafts Werk. „Das Programmieren der Trainings-Datenbank ist mein Hobby“, sagt der Ingenieur. Er plane einfach gerne – im Job genauso wie im Freizeitsport. Jeder kann auf der Homepage das Kilometerpensum  der Kollegen einsehen – auch wenn die mal solo unterwegs sind. „Das soll motivieren“, erklärt er.

Für Kraft ist seine Radl-Truppe Herzensangelegenheit. Doch auch er fährt gerne einmal nur mit einem guten Freund. Kennengelernt hat der Konstrukteur seinen liebsten Radl-Kameraden bei den „Windschattabikar“. Er ist Monteur.

Michael Stark

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Bereits als Jugendlicher war Modellbau, vor allem ferngesteuerte Autos, meine Leidenschaft. Dass ich in einem technischen Beruf gelandet bin, ist daher nicht überraschend.

Was gefällt Ihnen besonders?

Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich.

Ein Konstrukteur darf immer etwas gestalten, muss ständig kreativ sein. Ich kann sehr frei arbeiten – ein Privileg.

Worauf kommt es an?

Als Leiter der Abteilung Sonderkonstruktionen muss ich Mitarbeiter führen. Trotzdem ist natürlich

klar: Ich muss über technische Abläufe Bescheid wissen. Sonst bin ich als Chef unglaubwürdig

 

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