Mitarbeiter mit Behinderung

Zurück im Job: Wie der Technik-Konzern ZF Mitarbeiter nach langer Krankheit unterstützt

Passau. Drei Worte. Die alles verändern. „Sie haben Krebs.“ Herbert Steinmüller war erst 48 Jahre alt, da stellten die Ärzte die Diagnose. Plötzlicher Gewichtsverlust, starke Rückenschmerzen. Das war der Anfang. Die Mediziner verordneten Chemotherapie und prophezeiten dem Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen AG in Passau, er würde bald im Rollstuhl sitzen.

Von der CNC-Fräse ins Teilelager

Doch so weit kam es zum Glück nicht. Heute mit 50 geht es Steinmüller besser, und er kann in seinem Betrieb wieder arbeiten, 35 Stunden Vollzeit. Wegen der Folgen der Krankheit wurde er als schwerbehindert eingestuft.

„Ich bin ein Kämpfer“, sagt der Kfz-Mechaniker. Das nimmt man dem sympathischen Mann, der seit 30 Jahren in dem Werk arbeitet, sofort ab. Flott durchquert er die Gänge des Teilelagers, seines neuen Arbeitsplatzes.

„Ich musste den Job wechseln, das war klar“, so Steinmüller. Denn anstrengende körperliche Tätigkeiten und Schichtbetrieb haben die Ärzte dem ehemaligen Monteur und CNC-Dreher untersagt. So kam er von der Fräsmaschine zum Lager. Das war eine große Umstellung für ihn.

Die Arbeit an der Maschine vermisst er, aber die Abwechslung an seinem neuen Platz gefällt ihm: Am Schreibtisch kann sich Steinmüller zwischendurch etwas ausruhen. Ist eine Bestellliste fertig, geht er durch die Gänge mit den Hochregalen. Fährt per Knopfdruck zielsicher die Schubfächer mit den gesuchten Teilen nach vorn und stellt Stück für Stück die Lieferung für die Kollegen im Werk zusammen.

Auch Express-Anfragen landen auf seinem Tisch. Etwa wenn in der Fertigung dringend Ersatzteile für eine Maschine gebraucht werden. „Wir müssen schnell und zuverlässig sein“, so Steinmüller. Er arbeitet in einem zehnköpfigen Team. Schwere Dinge wie dicke Schleifscheiben bewegt er mit Hebezeugen oder dem Gabelstapler.

Den Führerschein dafür hat Steinmüller vor Jahren bei ZF gemacht – aber bislang nie gebraucht. Jetzt ist er froh. „Wir wussten, dass er den Wechsel schafft“, sagt Karl-Heinz Drexler, sein Vorgesetzer.

Steinmüller ist nicht der einzige ZF-Mitarbeiter mit Behinderung. Der Gesetzgeber fordert eine Quote von 5 Prozent in größeren Betrieben. „Da liegen wir locker drüber“, sagt Wolfgang Stöbich, der Sozialbetreuer von ZF. Am Standort Passau beträgt der Anteil Schwerbehinderter 9,7 Prozent. Für ihr Engagement bekam die Firma im vergangenen Jahr einen Preis der Bayerischen Staatsregierung.

„Im Freistaat gibt es bereits viele gute Ansätze für Inklusion in Unternehmen“, lobt Ralf Holtzwart von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. „ZF ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass in den Köpfen der Mitarbeiter keine Hürden existieren.“

Und was half Steinmüller durch die schwere Zeit? Neben seiner Familie und einer gehörigen Portion Zuversicht waren es seine Kollegen von ZF. Regelmäßig stand er mit der Firma in Kontakt: „Ich wusste, ich kann zurück“, sagt der Vater von drei Kindern rückblickend. „Das war eine ungemeine Erleichterung, zu wissen, dass es irgendwann weitergeht.“

Kollegen besuchten den Kranken zu Hause – draußen im Garten. „Ins Haus durften sie nicht, wegen der Ansteckungsgefahr“, so Steinmüller. Das Immunsystem von Krebspatienten ist während der Therapie so geschwächt, dass jeder Kontakt mit Viren vermieden werden muss. Besuche waren zwar erlaubt, aber nur mit Sicherheitsabstand an der frischen Luft. „Lymphknotenkrebs ist heimtückisch“, beschreibt Steinmüller seine Krankheit: „Er verursacht lange Zeit keine Schmerzen.“

Zeit für Enkelkind und Garten

Einen Gang zurückschalten musste Steinmüller auch privat. Die Krankheit hat viel verändert: „Früher habe ich am Wochenende im Wald Bäume gefällt“, sagt er. „Heute pflanze ich Tulpen im Garten und nehme mir Zeit für mein Enkelkind.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich habe eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker. Später war ich in der Montage und im Prototypenbau. Nach meiner Krankheit bin ich in die Logistik gewechselt.

Was reizt Sie am meisten?
Es ist nie eintönig. Wir bekommen jeden Tag andere Aufträge. Dadurch habe ich viel Kontakt mit anderen Abteilungen im Werk. Das gefällt mir.

Worauf kommt es an?
Wir sind ein gutes Team. Man hilft sich gegenseitig und springt auch mal für den anderen ein.


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