Den Horizont erweitern

Zur Ausbildung ins Ausland


Wieder gelandet: Steffen Renz (links) und Alexander Häußler haben in England wertvolle Erfahrungen gemacht. Foto: Mierendorf

Künftige Facharbeiter profitieren vom Blick über den Tellerrand

Neckartenzlingen. Das Erste, was Steffen Renz (24) als Praktikant bei der englischen Firma auffiel, war der „andere Stil beim Umgang mit den Kunden“, sagt der junge Mann. „Die kommen einfach vorbei. Man spricht dann erst mal übers Wetter und danach über den Auftrag.“

Auch das Lieferdatum werde nur mündlich vereinbart. Bei dem kleinen Betrieb in Torquay, im Süden Englands, hat Steffen Renz drei Wochen mitgearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt.

Alexander Häußler (18) war in dieser Zeit bei Meddings Engineering in Plymouth, einem Hersteller von Bohrmaschinen. „Die Kollegen dort waren sehr offen und haben mich gleich einbezogen. Das war ganz toll“, erzählt er.

Die beiden jungen Männer lernen bei dem Unternehmen Hirschmann in Neckartenzlingen den Beruf des Mechatronikers. Mit dem Projekt „Go.for.europe“, einer Gemeinschaftsaktion der baden-württembergischen Wirtschaft, hatten sie die Möglichkeit zu einem vierwöchigen Auslandsaufenthalt.

Auch der Betrieb hat etwas davon

Ausbildungsleiter Friedrich Bronni schickt seit 2006 jedes Jahr ein bis zwei Auszubildende ins Ausland. „England ist bei den Azubis schon wegen der Sprache besonders begehrt. Wir hatten aber auch schon Praktikanten in Frankreich und Spanien“, sagt der Ausbilder.

Erfahrungen im Ausland zu sammeln, ist aus Bronnis Sicht für junge Menschen „einfach zwingend“. Nicht nur, weil der Hersteller von industriellen Netzwerkgeräten (industrial ethernet) seit Jahren zu dem US-Konzern Belden gehört. Sondern auch, weil der Blick über den Tellerrand immer bereichernd ist: „Wir leben in einer globalen Welt. Man sollte einfach mal sehen, wie es woanders läuft.“ Davon profitiere auch der Betrieb, ist Bronni überzeugt.

Für Steffen Renz und Alexander Häußler hat sich der Einsatz auf alle Fälle gelohnt, wie beide betonen. „Es war interessant zu sehen, wie die englischen Beschäftigten arbeiten“, sagt Alexander Häußler, und Steffen Renz ergänzt: „Die gehen dort lockerer an die Arbeit heran.“

Beide können sich heute vorstellen, auch mal längere Zeit ins Ausland zu gehen. Damit haben sie gute Voraussetzungen für ihre berufliche Karriere. Denn immer öfter werden Mitarbeiter zu Einsätzen ins Ausland geschickt. Die Unternehmen erwarten deshalb auch von Facharbeitern interkulturelle Kompetenzen.

„Wir bereiten angehende Fachkräfte auf die Anforderungen des europäischen Arbeitsmarktes vor“, sagt dazu Sibylle Sock vom BBQ Berufliche Bildung, einem Tochterunternehmen des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft.

Rundum-sorglos-Paket für die Unternehmen

Sock koordiniert das Projekt und nimmt den Unternehmen die komplette Organisation ab: Die Suche nach einem Partnerbetrieb, die Unterbringung der Praktikanten und alle Formalitäten. Sogar die Flüge werden von der BBQ gebucht.

Zu diesem Rundum-sorglos-Paket steuern die Azubis 520 Euro bei. Hirschmann übernimmt 300 Euro davon und zahlt die Ausbildungsvergütung während des Praktikums weiter.

Da fällt selbst das Urteil über die englische Küche milde aus. Vor allem das Sonntagsessen hat den beiden geschmeckt: Fisch und Chips.

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