Das bewegt die Jugend von heute

Zum Ausbildungsstart: Was Unternehmen über den Fachkräfte-Nachwuchs wissen sollten

Mainz. Sie lebt mit dem Smartphone, bewegt sich in sechs Netzwerken gleichzeitig und schwärmt für den Schauspieler Matthias Schweighöfer, den Rapper Cro und Rennfahrer Sebastian Vettel.

Die Rede ist von der „Generation 2014“. Zum Ausbildungsstart am 1. September steht sie erstmals ihren Ausbildern in den Betrieben gegenüber. „Um Jugendliche richtig anzusprechen, muss man wissen, wie sie ticken“, weiß Elisabeth Hoffmann. Die Bildungsexpertin der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, selbst dreifache Mutter, hat dazu eine spannende Studie erstellt (ao5.de/jugend).

Kern-Erkenntnis: Chillen und Chatten stehen beim Nachwuchs hoch im Kurs. Aber Ausbilder erwarten statt Abhängen Fleiß und statt Quatschen Aufmerksamkeit. Unüberbrückbare Gegensätze? „Nein“, findet Hoffmann. „Aber es hat vor 20 Jahren bei den Eltern einen Paradigmenwechsel gegeben, der sich nun bemerkbar macht.“

Der Spaßfaktor

Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen? „Durchhalteparolen sind in der Erziehung total out“, weiß Hoffmann. Eltern wollen glückliche Kinder und ermöglichen ihnen jede Menge Spaß, den sie selbst vielleicht nie hatten. Die Folge: Wenn’s dann mal nicht so lustig ist, geben einige junge Leute zu schnell auf. „Sie brauchen viel Ermutigung“, sagt Hoffmann. „Gut zureden, den Rücken stärken – dann klappt’s schon!“

Die Balance

Das große Haus, der fette Schlitten, die steile Karriere – allein darauf zu schauen, ist für viele Junge eher die Eltern-Perspektive. „Carsharing tut’s auch, dafür müssen aber die Sitzbezüge aus Öko-Baumwolle sein“, beschreibt die Expertin die neue Ausrichtung. Work-Life-Balance lautet das Stichwort. Zur wahrgenommenen Lebensqualität zählen eine gesunde Umwelt und genügend Freizeit ebenso wie materieller Wohlstand: „Das sind ganz deutliche Trends!“

Der Respekt

Dem klassischen Chef-Outfit in Anzug und Krawatte oder auch einem akademischen Titel begegnen Jugendliche ganz locker: „Wer Respekt erwartet, muss ihn sich erst durch Kompetenz verdienen“, berichtet Hoffmann. Uni-Professoren wie Ausbilder müssten hier stark umdenken: „Hierarchien werden nicht mehr akzeptiert, nur weil es sie gibt!“

Das Interesse

Nur ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen ist darüber auf dem Laufenden, was gerade in der Welt geschieht. Dafür haben gut drei Viertel den Überblick über das Konsumangebot bei neuesten technischen Produkten. „Bei den Eltern ist das eher umgekehrt“, sagt Hoffmann und fasst das so zusammen: „Die Jugend präferiert, was die eigene Lebenswelt betrifft.“

Die Selbsteinschätzung

„Eltern wollen, dass sich ihre Kinder selbst verwirklichen“, sagt die Expertin. Viele glauben, ihr Nachwuchs sei „kompetent“ und „hochbegabt“. Das aber erzeugt bei der Jugend sehr hohe Erwartungen: „Wer nicht zur Gruppe der Gymnasiasten zählt, fühlt sich oft schon als Verlierer“, bedauert die Pädagogin. Ein erfolgreicher Start in die Ausbildung ist also nicht nur für Einkommen und Fortkommen wichtig – sondern auch, um das Selbstbild zu festigen.


Mehr zum Thema:

Jeder von uns kann geistig fit bleiben – das hängt vor allem von unseren Einstellungen und unserer Willenskraft ab. Hinweise dazu gibt Ihnen dieser Psychotest, den der bekannte Therapeut Arnd Stein für AKTIV konzipiert hat.

aktualisiert am 06.11.2013

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang