Frauen und Technik

Zukunftsberuf Ingenieurin


Wie zwei junge Frauen mit der Schüler-Ingenieur-Akademie ihren Weg gefunden haben

Ulm. Noch vor ein paar Jahren hatte Julia Häußler ganz schön Respekt vor Technik. „Weil es immer hieß, das ist eher was für Jungs“, erzählt sie. „Dabei habe ich mich ziemlich dafür interessiert.“ Und heute? Sie ist angehende Wirtschaftsingenieurin! Genau wie Barbara Kreuzer. Sie war auf einem Mädchen-Gymnasium – und sagt: „Damals hatte ich keine Ahnung, was ich beruflich machen soll.“

Im September sind die beiden mit ihrem Berufsakademie-Studium in Heidenheim fertig. Vielleicht hätten sie heute noch Scheu vor Technik – wenn sie sich nicht 2003 bei der „SIA“ angemeldet hätten: Das steht für Schüler-Ingenieur-Akademie. Die wurde damals in Ulm erstmals angeboten. Sie entführt Gymnasiasten freitagnachmittags in die Welt der Technik.

Da stehen zum Beispiel Firmenbesuche und Experimente auf dem Programm. Julia Häußler erzählt: „Vorher hab ich mir gar nicht vorstellen können, wie es in einem Unternehmen aussieht, und was Ingenieure machen.“

Barbara Kreuzer erinnert sich noch, wie Lehrer Werner Mayr sie überredet hat, mitzumachen. Mayr unterrichtet am Ulmer St. Hildegard Gymnasium, besagter Mädchen-Schule. Und ist begeistert von der SIA: Weil es sonst kaum Möglichkeiten gebe, die Schülerinnen über Ingenieurberufe zu informieren. „Eine Schule ist eben kein Betrieb, hier gibt es keine Ingenieure, keine Drehmaschinen, keine Prüfstände“, so der Pädagoge. 

17 Mädchen und nur 5 Jungen

Heute müssen die Ulmer Gymnasiasten zur SIA nicht mehr überredet werden – sie hat sich herumgesprochen. „Zuletzt hatten wir doppelt so viele Bewerbungen wie Plätze“, berichtet Mayr. Vielleicht die Folge: „Ein Viertel der Schülerinnen wählt inzwischen Physik als Profilkurs, das hat uns selbst überrascht!“

Der Mädchenanteil in der SIA ist hoch. In einem Jahrgang gab es sogar 17 Mädchen und nur 5 Jungen, weiß Christine Blaas, die das Projekt beim Bildungsträger BBQ koordiniert. Kooperationspartner der SIA sind unter anderem Hochschulen und Unternehmen der Region. Wie Daimler, EADS, der Bus-Hersteller EvoBus, der Metall-Verarbeiter Wieland-Werke AG und der Gartentechnik-Hersteller Gardena Manufacturing GmbH. Susanne Buchmann, Referentin für Personalentwicklung bei Gardena: „Wir sind um den Ingenieurnachwuchs besorgt, wollen gegensteuern.“ 

Schlaues Rednerpult entwickelt

Berthold Funk, Ausbildungsleiter bei EvoBus: „Wir haben zwar noch viele Bewerbungen, aber deren Qualität lässt nach.“ Er ist stolz, dass die eingangs erwähnten SIA-Absolventen der ersten Stunde, Julia Häußler und Barbara Kreuzer, ausgerechnet in seinem Betrieb gelandet sind. Sie absolvieren ihr Berufsakademie-Studium bei EvoBus. Bewerbungen mit SIA-Zeugnis sieht Funk gerne, und die kommen jetzt immer öfter.

Was macht man eigentlich so, als Ingenieurin? Kreuzer und Häußler strahlen um die Wette, wenn sie vom „multimedialen Rednerpult“ erzählen. Das ha­ben sie im Studium entwickelt und gebaut. „Da ist alles drin, vom Touchscreen über eine Kamera, die den Redner filmt, bis zum Mini-Kühlschrank“, sagt Julia. „Und es kommt alles aus unseren Köpfen.“

Die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA)

Die SIA ist ein Projekt des Arbeitgeberverbands Südwestmetall für Gymnasiasten der Klassen 11 und 12: Ein Jahr lang lernen die Teilnehmer freitagnachmittags die Arbeitswelt von Ingenieuren kennen. Auf dem Programm stehen praktische Übungen, Unternehmensbesuche und Vorträge. Die SIA wird inzwischen in 44 Städten angeboten oder geplant. Seit dem Jahr 2000 haben 2.426 Schüler mitgemacht.

Näheres unter www.sia-bw.de

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Schlagwörter: Ausbildung

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