Unternehmensgeschichte

Zu Gast im Gedächtnis eines Weltkonzerns


„Ein Archiv stärkt die Authentizität und Glaubwürdigkeit“: Gerlinde Simon. Foto: Puchner

Augsburg. Die Wuppertaler Schwebebahn, das Dach der Frankfurter Festhalle, diese oder jene Eisenbahnbrücke aus Stahl – Werke von MAN-Ingenieuren: „Hier, alles dokumentiert“, sagt Gerlinde Simon – und zieht einen Ordner aus dem Regal. Fix hat sie Unterlagen und Bilder parat, wie zu praktisch allen Aspekten der Firmenhistorie.

Simon ist Leiterin des Historischen Archivs von MAN in Augsburg. Dieses „Gedächnis“ des heutigen Fahrzeug- und Maschinenbauunternehmens ist randvoll mit Geschichte und Geschichten: Hier stapeln sich zwei Millionen Dokumente und rund 20.000 Fotos. Geschäftsberichte, Verträge und Urkunden füllen 2.000 Regal-Meter. „Und jedes Jahr kommen knapp 30 Meter hinzu“, sagt Simon. Die ältesten Stücke sind aus dem Jahr 1840; Dokumente von Vorgängerfirmen aus noch früheren Zeiten lagern zum Beispiel im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Köln.

Im Augsburger Archiv ist aber nicht alles Material auf Anhieb zu sehen: Viele historische Schriftbände sind schon in Kellerräume ausgelagert worden. Ein Wegwerfen kam dabei nie in Betracht. „Hier beweist sich Erfahrung und Tradition, die wir auch belegen können“, erklärt Simon. „Ein Archiv stärkt die Authentizität und Glaubwürdigkeit.“

Die meisten Anfragen kommen zu Rudolf Diesel und seinem Motor

Die meisten Anfragen bekommt sie natürlich zum Leben Rudolf Diesels und zum Diesel-Motor: Der Erfinder hat ihn mithilfe von MAN entwickelt. Das 1893 erteilte Patent liegt im ans Archiv angrenzenden Firmenmuseum in einer Vitrine, dort steht auch der erste Versuchsmotor.

Neben Wissenschaftlern informieren sich vor allem Kollegen aus der PR-Abteilung der Firma. Aber auch Museen holen Erkundigungen ein, etwa zu früher gefertigten Maschinen. Manchmal werden auch technische Zeichnungen benötigt zum Beispiel für die Reparatur eines Jahrzehnte alten Motors. Und das Archiv hält sogar für Simon Überraschungen parat. Ein Kollege wollte wissen, wann sein Opa für MAN tätig war. Simon vertiefte sich in alte Dokumente – und stieß dabei unverhofft auf ihre eigene Familiengeschichte: „Ich fand heraus, dass mein Großvater einige Zeit für MAN gearbeitet hat.“

Die Patenturkunde und weitere Bilder sehen Sie in der folgenden Fotogalerie:

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang